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Sweden-Rock-final-posterjpgSo früh wie nie zuvor stand das "Ausverkauft"-Schild über der Kartenabteilung des schwedischen Vorzeigefestivals. Nicht nur im Land der Elche, wo es längst zur Institution geworden ist, erfreut sich das Event großer Beliebtheit. Aus aller Herren Länder strömen Rock - und Metalfans an die Südküste der skandinavischen Halbinsel. Das muss natürlich einen Grund haben, vor allem dass, oder weil, es gelingt so viele unterschiedliche Genres unter einem Dach zu vereinen. Dabei werden auch immer die ganz großen Namen gebucht, die hier ihre Shows abziehen, bei dem Programm können nur wenige mithalten. Nachdem im letzten Jahr eine Abordnung unserer Redaktion vor Ort war, um davon zu künden, verschlug es NECKBREAKER vom 03. - 06. Juni erneut nach Sölvesborg, um in dieses unvergleichliche Flair einzutauchen.

Anreise:
Die zeigte wieder einmal, dass man immer am Ball bleiben, die Spannung hochhalten sollte. Kurz vor Hamburg war unser Tross sehr gut unterwegs, daher dachten wir, dass wir die Pause etwas ausdehnen könnten. Tja, dann gibt es zwanzig Minuten vor uns bei Lübeck einen Stau, das Umfahren durch die Stadt bringt auch nichts außer ein paar schöne Blicke auf die Altstadt und am Ende läuft der sich gerade auflösende Stau am Hafen von Puttgarden auf. Dort konnte man den Ansturm nicht bewältigen, da man derzeit nur drei Fähren zur Verfügung hat, weil die polnische Werft eine bei Wartungsarbeiten umgekippt hat. So kamen wir dann doch in dem kleinen Zeitfenster, in dem es nachts dunkel war an.

In diesem Jahr gab es leider kein Pressecamp, was mich im Vorfeld etwas verärgerte, so mussten wir zum Rosenlunds Campingplatz, der etwa 800 m vom Eingang entfernt ist. Sicherlich keine Strecke, aber der Weg zum Gelände ist zu Spitzenzeiten doch sehr geschäftig. Dort war man so nett und ließ uns unsere Autos in der ersten Nacht neben den Zelten parken, so dass wir diese nur notdürftig aufbauen mussten, und erst am anderen morgen alles ausladen konnten. Das bewaldete Gelände erwies sich bei der über das gesamte Festival vorherrschenden steifen Brise als idealer Windfang.
Dazu gab es hier ein eigenes Dusch - und Toilettenhaus, welches ständig gereinigt wurde, und das nur ein paar mehr Steckdosen und Spiegel für die Poserfraktion vermissen ließ. Wie auf allen Campingplätzen durfte man nur an eingerichteten Kochstellen grillen oder Gaskocher benutzen, auf dem Rosenlunds hatte es dort aber sogar Schwenkgrills. Und alle paar Meter stand ein altes Fass als Mülltonne, die täglich geleert wurden, dieser Service gilt ebenfalls für alle Campingplätze, die auf dem SWEDENROCK privat betrieben werden. Das Campen ist damit etwas teurer als auf anderen Festivals, doch der Komfort kann sich sehen lassen.


HELL (4 Sounds Stage)
Nachdem wir am Nachmittag das Pressezentrum inspiziert und die komplette Händlermeile abgegrast hatten, stand mit den NWOBHM-Spätzündern der erste Programmpunkt des Festivals an. Gehört hatte ich schon viel von der Band, leider nur wenig mit eigenen Ohren, können sie den Ruf, der ihnen vorauseilt rechtfertigen? Als dann der alte Kern der Formation mit ihrem Produzenten Andy Sneap an der zweiten Gitarre „Gehenna Incendiis" anstimmten, waren meine Zweifel schon ein wenig geringer. Schließlich gehörte die Vorgängerband nicht gerade zur Speerspitze ihres Genres, doch das, was ich da hörte, war feinste traditionelle Riffkultur.

Doch ohne ihren Sänger David Bower wäre die Truppe nur die Hälfte wert, denn der Mann beherrschte das große Theater von dem Moment an, da er die Bühne betrat. Mit gefärbten Kontaktlinsen und seiner Dornenkrone war er eine sehr interessante Erscheinung, ohne auch nur im Ansatz auf sein äußeres Auftreten beschränkt zu werden. Hier präsentierte sich die Formation ohnehin sehr geschlossen, alle waren in Uniformen gekleidet, wie man sie im viktorianischen England trug.
Bower sollte später noch öfter seine Oberteile wechseln, seinen Kopfschmuck behielt er die ganze Zeit an. Auch unter einer Mönchskapuze, welche ebenso zu seinen Requisiten gehörte wie einen Geißel, mit der er sich selbst bestrafte, künstliche Blutstriemen inklusive. Obendrein unterlegte er jede Silbe mit seiner theatralischen Gestik, wie es einst der legendäre Ronnie James Dio tat. Auch von den Phrasierungen erinnerte er ein wenig an den Übervater der Metalshouter, wenngleich seine Stimmfärbung um einiges höher angesiedelt war.

Seine Hintermannschaft war trotz des höheren Alters immer voll auf der Höhe, den alten Recken bereitete es sichtlich Freude vor so einem großen Publikum aufzutreten. Viel war von der langen Abwesenheit nicht zu hören, das Spiel kam sehr tight aus den Boxen und hatte mächtig Druck und diesen herrlich authentischen NWOBHM-Groove. Da musste das Ass an den Reglern im Studio so viel gar nicht verstellen, die Herren leben die Songs, von denen einige schon zu Demozeiten entstanden.
Dass Sneap auch öfter mit ACCEPT zusammen arbeitet, kann man ebenfalls ein bisschen heraus hören, atmen doch beide Bands dieselben Vibes. Da kann man HELL das Übernehmen von deren patentiertem Gitarrenballett schon eher unterstellen. Zum Glück gibt die Theatershow ihres Frontmannes dann im Melodiebereich Liedern wie „Something Wicked This Way Comes", „The Quest" und dem gefeierten „On Earth As It Is In Hell" eine ganz andere Note. Tolle musikalische Geschichtsstunde mit einer leichten Tendenz zum Okkulten, die entsprechend bejubelt wurde.

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QUIREBOYS (Sweden Stage)
Das SWEDENROCK ist auch immer ein Aufgalopp von Bands aus den späten Achtzigern, welche sich nicht mehr entscheidend durchsetzen konnten. Auch wenn die Briten wieder vermehrt unterwegs sind und derweil mit einer wahren Veröffentlichungsflut glänzen, durfte ich sie noch nie live bewundern. Insofern war ich natürlich sehr gespannt, wie sie sich schlagen würden, die vielen Besetzungswechsel sorgen ja nicht unbedingt für ein homogenes Auftreten. Weit gefehlt, denn von Beginn an präsentierten sich die QUIREBOYS wie aus einem Guss.
Bereits beim Betreten der Bretter war klar, dass wir hier die am besten angezogene Gruppe des Festivals erleben werden. Von der Epoche her waren sie nicht weit von den vor ihnen spielenden HELL entfernt, denn ein Großteil der Oberbekleidung war dem englischen Dandystil entlehnt, wenn auch mit zeitgemäßer Anzugsmode kombiniert. Frontmann Spike hatte sogar eine typische Taschenuhr in der Weste stecken, welche allerdings nicht zu funktionieren schien. Ironischerweise fragte er gegen Ende des Gigs einen Techniker nach der Uhrzeit, welche jener von seinem Handy ablas.

