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KammgarnDas 16. Kammgarn International Blues Festival überzeugt auf den ersten Blick schon durch die enorme Anzahl an Hochkarätern im Billing. Erneut wird das Festival von Ansager Michael Hill präsentiert, der vor jedem Konzert die richtigen Worte findet und das richtige Feeling vermittelt (Dieser fliegt übrigens extra für das Festival aus New York ein). Darüber hinaus gibt es wieder für jeden Besucher einen Gratis-Sampler, auf dem von jeder Band ein Song vertreten ist. Einmal mehr zeigt sich das Festival von seiner besten Seite.

 


LAYLA ZOE

Nachdem Ansager Michael Hill die Bühne verlassen hat, entert die Kanadierin LAYLA ZOE mit ihrer Band im prall gefüllten Cotton Club die Bühne und startet mit „Backstage Queen“ ordentlich durch. Von Anfang an zieht die sympathische Dame das Publikum in ihren Bann, es ist mehr als deutlich zu spüren, wie sehr sie sich darüber freut, nochmal in Kaiserslautern zu Gast zu sein. Das Publikum wird das gesamte Konzert über sehr gut mit einbezogen, LAYLA ZOE blickt direkt ins Publikum und spricht einzelne Personen direkt an. Ein wirklich sehr interessanter Umgang mit dem Publikum, den man in diesem Umfang eher selten erlebt.

Der Sound ist sehr gut abgemischt und die Band sehr gut eingespielt. Dass Layla des Öfteren an ihrem Gitarristen herumspielt, wirkt auf Dauer aber ein wenig gekünstelt. Die Kanadierin versteht es dennoch, das Publikum ganz auf ihre Seite zu ziehen. Man hört ja des Öfteren, dass ein Song einer bestimmten Person gewidmet wird, oftmals erfährt man als Fan aber nur wenig über die Hintergründe. Anders im Fall von LAYLA ZOE, sie erzählt von ihrer einst besten Freundin Marsha, die 2010 an einem Hirnaneurysma verstorben ist, aber immer an sie geglaubt hat. Ein wirklich trauriger Hintergrund für einen wirklich guten Song, der unter die Haut geht, was besonders den Text des Songs betrifft.

Gegen Ende des Sets wird noch ein Song präsentiert, den sie gemeinsam mit HENRIK FREISCHLADER geschrieben hat. Leider kommt dieser dazu aber nicht auf die Bühne. Den Abschluss bestreitet die Band mit einer sehr ruhigen Nummer, bevor sie sich zum Merch-Stand begibt. Ein gutes Konzert mit einer sehr sympathischen und starken Sängerin.

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HENRIK FREISCHLADER TRIO

Nach einer kurzen Umbaupause ist es dann soweit, HENRIK FREISCHLADER betritt mit seinem Trio die Bühne. Die Temperaturen im Klub dürften mittlerweile (trotz kurzzeitig offenen Hintertüren) knapp über 28°C liegen. Diese Tatsache ändert sich auch für den Rest des Abends nicht, das Blues-Feuer, welches die drei Herren auf der Bühne entfachen, ist schier unglaublich. Es ist wirklich erstaunlich wie gut HENRIK FREISCHLADER nach seiner Auszeit nach wie vor mit seinem Instrument verschmelzt. Darüber hinaus hat er bereits mit der ersten Ansage das Publikum ganz auf seiner Seite. Ein sehr sympathischer und bodenständiger Mensch, der sich selbst nicht zu ernst nimmt. „Wenn ihr wollt, könnt ihr beim folgenden Stück noch mal mitsingen. Der Refrain ist ziemlich einfach, ich gebe ihn jetzt aber trotzdem mal vor.“, „Ich stimme noch schnell die A-Saite, dann können wir weitermachen.“, „Beim nächsten Song versuche ich nicht so zu nuscheln, dann fällt euch das Mitsingen leichter und ihr könnt auch den Text verstehen.“, „Ich sehe hier zwar nur die erste Reihe, aber ich hoffe einfach mal, dass auch da hinten alle am Grinsen sind.“ - um ein paar Ansagen mal zu nennen.