Ebenso lässig wie die Sechs gewandet waren, agierten sie auch auf der Bühne, die Posen waren nie überrissen, die Gentlemen pflegten ihr Understatement. Dies trug zur geschlossenen Mannschaftsleistung bei, weil sich keiner in den Vordergrund stellen wollte. Spike war natürlich der Mittelpunkt der Show und schlurfte die ganze Zeit über die Bühne, vergaß aber nie, seine Mitmusiker zu präsentieren. Vor allem dem starken Keith Weir der hinter seinen Tasten saß, verschaffte er immer wieder Szeneapplaus.
Vom Sound her watete der Sechser zwar auf ausgetretenen Pfaden, sprühte aber vor Frische und Spielfreude. Dabei spielt der Blues ebenso eine Rolle wie der klassische Rock´n´Roll, immer begleitet von Weirs Honky Tonk-Piano. Es brauchte nicht viel, bis der Funke beim Publikum übersprang, die sympathische Art der Formation kam an, Spike musste nicht lange um Singalongs bitten. Zur Stimmung passend war auch der Andrang vor der Bühne groß, es wurde richtig kuschelig wie in einem alten Pub, wo man sich die QUIREBOYS gut vorstellen könnte.

Wobei es die Setlist den Anhängern auch einfach machte, nicht weniger als neun Titel des tollen Debüts von vor 25 Jahren wurden gezockt. An dessen Erfolg konnte zwar nie angeschlossen werden, dem Spaß an der Sache tat dies keinen Abbruch. In diesen Hitkanon wurden noch ein paar Stücke von den späteren Scheiben gemischt, die auch überzeugen konnten. So lieferten die Sechs eine verdammt coole, im besten Sinne abgehangene Vorstellung ab, welche vor Feeling nur so strotzte. Das Finale uferte dank des passenden Soundtracks der Band zu einer einzigen Party aus.

Setlist QUIREBOYS:
Too Much Of A Good Thing
Misled
There She Goes Again
Roses & Rings
This Is Rock´n´Roll
Mona Lisa Smiled
Whippin´ Boy
I Don´t Love You Anymore
Tramps & Thieves
Hey You
Beautiful Curse
Sweet Mary Ann
Dirty Town
7 O´Clock
Sex Party

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EVERGREY (4 Sounds Stage)
Auch der ersten einheimischen Band, die sich unsere Abordnung zu Gemüte führte ging ein guter Ruf voraus, doch bislang schaffte ich es auch hier nicht, mich ausgiebig mit deren Output zu beschäftigen. Dabei machten schon die ersten Töne klar, dass man den Verfasser dieser Zeilen durchaus mit der Stilistik locken könnte. Progressive Riffattacken trafen immer wieder auf weite, raumgreifende, atmosphärische Passagen.
Zugute halten muss man da EVERGREY auf alle Fälle, dass sie stets einen Keyboarder in ihren Reihen hatten. Wo andere Metalbands oft auf Tastenklänge aus der Konserve setzen, ließ das Spiel von Langzeitmitglied Rikard Zander die Songs wesentlich homogener und ehrlicher wirken. Während dieser in den Passagen, in denen die Riffs von Tom S. Englund und Henrik Danhage nach vorne preschten keine Akzente setzen konnte, so unterlegte er die oft mehrstimmigen Refrains mit schönen Synthieflächen.

Dabei störten allerdings die zu laut abgemischten Drums von Jonas Ekdahl, eine der wenigen Soundunwägbarkeiten beim ansonsten immer sehr gut aufgestellten SwedenRock. Dadurch konnten sich die sphärischen Klänge nicht immer so entfalten, die starke Stimme von Englund hatte ihre Trümpfe hier in den härteren Parts. Spielerisch konnte man den sehr tighten Könnern keinen Vorwurf machen, die sicherlich von der Rückkehr der langjährigen Wegbegleiter Eckdahl und Danhage profitierten.
Frontmann Englund erwies sich obendrein als sehr sympathischer Bandleader, obwohl ich des schwedischen nicht mächtig bin und nur einige Songtitel verstand. Das Sprachproblem sollte noch öfter auftauchen, aber das ist das gute Recht der Schweden, der Großteil des Publikums ist hier zuhause. Dementsprechend gut war die Stimmung, speziell bei Liedern „Recreation Day" wie „Blinded", während die Frühphase ansonsten kaum Einzug ins Set hielt. Das bestand zur Hälfte aus dem aktuellen Werk „Hymns For The Broken", wie „King Of Errores" und „The Grand Collapse" welche den Gig einläuteten und beendeten.

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D.A.D. (Sweden Stage)
Die Dänen als Headliner des ersten Tages zu setzen war vielleicht eine etwas mutige Entscheidung, irgendwie haben sie trotz ihres Talents nie den ganz großen Wurf geschafft. Doch schon der skurrile Bühnenaufbau zeigte, dass sie eine ungewöhnliche Liveband sind. Da standen gebogene Boxentürme auf den Brettern, die am oberen Ende mit Seilen an der Decke befestigt wurden. Bei genauerem Hinsehen entpuppten sich diese allerdings als weitere Lichtbatterien, was sich gerade auf der spärlich beleuchteten Sweden Stage gut machte.
So konnte man direkt erkennen, dass sich die früheren DISNEYLAND AFTER DARK in ähnlich feinen Zwirn geworfen hatten wie zuvor die QUIREBOYS. Frontmann Jesper Binzer trug einen Anzug und war viel unterwegs, wahlweise mit Gitarreneinsatz oder nur als Sänger. Sein Bruder Jacob nahm schon mal den Zylinder für Leadgitarristen bei dem Festival vorweg. Währenddessen steckte der schon immer reichlich durchgeknallte Bassist Stig Pedersen in einem ledernen Catsuit, was ihn mit etwas Schminke mehr wie Suzi Quatro, denn wie eben Stig Pedersen aussahen ließ.

Musikalisch ließ die eingespielte Formation bei bestem Sound nichts anbrennen und agierten wie aus einem Guss. Dabei sprühten sie vor Spielfreude, warfen sich in lässige Posen und gaben mit ihrem ungewöhnlichen Cowpunk ordentlich Gas. Ihr erfolgreichstes Albums „Riskin´It All" kam am häufigsten zum Einsatz, vor allem natürlich der Hit „Bad Craziness". Auch die quasi selbstbetitelte aktuelle Scheibe sowie das 2000er „Everything Glows" tauchten öfter im Set auf. Und am Ende durften die beiden Hits „Jihad" und „Sleeping My Day Away" nicht fehlen, welche lauthals mitgesungen wurden.