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Den Spaß, den die drei Herren auf der Bühne haben, überträgt sich direkt auf den gesamten Klub. So entfacht das Trio eine wahnwitzige Energie, die keine Grenzen kennt. Dabei sind die drei Herren derart gut aufeinander eingespielt, dass sie auch auf der Bühne musikalisch richtig aufeinander eingehen. Hier ist es keineswegs so, als würde nur HENRIK FREISCHLADER im Rampenlicht stehen, alle drei zusammen bilden das Fundament dieser Band, und das ist ihrem Spiel anzumerken. Was besonders beim letzten Stück des Abends mehr als deutlich wird, welches in einer sehr ausladenden Jam-Session endet. Die Band präsentiert sowohl Songs ihres neuen Albums "Openness" als auch ältere Nummern und sorgt durch viel Improvisation für die nötige Abwechslung und Spannung.

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Der Sound ist von Anfang bis Ende hervorragend und zu keinem Zeitpunkt zu laut. Denn eben das bekomme ich immer von Besuchern von HENRIK FREISCHLADER-Konzerten zu hören, dass es viel zu laut gewesen sei. Die Band selbst ist anschließend noch lange am Merch-Stand, gibt Autogramme und unterhält sich mit den Fans. Die humanen Merch-Preise tragen zum perfekten Abend bei. Ein sehr gelungener Auftakt zum diesjährigen Kammgarn-International-Blues-Festival.


GROOVE COOKIES

Wie die Band nach dem Konzert selbst erwähnt, ist sie nicht zum ersten Mal beim Festival dabei. Eine Tatsache, die mich, um ehrlich zu sein, ein wenig verwundert. Denn so gesehen kommen die GROOVE COOKIES nicht über den Status einer Coverband hinaus. Zwar bietet die Band ein sehr gutes und auch abwechslungsreiches Programm, das mit diversen Solos auch dem hohen Standard des Veranstaltungsrahmens durchaus gerecht wird, irgendwie läuft es aber dennoch auf eine reine Coverband hinaus. Was ich aber nicht negativ meine, was mich aber aufgrund der anderen Bands etwas verwundert hat.

Das Programm setzt sich aus vielen Klassikern der Rock- und Blues-Geschichte zusammen. Die Bandmitglieder beherrschen ihre Instrumente alle hervorragend und daher verwundert es kaum, dass auch solch mutige LED ZEPPELIN-Nummern wie „Trampled Under Foot“ und „Rock’n‘Roll“ gespielt werden. Beide Songs werden erstklassig präsentiert, außerdem wagt sich die Band an „Nutbush City Limits“ von TINA TURNER, das ebenfalls gelingt. Sänger Rick De Soto, der vielen nicht unbekannt sein dürfte, wirkt zu weiten Teilen des Konzerts wie ein Robert Plant mit schwarzen Haaren. So wirken zumindest viele Gesten und einige Spielereien mit seiner Stimme. Allerdings muss ich dazu sagen, dass er auf der Bühne zuweilen etwas unprofessionell wirkt. So liegt vor ihm auf der Monitorbox z. B. eine Mappe mit Songtexten, die in den Pausen von ihm umgeblättert wird. Auch gibt sich die Band auf der Bühne bei einigen Songs deutlich Zeichen, wo und wie z. B. das Ende gesetzt wird. Das ist kein Verbrechen und eigentlich braucht man sich daran nicht zu stören, aber irgendwie wirkt es so, als würde die Band eine öffentliche Probe durchführen. So steht Sänger Rick z. B. des Öfteren etwas untätig in der Bühnenecke rum, was auf Dauer irgendwie befremdlich wirkt.

Dafür gibt Basser Christian Konrad gegen Ende des Konzerts aber eine Erklärung ab, denn die Band hat offenbar mit dem Ausstieg eines Sängers zu kämpfen, und Neuzugang Rick de Soto hat sich innerhalb weniger Wochen das Programm drauf geschafft. Damit steht das Konzert natürlich in einem ganz anderen Licht. Wenn die Band nur so wenig geprobt hat wie es Christian Konrad beschreibt, haben sie hier einen wirklich großartigen Job getan. Schlagzeuger Kurt Landry bedankt sich am Ende noch ausgiebig beim Publikum und Veranstalter. Ihrem Namen macht die Band besonders durch den Einsatz von Basser Christian Konrad alle Ehre, denn das gesamte Konzert über groovet es ganz gewaltig. Die Band tritt einen schönen Rhythmus los, der die Menge gut aufwärmt für WALTER TROUT.

Nach der ersten Zeppelin-Nummer bedankt sich ein Fan in der ersten Reihe lauthals, worauf Sänger Rick auch kurz eingeht „You Want It, You Got It!“. Gitarrist Gerhard Hoff (SLOWHAND) präsentiert die Songs ebenfalls gut, auch wenn einige Nummern stark an den Stil von ERIC CLAPTON erinnern. Dabei sollte man aber auch nicht vergessen, dass dies eben sein Stil ist. Bei einer ruhigen Stelle im Solo des Gitarristen, ruft aus dem Publikum eine Dame lauthals „Lauter!“. Der Gitarrist reagiert darauf sehr charmant mit einem kurzen und knappen „Gleich“-Ruf, bevor dann alle Dämme brechen. Nicht unerwähnt sollte auch die tolle Hammond-Orgel bleiben, die von Markus Lauer sehr gut gespielt wird. Die Band weiß mit ihrem Publikum umzugehen und hat sichtlich Spaß auf der Bühne, auch wenn sie zum Teil leider ein wenig verunsichert wirken, doch das liegt wie bereits erwähnt an den wenigen Proben. Und das kann man als Musik-Fan durchaus verschmerzen; ein gelungener Auftakt, der den Weg für WALTER TROUT ebnet.

 

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WALTER TROUT

Es grenzt an ein Wunder, dass der Altmeister WALTER TROUT zurück zum „Kammgarn International Blues Festival“ kommt. Bei seinem letzten Konzert 2013 spielte er, von seiner Krankheit gezeichnet, ein Konzert im Sitzen, das seine schwere Erkrankung sehr deutlich machte. Nun kehrt er mit neuem Album in Rücken und gesundheitlich wieder fit zurück. "Battle Scars" erzählt dabei die schwierige Zeit seiner Krankheit und wie er es geschafft hat, nach der Leber-Transplantation wieder das Reden, Lesen, Gehen und natürlich Gitarre spielen zu lernen. Es ist nicht übertrieben, wenn man an dieser Stelle erwähnt, dass dieses Konzert zuweilen auch eine sehr emotionale Angelegenheit ist. WALTER TROUT baut bereits zu Beginn eine Verbindung zum Publikum auf und erzählt von der schwierigen Zeit und was die einzelnen gespielten Songs bedeuten. Man merkt deutlich, wie glücklich er darüber ist, hier zu sein, dabei ist er samt Band extra für dieses Konzert von seiner US-Tour eingeflogen.

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Generell präsentiert sich TROUT sehr gesprächig, was dem Konzert eine sehr schöne Atmosphäre gibt. So erzählt er z. B. von seinem ersten Treffen mit der Legende B. B. KING, als er selbst noch ein kleiner Junge war. Das einstündige Gespräch hatte ihn derart fasziniert, dass er ebenfalls sein Leben der Musik widmen wollte. Und diese Musik hat es in sich, sowohl die Songs vom neuen Album als auch die altbekannten Nummern klingen zeitlos und faszinieren. So wird man komplett in den Bann der Band gesogen. Dieser merkt man an, dass es ihr nicht anders geht, sie sind mit Leib und Seele dabei. Sammy Avila steht das gesamte Konzert über sehr glücklich an seiner Hammond-Orgel, Michael Leasure ist ein richtiges Tier am Schlagzeug, und Johnny Griparic spielt seinen Bass, wie ich es noch nie gesehen habe. Hierbei handelt es sich eben noch um waschechte Musik, die aus dem Herzen kommt. Und obwohl WALTER TROUT wohl das Aushängeschild der Band ist, wirkt es hier zu keinem Zeitpunkt so, als würde er sich selbst diesen Hut anziehen. Hierbei handelt es sich um eine echte Band, und das ist jedem der Beteiligten deutlich anzusehen. Auch der Roadie wird immer wieder mit einbezogen, so schnallt er sich bei einigen Songs die Gitarre um und nimmt sogar kurz die Rolle am Mikro ein.