Neben vielem Einsatz konnten D.A.D. auch mit einigen Showelementen punkten. War der Aufbau mit den Scheinwerferboxen schon außergewöhnlich, so zog auch das zweistöckige Kit von Lauste Sonne die Blicke auf sich. Bei seinem Solo wurde dann noch ein weiteres an den vorderen Bühnenrand gekarrt, um ihm mehr Nähe zum ausgelassenen Publikum zu geben.
Beim Verlassen der Schießbude schossen plötzlich Flammensäulen darunter empor, welche diese entzündeten. Zurück oben auf seinem Riser spielte die Band den nächsten Song ohne mit der Wimper zu zucken einfach durch, während das gute Teil komplett ausbrannte. Naja, was Hendrix mit der Gitarre konnte, können Dänen auch, ebenso wie schöne Akustiknummern. So blieb es den beiden Binzer-Brüdern vorbehalten mit „Laugh´n´A Half" einen würdigen Headlinerslot zu beenden.

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FISH (Sweden Stage)
Bei strahlendstem Festivalwetter ging der erste Haupttag direkt mit einem persönlichen Höhepunkt los. Obwohl die knallende Sonne vielleicht nicht ganz nach dem Geschmack des Schotten und etwas problematisch für seine immer wieder liebevoll gestreichelte Glatze gewesen sein dürfte. Da der Mann aber immer einen Schal anhat, hatte er wenigstens etwas um sich den Schweiß abzutupfen. Seine Flasche Rotwein ließ er aber dieses Mal besser hinter der Bühne.
Was soll ein Künstler machen, wenn er nur 75 Minuten Spielzeit zur Verfügung hat, in diese aber einen kompletten Albumklassiker packen muss? FISH löst das ganz einfach indem er von seinen eigenen Hits nur einen vom seltener bedachten „Suits"-Album sowie die Titeltracks seines aktuellen Albums und von "Internal Exile" zum Besten gab. Am Ende sollte dann die obligatorische MARILLION-Hymne stehen, da für „Fugazi" eben nicht genug Zeit zur Verfügung war.

Jenes „Misplaced Childhood", das erfolgreichste seiner ehemaligen Formation wird in diesem Sommer vielleicht letztmalig in voller Länge aufgeführt. Der bürgerliche Derek W. Dick hat angekündigt sich nach einem weiteren Album auf sein Altenteil zurückziehen zu wollen. Es könnte sogar seine letzte Tournee sein, aber das nehme ich ihm ebenso ab wie den SCORPIONS, dazu hat der Mann noch zu viel Energie.
Insofern bin ich glücklich darüber, dass er dieses Meisterwerk des Neo Prog noch einmal auf die Bühne bringt. Schon in meiner Kindheit gehörten die Singles im Radio zu meinen Lieblingsliedern, im Gegensatz zu fast allem aus der Zeit konnte ich diese Begeisterung rüber retten. Die Scheibe schaffte es später als Erwachsener in ihrer Gänze einen festen Platz in meinem Herzen zu sichern.

Wobei es für Fans der Band aus Aylesbury nach 25 Jahren noch schwierig ist, sich zwischen dem Originalsänger und der Formation dahinter zu entscheiden. Als Performer ist FISH gegenüber dem alles andere als unbegabten Steve Hogarth klar im Vorteil, seine Stimme, seine Phrasierungen, seine Leidenschaft passen viel besser zu den Songs. Gerade „Misplaced Childhood" macht das deutlich, es ist sicherlich das persönlichste Album, quasi sein Äquivalent zu Roger Waters „The Wall". Niemand versteht es so, diese Songs zu leben, sie mit jeder Geste zu untermalen, ohnehin eines seiner absoluten Markenzeichen.

Auf der anderen Seite kam seine gut zusammen agierende Truppe nicht ganz an die Tiefe seiner alten Hinterleute heran. Dabei spielte es keine Rolle, dass der auf „Feast Of Consequences" auftrumpfende Foss Patterson schon wieder draußen ist, und stattdessen John Beck die Pause bei IT BITES überbrückt. Seine Roland-Synthesizer tönten auch etwas tiefer als die Yamaha – und Korg-Modelle, welche Mark Kelly seinerzeit benutzte.
Robin Boult solierte sehr exakt, doch trotz seines New Wave-mäßigen Outfits, welches wunderbar in die Entstehungszeit dieses Konzeptwerkes gepasst hätte, reichte er nicht ganz an die Brillanz Steve Rothery heran. Die große Show gebührte alleine dem schottischen Hünen, der wie ein Schamane über die Bühne wirbelte, manisch, beschwörend und stimmlich immer noch in guter Form. Das Publikum nahm dieses Geschenk dankend an, die Emotionen auf und sang teilweise den ganzen Longplayer mit. Großes Gefühlskino mit einem Ausnahmekönner und Ausnahmesongs.

Setlist FISH:
Pipeline
Feast Of Consequences
Pseudo Silk Kimono
Kayleigh
Lavender
Blind Curve
Heart Of Lothian
Waterhole (Expresso Bongo)
Lords Of The Backstage
Bitter Suite
Childhood´s End
White Feather
Internal Exile
Market Square Heroes

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SLASH (Festival Stage)
Nach eher nachdenklichen Klängen war es an der Zeit für die kernige Rockbreitseite und wer könnte die besser bringen als die GUNS´N´ROSES-Legende. Der ist nach einigen Versuchen eine funktionierende Mannschaft zusammen zu bekommen bei Myles Kennedy und seinen Conspirators gelandet. In der Tat erwies sich der bürgerliche Saul Hudson als enormer Teamplayer, der seinen Mitstreitern auch mal das Feld am vorderen Bühnenrand überließ.
Gar kein so einfaches Unterfangen, denn man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass alle Augen auf den Mann mit dem Zylinder gerichtet waren. Den trug er natürlich, wie gehabt, auf seiner mittlerweile etwas angegrauten, aber immer noch stattlichen Lockenpracht, dazu eine Spiegelsonnenbrille. Es war deutlich zu sehen, wie er sich in einem intakten Bandgefüge wohl fühlt, wie er in Interviews immer verlauten lässt. Endlich wieder befreites Musizieren mit Freunden, ohne Druck auf Hits.

Mit Kennedy hat er sich vor ein paar Jahren einen Sänger ins Boot geholt, der ebenso an der Musik als an Exzessen interessiert ist. Der kam deutlich souveräner rüber als vor einem Jahr bei seinem zweiten Betätigungsfeld ALTER BRIDGE. So suchte er mehr den Kontakt zum Publikum, ließ sich öfter vorne auf dem Steg blicken und strahlte sichtlich Freude aus. Kann aber auch daran liegen, dass diese Version des Rock´n´Roll klar euphorischer rüber kommt als der Post-Grunge des CREED-Sideprojektes.
Im Gegensatz zu denen beschränkte sich der gute Myles hier nur auf die Rolle als Frontmann, die Rhythmusgitarre bearbeitete Frank Sidonis. Dahinter sorgten Brent Fitz und der agile Viersaiter Todd Kerns für das kraftvolle, kompakte Rhythmusfundament. Nach zwei Albumproduktionen ist die Combo auch schon recht gut eingespielt und wusste auch die große Bühne auszufüllen. Und das ganz ohne die eigenen Egos zur Schau zu stellen, die Kommunikation fand auch auf der Bühne statt, nicht nur zum Publikum.

Aus ihrer gemeinsamen Zeit hatten die Fünf reichlich gutes Material im Gepäck, vornehmlich aus dem aktuellen, hochgelobten „World On Fire" wie „Bent To Fly" oder das coole „Avalon". Eröffnet wurde der Reigen von „You´re A Lie" aus „Apocalyptic Love", dem Debüt dieser Formation. Dazu gesellte sich noch „Back To Cali" von SLASHs Soloscheibe und „Slither", der Hit seines Alternativeversuchs VELVET REVOLVER. Trotz aller Klasse dieser Lieder waren es die Gassenhauer der einst gefährlichsten Band der Welt, welche den guten Stimmungspegel so richtig nach oben schnellen ließen.
Es gab kaum jemanden, der hier nicht mitsingen konnte, selbst das zu selten gehörte „You Could Be Mine", der „Use Your Illusion"-Titel mit der stärksten „Appetite For Destruction"-Affinität. „Nightrain" machte als zweiter Song ohnehin schon alles klar, und egal wie oft es irgendwo gecovert wird, niemand kann dieses unfassbare Solo von „Sweet Child O´Mine" so genial runterbeten wie SLASH. Wie konnte das Konzert anders enden als mit „Paradise City", der Überhymne, die den Sleaze Rock ins Stadion brachte, immer noch eine der größten Kompositionen aller Zeiten, die entsprechend gefeiert wurde.

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AIRBOURNE (Rock Stage)
Da hatten es die Männer aus „Down Under" schwer, den Stimmungslevel hochzuhalten, was letztlich auch nicht ganz gelang. An dem Tag war die Festival Stage auch zu prominent besetzt und stilistisch war man zu nah dran am vorherigen Programmpunkt. Was nichts an der eindrucksvollen Darbietung ändert, die sie an den Tag legten, über die gesamte Spielzeit gaben die Vier Vollgas. Wer beim fotografieren gehofft hatte, die Musiker würden mal still stehen, wurde enttäuscht, denn Joel O´Keeffe und seine Mitstreiter rannten die Bretter rauf und runter, während sie dabei ihre Matten unablässig schüttelten. Sogar O´Keeffes Bruder Ryan warf seine Haarpracht durch die Luft, während er sein Kit zerlegte.

Diese enorme Power war nötig, weil sich der musikalische Witz als AC/DC-Klone allmählich abnutzt und das letzte Album „Black Dog Barking" eine Zeitlang her ist. AIRBOURNE sind einfach unermüdliche Arbeiter auf der Bühne, die stolz auf ihre Herkunft sind und dementsprechend hemdsärmelig auftraten. Auf Hemden wurde allerdings zum Teil gleich verzichtet, den Gag mit nach drei Minuten vom Leib reißen, sparte sich der Frontmann und legte direkt oben ohne los.
Da hatte er einige bessere Gimmicks auf Lager, wie beispielsweise das Öffnen einer Dose Gerstensaft mittels gegen den Kopf schlagen. Das flüssige Gold floss während der 75 Minuten auf und vor der Bühne bei herrlichstem Sonnenschein reichlich. Derart gestärkt wagte sich der Sänger mitsamt hinten baumelnder Gitarre die Traverse am Bühnenrand hinauf, um vom Dach aus weiter zu rocken. Ich frage mich, welche Summen die Veranstalter ob solcher Späße an die Versicherung abdrücken müssen.

Das Set bestand zum großen Teil aus Titeln ihres Hammerdebüts „Runnin´ Wild" wie „Girls In Black" oder dem Titelsong, über dessen Grundthema am Ende ausgiebig gejammt wurde. Es sind jene Hits, die immer wieder die lautesten Reaktion hervorrufen, trotz vieler guter Stücke im Gepäck gelang kein Killer wie „Stand Up For Rock´n´Roll" mehr. Auch die beiden weiteren Scheiben kamen mit Liedern wie dem Opener „Ready To Rock", der Single „Live It Up" oder „Chewing The Fat", wobei „No Way But The Hard Way" vermisst wurde.
Die Australier machten unbedingt Laune, das Publikum rockte herrlich ab, schließlich brauchte es nur bis zum zweiten Refrain, bis man die Nummern mitsingen konnte. Völlig egal, ob sich das ein oder andere im Verlauf des Gigs wiederholt, hier zählte nur voll auf die Zwölf. AIRBOURNE traten ordentlich in den Allerwertesten, mal sehen wie es in deren Lager weitergeht, Abnutzungserscheinungen dürfte es keine geben, dazu sind sie gerade auf Festivals eine zu erfrischende Bereicherung.

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TOTO (Festival Stage)
Wer vor zwei Jahren beim phantastischen Gig auf der Loreley dabei war, oder die DVD „Live In Poland" gesehen hat, der wusste, was ihn nun erwartete. Dass eine solche Größe nicht Headliner ist, spricht auch für die hochkarätige Besetzung des SWEDENROCK. Seitdem haben die Herren mit „XIV" ein neues Album draußen, welches sie auf der laufenden Tour präsentierten. Drei Stücke gab es davon, und was sich darauf als Opener gut macht, konnte bei Konzerten auch nicht verkehrt sein. Bereits hier zeigten TOTO Vokalarrangements in Vollendung, bei denen sich die Vielzahl an Sängern auszahlt.
Die Amerikaner fuhren nicht nur instrumental eine ungeheure Vielfalt auf, auch im gesanglichen Bereich hatte man mehrere Asse im Ärmel. Da war zum einen Frontsänger Joseph Williams mit seiner typischen AOR-Stimme, Gitarrist Steve Lukather mit seinem Rockorgan und Pianist David Paich mit seinem tiefen, sonoren Timbre. Dazu hatten sie mit Mabvuto Carpenter und Jenny Douglas-Foote noch zwei Backgroundvokalisten, die vor allem bei der aktuellen Single glänzen konnten.