Dieses Konzert kann wirklich als außergewöhnlich beschrieben werden, so wird auch der Festival-Sprecher Michael Hill in eine Jam-Session mit der Band eingeladen. Der sympathische Amerikaner kennt WALTER TROUT bereits seit 25 Jahren, und sie haben noch nie miteinander gespielt. „That’s Gonna Be Fun“ sagt WALTER TROUT kurz vor der Session total locker, woraufhin eine echte Jam-Session startet. Etwas, das man heute auf vielen Konzerten vermisst und nicht wie eine bloße Showeinlage wirkt. Die beiden Gitarristen lächeln sich durchgängig an und haben ordentlich Spaß. Auch hier wird noch einmal deutlich, dass WALTER TROUT weiterhin sehr bodenständig ist. So spielt er Michael Hill nicht in den Boden, sondern die beiden spielen tatsächlich miteinander, bis sie sich beim Solo-Duell herzlich darüber amüsieren, was der jeweils andere besser spielen kann.

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Dennoch ist das Konzert auch von seiner Krankheit gezeichnet; WALTER TROUT schreckt nicht davor zurück, über die schwierige Zeit zu reden, und gegen Ende ruft er dazu auf, darüber nachzudenken, sich als Organspender anzumelden. Denn er lebt nur dank eines Fremden, der sich dazu eingetragen hat. Das gibt dem Konzert eine sehr persönliche und emotionale Atmosphäre, die ich so noch nie erlebt habe. Ein wirklich großartiges Konzert eines großartigen Musikers.


SIMO

Der dritte Tag des Festivals wird von der Band des aufstrebenden Gitarristen JD Simo eröffnet. Das Trio um den von JOE BONAMASSA hoch gelobten Gitarristen ist mit seiner aktuelle Platte „Let Love Show The Way“ auf Tour. Einen besseren Opener für THE BREW könnte ich mir um ehrlich zu sein nicht vorstellen. Auch wenn mir der Gitarrist selbst immer etwas unsympathisch erschien, spielt die Band ein wirklich wahnwitziges Konzert. Entgegen dem Trio von HENRIK FREISCHLADER spielt JD Simo hier aber die zentrale Rolle, und es wirkt nur bedingt wie eine Band. Dabei sind sowohl Basser Elad Shapiro als auch Schlagzeuger Adam Abrashoff ebenfalls hervorragende Musiker und spielen, was das Zeug hält.

Bereits der erste Song artet in einer kleine Jam-Session aus, was deutlich zeigt, dass begabte Musiker am Werk sind. Außerdem ist es von der ersten Minute an extrem laut, was aber kein Nachteil sein soll. Gitarrist JD Simo spielt wirklich abgefahrene Solos, auch wenn viele etwas „geschraddelt“ wirken, hat der Mann einen wirklich eigensinnigen Stil. Ob er nun sympathisch wirkt oder nicht spielt dabei keine große Rolle, vermutlich ist er eben einfach der introvertierte Typ. So hält er sich z. B. auch mit Publikumsansagen sehr zurück, bis Basser Elad ihn dazu auffordert was zu sagen. Eine Sache, die dem Gitarristen nur bedingt passt, so bittet er den Basser selbst grinsend ans Mikro „He Would Like To Tell You Something.“. So wirklich nett und freundlich wirkt das nicht. Doch es geht hier nicht um die Persönlichkeit des Gitarristen, sondern um die Musik, und die ist wirklich erhaben. Die Band spielt gegen Ende eine knackige Version des JOE COCKER-Hits „I Get By (With A Little Help From My Friends)“, der gegen Ende regelrecht auf der Bühne explodiert. Das nenne ich mal ein Tribute!