Geprägt wurde der Sound wie immer vom Wechselspiel aus Lukathers Sechssaitigen, dem Piano von Paich und Steve Porcaro an den Synthesizern. Besonders die beiden Tastenmänner spielten sich gegenseitig die Bälle zu, die mal treffsicher in wunderbaren Harmonien, dann wieder in grandiosen Duellen landeten. Die Rückkehr des letzten lebenden der Porcaro-Brüder war wichtig für die Band, weil keiner so gut diesen speziellen, klirrenden Yamaha-Sound beherrscht. Früher war er ein Pionier am legendären CS-80, heute hat er sich auf die Motif-Modelle verlegt.
Mit all der Erfahrung von mehr als dreißig gemeinsamen Jahren und hunderten Studioproduktionen, man denke nur an „Thriller" kam natürlich jeder Ton zwischen ihnen punktgenau. Hier saß einfach alles, weil sich jeder auf den anderen verlassen konnte, da durfte Lukather auch mal den Gitarrenhelden mimen, er fand immer wieder den Weg ins Bandgefüge zurück. Mit der Sicherheit kann man dann auch jeden einzelnen Ton zelebrieren, ihm alle nötigen Emotionen mitgeben.

Neben der musikalischen Wandlungsfähigkeit birgt auch die Setlist immer eine Menge an Abwechslung. Bei jeder Tour gestalten sie diese komplett neu, von der Konzertreise 2013 fanden sich gerade noch fünf Stück bei dem Gig wieder, darunter natürlich die unvermeidlichen Welthits. Das nutzen TOTO immer, um das ein oder andere Schätzchen auszugraben, so gab es ein Wiedersehen mit fast vergessenen Sachen vom Debüt und dem Hit von „Isolation".
Auch die „Fahrenheit"-Scheibe ist seit der Rückkehr von Williams immer in der Setlist vertreten, auch wenn ich so gerne einmal „Could This Be Love" hören möchte – Stichwort: Gesangsarrangements. Die Neunziger-Alben wurden auch alle angespielt, so war das Set insgesamt sehr soullastig, bei den Afrogesängen am Ende zeigten sie, zu welch Kreativität sie im Improvisationsbereich fähig sind. Freunde der progressiveren Epen kamen nur beim Schlusstrack ihres vierzehnten Albums auf ihre Kosten.

Im Gegensatz zum Gig beim Hi Rock waren die Begleitumstände nicht ganz hundertprozentig, die frühe Stunde ließ die Lichtshow nicht zur Geltung kommen. Klanglich war alles sehr differenziert abgemischt, den ganz großen Druck wie damals konnten sie nicht entfachen, aber wer kommt schon an die Akustik der Loreley heran. Nicht ganz mithalten konnte auch die neue Rhythmusfraktion mit Shannon Forrest und Originalbassist David Hungate.
Der Drummer spielte seine Parts sehr präzise, reicht allerdings nicht an Simon Phillips heran, wobei hier ebenso die Messlatte utopisch hoch lag. Hungate war zwar von Beginn an dabei, leider fehlt ihm heute der Elan, den Nathan East versprühte. Dafür hatte die Truppe mit Lenny Castro einen alten Bekannten an Bord, welcher sich gerade bei den groovigen Rhythmen an seinen Percussions in Szene setzen konnte.

Doch diese Kritikpunkte sind nur marginal, denn das, was TOTO hier auf die Bühne brachten, war immer noch phänomenal. Selbst die neunzig Minuten Spielzeit waren viel zu schnell vorbei, sie könnten weitaus längere Shows füllen. Das fand auch großen Anklang beim Publikum, wenngleich dieses weniger dicht stand als bei SLASH. Doch die Klänge luden auch gerne dazu ein, sich das Geschehen von hinten zu betrachten und relaxt einzutauchen. Ein paar Teens ganz vorne, die mächtig feierten, ließen die Hoffnung aufkommen, dass bei der Jugend noch etwas zu holen ist. Genau das ist das Tolle an dieser Formation, man wusste wie üblich nicht, ob man bei den Hits lauthals mitgehen, oder einfach nur mit offenem Mund über die Technik staunen soll?

Setlist TOTO:
Running Out Of Time
I´ll Supply The Love
Never Enough
Stranger In Town
Hold The Line
On The Run/Child´s Anthem/Goodbye Eleonore
Pamela
The Road Goes On
Caught In The Balance
Without Your Love
Orphan
Great Expectations
Rosanna
Africa

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HAMMERFALL (Rock Stage)
Immer wieder herrlich, was für ein Kontrastprogramm man beim SWEDENROCK angeboten bekommt. Okay, man könnte die nicht seltenen Griffe in den Kitschtopf als Gemeinsamkeit zwischen den Melodicrockern und den einheimischen Powermetallern ausmachen. Nun wurde das Tempo wieder deutlich angezogen, direkt der Eröffnungstrack, welcher diese Funktion auch auf dem aktuellen Album erfüllt, gab die Marschroute vor. Und genau so gestaltete sich auch das Stageacting der Jungs. Die Saitenfraktion wechselte ständig die Positionen, Sänger Joacim Cans richtete sich derweil ganz vorne auf dem Steg seinen Lieblingsplatz ein.

Kein Wunder, Heimspiel heißt ja auch, den Anhängern immer was Besonderes zu bieten. Da konnten HAMMERFALL die langen Pausen auf den Bühnen nutzen, um ihre komplette Produktion mit den ganzen Rampen und Treppen, inklusive des riesigen Backdrops aufzufahren. Jene Aufbauten, auf beiden Seiten vom Schlagzeug, nutzten die Vier auch ausgiebig.
Dazwischen saß mit David Wallin der neue Mann an den Fellen, der kraftvoll den Takt vorgab, und extra vorgestellt wurde. Er benötigte keine zehn Bassdrums wie sein Vorgänger Anders Johansson, um einen mächtigen Druck hinter die Kompositionen zu bringen. Wieder an Bord war auch der bei Frühjahrstournee noch abwesende Urbassist Fredrik Larsson.

Viel besser hätte die Stimmung nicht sein können, auch wenn wir mal wieder nur wenig von dem verstanden, was die Menge bei den Ansagen in Jubel versetzte. Auf jeden Fall dankte sie es der Combo mit lautstarker Unterstützung bei vielen Songs und einem Meer von gereckten Hörnern. Beim Blick auf das Publikum fiel auf, dass sich die Kuttenträger wohl endlich mal aus ihren Zelten geschält hatten, so viele sah ich an dem ganzen Wochenende nicht. Einer hatte sogar stilecht seinen Hammer aus Pappe dabei. Auch wenn die Musiker mittlerweile outfittechnisch nicht mehr ganz so klischeemäßig daher kommen, ihre Fans feierten den wahrhaftigen Stahl.