Auch der Rest des Konzertes kann sich sehen und hören lassen, dabei sollte allerdings erwähnt sein, dass die Band ihrem Spiel jederzeit freien Lauf lässt. Viele der präsentierten Songs arten dadurch in längere Jam-Sessions aus. Das stört niemanden der Anwesenden und bringt dem Konzert auch das gewisse Etwas. Die Songs der neuen Platte wie z. B. „Long May You Sail“ klingen live fantastisch und untermalen einmal mehr das Können dieser Band. Für Gitarristen dürfte das Setup des Gitarristen besonders interessant sein. Bekanntlich ist JD Simo großer Vintage-Anhänger, so stehen zwei wirklich außergewöhnliche Verstärker auf der Bühne, zwischen denen der Gitarrist des Öfteren hin und her wechselt (siehe Bilder). Bewacht wird dieser Vorgang wohl vom Maskottchen Kermit, der ruhig und gelassen vor dem Verstärker ruht.

Ein wirkliches gutes, energiegeladenes Konzert einer Band, von der man noch einiges erwarten kann. Wenn sich JD Simo etwas besinnt und Sympathiepunkte gut macht, würde es sicher noch einen Tacken besser werden.

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THE BREW

Die Live-Energie, die THE BREW regelmäßig entfachen, dürfte kaum einem Musik-Fan entgangen sein. Mit "Shake The Tree" hat die Band aktuell ein extrem starkes Album im Rücken. Was sollte also an diesem Abend schon schief gehen?

Nichts, und zwar überhaupt gar nichts. Bereits die Einleitung gestaltet die Band derart genial, dass es an die ganz großen Bands der Sechziger erinnert. Eine abgedunkelte Bühne, ein Gitarrensound, Stroboskoplicht und dann startet das Konzert mit einem lauten Knall. Selten erlebt man einen derartig grandiosen Einstieg in ein Konzert. Das erste Konzert der Tour und die Band wirkt derart gut aufeinander eingespielt, als wäre sie schon ein Jahr unterwegs. THE BREW überzeugen einmal mehr mit ihrer nicht zu bändigenden Energie und ihrer extrem sympathischen Art. So wird auf der Bühne in typisch englischer Manier gescherzt, und allen Beteiligten ist der Spaß mehr als nur anzusehen. Bassist Tim Smith untertreibt kein bisschen, wenn er in Interviews erwähnt, wie stark Sänger/Gitarrist Jason Barwick in den letzten Jahren als Frontmann gewachsen ist. Die Ansagen und Gesten des begabten Musikers sprechen eine Sprache für sich. Dabei liegt das Hauptaugenmerk aber nicht auf Jason, Tim ist die ruhige Konstante im Trio, derjenige, der einen nicht zu bändigen Rhythmus nach vorne treibt. Sein Bass-Sound ist nicht von dieser Welt und sowohl auf der neuen Platte als auch live einfach genial. Die Band schafft es, die neuen Songs von „Shake The Tree“ live noch stärker zu spielen, und damit wird das Songmaterial von stark zu grandios! Gerade „Black Hole Soul“ entwickelt sich live dank der genialen Dynamik zu einem unglaublichen Erlebnis. Selten hatte ich auf einem Konzert eine derartige Gänsehaut, ganz ähnlich sieht es bei „Without You“ aus, einfach fantastisch.