Angesichts von neun Studioscheiben hatte man es nicht schwer genug Hymnen für das Headbangervolk zu servieren. Wie schon vor zehn Jahren an gleicher Stätte, damals fehlte nur der Longtrack des seiner Zeit aktuellen Drehers, war die Setlist fast mit jener vom Frühjahr identisch. Leider fiel neben einem Stück von „(R)evolution" auch der Titelsong ihres legendären Debüts zum Opfer. Anscheinend wollte man nach TOTO tatsächlich auf Balladen verzichten und ausschließlich die harte Fraktion bedienen.
Bereits auf der erwähnten Konzertreise stieß das instrumentale Medley etwas auf, weil man stattdessen einer der angespielten Klassiker gerne komplett hätte bringen dürfen. Ansonsten gab es wenig zu bemängeln, fast jedes Studiowerk kam zum Zug, und an den Reaktionen war abzulesen, dass sie nicht viel falsch gemacht haben können. Der Hammer regierte in der Norje Bucht an dem Abend.

Setlist HAMMERFALL:
Hector´s Hymn
Any Means Necessary
Renegade
Bang Your Head
Bloodbound
Heeding The Call
Let The Hammer Fall
Life Now
400 m Medley
Threshold
Last Man Standing
Hammerfall
------------------------------
Templars Of Steel
Bushido
Hearts On Fire

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DEF LEPPARD (Festival Stage)
Schon bei den ersten Tönen des Intros, die einem im Fotograben aus den Boxen entgegen kamen, wummerte es in der Magengrube. Als dann die Band noch loslegte, bebte das ganze Gelände, die Briten fuhren auf, was in der Anlage drin war, auch wenn der Bass im kristallklaren Mix zu prominent war. Nicht nur beim Sound, sondern auch beim Licht, wurde geklotzt und nicht gekleckert. Was da an Lichteffekten kam, war atemberaubend, unterstützt von drei riesigen Leinwänden rechts und links des Drumrisers und als Backdrop. Darüber flimmerten immer wieder quietschbunte Collagen oder Videosequenzen.

Ja, hier kamen lauter Rock und ein poppiges Ambiente zusammen, wie es bei DEF LEPPARD schon immer der Fall war. An dem Abend hatten sie zur Freude ihrer alten Fans auch drei Titel vom „High´n´Dry"-Meisterwerk im Gepäck. Meinetwegen hätten sie noch einen bringen können, und dafür den Beitrag vom halbgaren Coveralbum sein lassen können. Ansonsten gab es natürlich das gewohnte Hitfeuerwerk, von denen die Fünf in ihrer Karriere ausreichend geschrieben haben. Vor allem der „HYSTERIA"-Megaseller stand im Vordergrund, wenn auch „Woman" erneut nicht kam. Und „Adrenalize" stand schon immer im Schatten seiner beiden Vorgänger.

Sich auf ihren technischen Overkill zu verlassen, wäre den Herren aber zu wenig gewesen, zu einer guten Rockshow gehört auch eine hart rockende Band dazu. Vor allem Vivian Campbell zu sehen, war eine Freude, er schien in guter Verfassung nach seiner Krebserkrankung zu sein. Seine Mitstreiter gönnten dem Mann mit den nachwachsenden Locken ein paar Spots im Rampenlicht. Vom Energielevel konnte das ein Axtpartner aber locker toppen, unglaublich wie fit Phil Collen immer noch ist. Zwar ist seine Haarpracht seit jeher etwas schütter, doch in seinem Alter noch so trainiert zu sein, ist schon beeindruckend.
Wer allabendlich auf einer großen Bühne die Kilometer abspult, braucht sich um sein Workout nicht viel zu kümmern. Das schien bei den Herren Savage und Elliot nicht ganz so angeschlagen zu haben, die beiden tragen mittlerweile ein nicht zu verkennendes Wohlstandsbäuchlein mit sich herum. Stimmlich war der Sänger in einer guten Verfassung und als Frontmann sehr präsent. Die Singleballade aus den Neunzigern trug er ganz alleine mit seiner Klampfe an vorderster Front des Steges vor.

Mit der sehr beeindruckenden Performance, bei der sie die ganze Bühne zu nutzen wussten, hatten sie leichtes Spiel mit dem Publikum. Vom ersten Moment an herrschte unten Partystimmung und Hüpfalarm. Das Songmaterial war selbst denjenigen geläufig, die weit weg vom Geschehen dank des immensen Schallpegels, alles bestens mitbekamen.
Zum Mitsingen musste der gute Joe die Menge erst gar nicht animieren, die wagte öfter als einmal gegen diesen Sturm anzusingen. Am Ende schwappte die Stimmung völlig über, bei der letzten Nummer des regulären Sets wurde die Band tatsächlich mit Zuckerwürfeln aus dem Publikum bombardiert; so kann man Songtexte natürlich auch auslegen. Großartiger Gag, das ist Rock´n´Roll! DEF LEPARD auch immer noch, mit gigantischer Rock´n´Roll-Show.

Setlist DEF LEPPARD:
Rock! Rock! (Till You Drop)
Animal
Let It Go
Foolin´
Promises
Paper Sun
Love Bites
Armageddon It
Rock on
Two Steps Behind You
Rocket
Bringing On The Heartbreak
Switch 625
Hysteria
Let´s Get Rocked
Pour Some Sugar On Me
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Rock Of Ages
Photograph

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GHOST (Rock Stage)
Die diesjährige Ausgabe des Festivals entwickelte sich zum Teil zu einem Schaulaufen obskurer Bands, die ich nur von der Ferne wahr genommen, mich aber nie intensiv damit beschäftigt hatte. Zu unchristlicher Uhrzeit veranstaltete die einzige schwedische Formation, die auf Englisch kommunizierte, eine nicht gerade christliche Messe.
Die Bühne war komplett als Innenraum einer gotischen Kirche dekoriert, als zu penetranten Weihrauchschwaden die fünf Ghouls in das instrumentale „Genesis" einstiegen. Dies nutzten die Namenlosen, um etwas auf sich aufmerksam zu machen, denn mit dem Einzug ihres neuen Hirten Papa Emeritus III. zu „From The Pinnacle To The Pit" waren sie optisch ins zweite Glied zurück gestuft.

Was insofern schade war, weil die Hintermannschaft alles andere als Kirmesmusiker sind, die einen sehr dichten, atmosphärischen Soundteppich webten. Die düsteren Klangkathedralen wurden sehr tight und präzise aufgebaut und entfalteten eine unheimliche Stimmung. Unterstützt wurde diese neben der riesigen Backdrops auch von der tollen Lichtshow, den Effekt, wenn eine Reihe dicker Lichtkegel knapp über der Band strahlte, setzten sie öfter gekonnt ein. Dazu trugen alle gehörnte Masken vor dem Gesicht, was sie nicht davon abhielt, während des Gigs nicht nur musikalisch miteinander zu agieren.

Hingegen eher als Schwachpunkt sah ich den im wahrsten Sinne des Wortes Obergeistlichen, der an dem Tag den ersten Gig mit der Undergroundsensation absolvierte. Bei dieser Art von Musik erwarte ich ein wenig mehr Pathos oder eben Power, doch beides brachte der Frontmann nicht entschieden genug rüber. Keine Ahnung, ob es Nervosität war, er wirkte stimmlich sehr zurückhaltend, konnte so den Songs nicht wirklich die großen Emotionen verleihen, welche diese verlangen.
Angesichts dessen, was ich bisher schon von GHOST gehört habe, waren seine Vorgänger auch nicht stimmgewaltiger. Vor allem unter dem Hintergrund des ganzen Showaufwands mutet die etwas dünne Stimme schon etwas deplatziert an. Auch seine Gesten versprühten nicht die Kraft und Erhabenheit, die nötig wären, und bei den Ansagen war er ebenfalls zu zahm.

Das sorgte letztendlich dafür, dass die vielen sehr guten Ansätze ein wenig verpufften, außer bei „Ritual" blieb nicht viel hängen. Eigentlich sollte mich der Sound ansprechen, vereint er doch viele Richtungen, in die ich meine Fühler ausstrecke. Aber vielleicht war das Problem, dass bei DOORS-Orgeln, BLUE ÖYSTER CULT-Melodien und NWOBHM-Gitarren sich nichts davon zwingend aufzudrängen wusste.
Interessanterweise stand der Gig ganz im Zeichen des Debüts „Opus Eponymus", während von „Infestissumam" lediglich „Monstrance Clock" und „Year Zero" zum Besten gegeben wurden. Dazu gab es ein paar Ausblicke auf den kommenden Longplayer „Meliora", von dem „Cirice" ein Hit werden könnte. Wo wir über Erfolg reden, ich werde den Verdacht nicht los, dass sich GHOST in dem ganzen Wust an Okkult-Bands nur wegen ihres exzentrischen Auftretens durchsetzen konnten, was jetzt keine Kritik sein soll.

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DARE (Sweden Stage)
Ähnlich wie die QUIREBOYS weckt diese Band viele Jugenderinnerungen bei mir, doch im Gegensatz zu ihren Landsleuten spielen diese so gut wie gar nicht mehr live. Hätte ich bei den Chorknaben schon mal die Chance gehabt, musste ich diese wohl einmalige Gelegenheit beim Schopf packen. Das triste Grau vom Mittwoch war endgültig vergessen, die Sonne lachte über der Norje Bucht, als die Jungs gemütlich die Bühne enterten.
Ebenso gemächlich sollte sich der Beginn des Konzerts gestalten, denn zuerst gab es eine Reihe getragener Stücke, allesamt von „Beneath The Shining Water". In den letzten Jahren hat Mainman Darren Wharton das Tempo heraus genommen und musiziert jetzt eher mit keltischen Mustern. In dem Stil wurden noch mehrere Alben veröffentlicht, weswegen die Versteifung auf den einen Dreher seltsam anmutete, aber es war wohl Blockbildung angesagt.

Musikalisch war das sehr angenehm und reif komponiert, und ließ der Band noch etwas Zeit die Dynamik zu steigern. Zum lässigen Gute Laune-Sound passte das lockere Auftreten der Band, deren Mittelpunkt eindeutig der frühere THIN LIZZY-Keyboarder ist. Während seine Nebenleute eher auf ihr fein getimtes Spiel bedacht waren, fand sich der nun als Frontmann tätige Wharton meist vorne am Bühnenrand wieder.
Stimmlich war seine raues Timbre schon immer wunderschön, und er wusste es toll zu der Atmosphäre der Songs einzusetzen konnte. Seine optische Präsenz wurde indes noch dadurch gesteigert, dass er für seine 52 Jahre noch erstaunlich gut aussieht. Braun gebrannt und mit weit aufgeknöpftem Hemd mimte er den in Ehren gealterten Rockstar.

Die eher an RUNRIG erinnernden Momente setzten sich sogar beim THIN LIZZY-Cover fort, welches gekonnt folklastig umarrangiert wurde. Erst danach nahm der Gig richtig Fahrt auf, als Vinnie Burns die tollen Harmonien aus schneidenden Leads und knackigen Akkorden aus seinen sechs Saiten zauberte. Vor allem die Einheimischen mit ihrer bekannten Vorliebe für melodischen Hardrock mit Achtzigeraffinität mögen bei den nun folgenden, knackigen Titeln aus dem zweiten Album „Blood From Stone" so richtig geweckt worden sein. Und in der Tat, wie auf Kommando war die Stimmung da, das bis dahin eher schwelgende Publikum ging nun mit.

Als dann am Ende noch ein ganzer Strauß Lieder vom Debüt ausgepackt wurden, sangen auch viele die Hymnen mit, während Keyboarder Marc Roberts die MAGNUM-Fanfaren auspacken durfte. Kurz vor Ende wurde es noch einmal ruhiger, als der gute Darren seinem Mentor Phil Lynott huldigte. Eine der schönsten Künstlerhommagen der Rockgeschichte und für mich der emotionale Höhepunkt des Festivals.
Zum Abschluss eines sehr sympathischen Auftritts holten dann Fans und Band noch einmal alles aus sich raus, das Stück animierte einfach zum Singalong. Kleine Anekdote am Rande: Ursprünglich bot man das Stück Bonnie Tyler an, die dank Mike Oldfields Hilfe gerade wieder ihre Karriere angeschoben hatte. Sie zog es vor mit einem gewissen Dieter Bohlen ein Album aufzunehmen, das hätte sie mal besser bleiben gelassen.

Setlist DARE:
Sea Of Roses
Storm Wind
When Darkness Comes
Beneath The Shining Water
Emerald
Wings Of Fire
We Don´t Need A Reason
Abandon
Into The Fire
The Raindance
King Of Spades
Return The Heart

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MOLLY HATCHET (Festival Stage)
Musste man zuvor ein wenig auf die Lieder warten, die einem so viel bedeuten, wartete man nun vergebens auf Dave Hlubek. Eigentlich müsste dem Mann aus dem Sunshine State das Wetter hier liegen, doch vielleicht war es ihm doch zu kalt. Angaben darüber, dass er die Truppe verlassen hat, gibt es bis zum jetzigen Tag keine, auch seine Kollegen ließen das unkommentiert. Daher gehe ich wirklich mal davon aus, dass ihm die Strapazen inmitten der US-Tour für ein Konzert nach Europa zu jetten zu viel sind. Er ist ja nicht mehr der fitteste und hatte lange Probleme mit Drogen, da ist so etwas verständlich.

Eine komische Situation war das schon für die verbleibenden Fünf, schließlich trat man mit einer Gitarre an, wo diese Formation doch anfangs drei dabei hatte. Doch MOLLY HATCHET machten das Beste aus der Situation und ließen sich den Spaß nicht verderben. Ein wenig mit gezogener Handbremse agierten sie doch, die Soundlöcher überhörten auch sie nicht. Hier sprang John Galvin öfter in die Bresche und übernahm viele Harmonieparts mit seinem Piano, was den Arrangements etwas Neues abrang. So stieg er an dem Nachmittag zum heimlichen Star der Truppe auf, weil er seinen Leuten den Rücken stärkte.