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Neben den neuen Stücken spielt die Band natürlich auch ihre Klassiker wie „Million Dead Stars“, „Repeat“ oder „Every Gig Has A Neighbour“. An der Setlist selbst gibt es überhaupt nichts auszusetzen, für manch einen werden es vermutlich zu viele neue Songs sein. Doch weshalb sollte die Band das grandiose Material der neuen Platte zurückhalten? Neben den Songs spielt aber vor allem das Zusammenspiel von THE BREW eine große Rolle. Nur damit wird der unglaubliche Energie-Sturm entfacht, den diese Band ausmacht. Jason, der im Rhythmus Pete Townshend-artig durch die Lüfte springt. Tim Smith, der den Bass mit einem solche Eifer spielt, dass es einen umwirft. Und natürlich des Bassisten Sohn Kurtis Smith, der das Schlagzeug so spielt, wie es bisher nur einer gespielt hat, sein großes Vorbild Jon Bonham. Und ja, ich meine das ernst, ich hatte natürlich nie Gelegenheit, den legendären Schlagzeuger live zu erleben, aber genau so stellt man sich die Sache vor. Obendrein ist an Kurtis noch ein sehr guter Schauspieler verloren gegangen, was er während des ausladenden Drum-Solos am Ende des Gigs einmal mehr beweist. Dabei wirkt der Gute derart sympathisch, dass man ihm gerne den ganzen Abend zuschauen würde. Generell möchte man überhaupt nicht, dass die Band das Konzert beendet, was bekannterweise mit einer ausladenden Version von „Million Dead Stars“ zwangsläufig passieren muss und einen letzten Höhepunkt des Konzertes darstellt.

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Einer von vielen, denn THE BREW wissen ihr Publikum zu begeistern. So packt Jason als Tribut an Jimmy Page für ein Solo den Geigenbogen aus und bringt die Menge zum Toben. Ja, man merkt deutlich, dass LED ZEPPELIN viel Einfluss auf THE BREW hatten. Eine Sache, die zumindest für mich keineswegs negativ ist. Doch es sind nicht diese Einlagen, die das Konzert zu etwas Außergewöhnlichem machen, sondern die Magie, die zwischen den Dreien auf der Bühne herrscht. Es sind die Ansagen, die zum Publikum gemacht werden und die kleinen Gesten, die auf der Bühne ausgetauscht werden. THE BREW stehen zu 100% hinter dem was sie machen, und das machen sie verdammt gut. Daher sollte ihnen eigentlich weit mehr Zuspruch entgegenwirken, doch das ist ein anderes Thema. Den Abschuss bestreiten die Herren übrigens wie den Anfang des Konzertes, was den Kreis an diesem Abend perfekt schließt.

Ein grandioses Konzert und ein würdiger Abschluss für den letzten Abend des Festivals im Kasino. Die Band selbst entspannt sich vor ihrer Abreise nach dem Konzert noch im Cotton Club beim Konzert von THE EXCITEMENTS und gibt zuvor noch fleißig Interviews am Merch-Stand. Wem THE BREW bisher live entgangen sein sollten, sollte das unbedingt nachholen, eine wirklich außergewöhnliche Band auf einem wirklich außergewöhnlichen Festival.

 


Auch die sechzehnte Ausgabe des „Kammgarn International Blues Festivals“ zeigt sich von seiner besten Seite. Nach wie vor herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre vor, und auch im Jahre 2016 kommt dieses Festival vollständig ohne Security und größere Kontrollen aus. Für Essen (zumindest für die Nicht-Vegetarier) ist dank eines Food-Trucks vor der Halle gesorgt. Die meisten Sympathiepunkte dürfte hingegen, wie auch bei den anderen Ausgaben des Festivals, Präsentator Michael Hill einfahren. Sein grundsympathisches Auftreten und seine sehr freundlichen Worte treffen immer auf den Punkt und geben dem Festival das gewisse Etwas. Eben jenes, was man auf anderen Festivals häufig vermisst. Die Gratis-CD, die jeder Besucher erhält, tut ihr Übriges zum gelungenen Wochenende. Es sei angemerkt, dass es leider nicht möglich war, alle Bands der Late Night Shows im Cotton Club zu besuchen und darüber zu berichten.

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(Fotos: Alex - Tag 1, Pascal - Tag 2 und 3)

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