So konnte sich der stets sympathisch grinsende Bobby Ingram auf seine Soli konzentrieren, die gerade bei den Vertretern des Southern Rock sehr häufig lange am Ende der Songs zelebriert werden. Frontmann Phil McCormack war indessen ein Ausbund an Coolness und stiefelte immer lässig über die Bühne. Man könnte sich den Mann auch als Sheriff, der in seinem Schaukelstuhl auf seiner Veranda vor seinem Office sitzt, und nur hofft, dass alles seiner Stadt ruhig bleibt, vorstellen.
Der, wie immer am Meer, frische Wind machte ihm allerdings zu schaffen, seinen Cowboyhut musste er oft festhalten. Irgendwie kam mir da der Name Buford T. Justice in den Sinn. Im Gegensatz zu dem hatte der Frontmann die Lacher auf seiner Seite, unterhielt sein Publikum mit seinen Scherzen, wenn er nicht gerade ein paar patriotische Ansichten verbreitete. Immer wieder hatte er bei seinen Ansagen den Schalk im Nacken, und entlockte seinen Fans immer wieder ein „Hell Yeah".

Ob die Herren beim Programm mal rotieren oder unbedingt davon absehen sollten, ist sicher Geschmackssache. Das Triple am Anfang scheint auf alle Fälle in Stein gemeißelt, diese Klassiker sind unverzichtbar, und ich jedenfalls mag sie immer gerne hören, da weiß man woran man ist. Dem Publikum ging es ähnlich, das war wie ein Treffen unter Freunden, ehrlich und handgemacht eben.
Da sich viele betagtere Männer mit stattlichen Wampen und Truckermützen in der Menge tummelten, schwappte die Stimmung nicht gerade über, man genoss eher mit wippendem Fuß. Auch der Rest des Sets bestand aus den üblichen Verdächtigen mit einem Übergewicht bei den ersten beiden Alben, das aktuelle „Justice" war komplett außen vor. Da war die eine Stunde, welche die Musiker zur Verfügung hatten, am Ende doch zu wenig.

Setlist MOLLY HATCHET:
Whiskey Man
Bounty Hunter
Gator Country
Fall Of The Peacemaker
Devil´s Canyon
Beatin´The Odds
Son Of The South
Jukin´ City
Dreams, I´ll Never See
The Journey
Flirtin´ With Disaster

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MANFRED MANN´S EARTHBAND (Festival Stage)
Ebenso wie bei die Männer aus Jacksonsville, Florida lockte der gebürtige Südafrikaner eher die älteren Semester vor die Bühne. Für Festival Stage-Verhältnisse war dementsprechend auch der Zulauf eher gering. Dabei eignen sich ihre Hits eigentlich auch recht gut für eine Partybeschallung, dennoch war der Stimmungspegel eher niedrig. Diejenigen, die nicht vor Ort waren, haben damit sicher eine der musikalisch besten Bands des Festivals verpasst. Alle anderen konnten hervorragend in die Klangwelten eintauchen, welch die Truppe erzeugte, und den Muckern dabei sehr genau auf die Finger schauen.
Über den guten Manfred muss man glaube ich nicht mehr viele Worte verlieren, er ist schon mehr als fünfzig Jahr dabei und blieb dabei immer innovativ und am Puls der Zeit. Ob man deswegen alles lieben muss, was an Output von ihm kam, sei mal dahin gestellt, aber es nötigt einem Respekt ab. Mit seinen über siebzig Lenzen war er immer noch umtriebig auf der Bühne und scheute sich nicht davor, seine Keyboardgitarre umzuhängen, um damit nach vorne auf die Rampe zu kommen.
Da bekam man ihn wenigstens mal zu sehen, ansonsten ragte nur sein Hut aus seiner Keyboardburg hervor. Sein Spiel ist nach wie vor von einer Leichtigkeit und einem Feeling geprägt, das es nur bewundernswert ist. Nicht nur auf seinem Moog-Synthesizer, auch auf anderen Instrumenten, wobei er natürlich als Moog-Pionier am meisten Fußabdrücke in der Szene hinterlassen konnte.

Zu ihm gesellten sich an dem Abend nur absolute Cracks, die an ihren Arbeitsgeräten zu den besten gehören. Allen voran Mick Rogers, Manns treuester Wegbegleiter, der ja nur bei der kommerziell erfolgreichsten Phase fehlte. Sein beseeltes Spiel auf der Strat, welches er immer in den Dienst der Songs stellt, besitzt unglaublich viel Gefühl. Bei dem alten, psychedelischen Klassiker „Father Of Night, Father Of Day" durfte er auch die Leadvocals übernehmen.
Für die war ansonsten Robert Hartzuständig, mit dem die Earthband erstmals seit Chris Thompson wieder eine kraftvolle, packende Rockstimme an Bord hat. Schade, dass sein Engagement bei BAD COMPANY seinerzeit so im Sand verlief, „Company Of Strangers" machte er zum besten Album seit dem Ausstieg von Paul Rodgers. Heute hat er nichts von seiner Röhre eingebüßt und von seinem beneidenswert vollen Haar.

Zusammen mit der bewährten Rhythmsection um Jimmy Copley und Bassist Steve Kinch bildete die Formation ein kompaktes Rückgrat für ihren Frontmann. Das versierte und pointierte Spiel ist bei unzähligen Konzerten jährlich auch noch bei den spontansten Improvisationen sattelfest und voller Spielfreude. So arbeiteten sich die Herren durch die bis auf „Marthas Madman" Coversongs, welche sie sich völlig zu eigen gemacht haben mit ihrem angeproggten Stadionrock. Ob die BRUCE SPRINGSTEEN-Interpretationen oder Titel wie „Don´t Kill It Carol" jede Note wurde gelebt. Und bei „Mighty Quinn" am Ende ging dann auch mal richtig die Post ab.

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DOKKEN (Rock Stage)
Nun war es an der Zeit für das Schaulaufen der Posergemeinde, Cowboystiefel über Stretchjeans, Schals, Tücher, Totenkopfhemden und viel Geschmeide zierten die ersten Reihen. Kein Wunder, schließlich hatten sich heute zwei der legendärsten L.A-Outfits angesagt. Hier heißt es in Schweden immer Partyalarm und schon beim Erscheinen auf der Bühne tobte der Mob. Mit dem Opener ihrer letzten der ersten vier sensationellen Scheiben als standesgemäßen Auftakt konnte der Vierer auch nichts verkehrt machen. Jenes Albumquartett gehört in jede einigermaßen sortierte Sammlung, das sollte klar sein.

Don Dokken riss sofort das Zepter an sich und stand im Mittelpunkt des Geschehens, wie ein Gockel stolzierte er über die Bühne und genoss den Zuspruch seiner Fans. Gesanglich kam er nicht mehr an die alte Form heran, speziell die hohen Töne schaffte er nicht mehr problemlos, weswegen man auf „Lightning Strikes Again" nicht zu hoffen brauchte. Was nicht schlimm war, denn die Fans hätten locker übernehmen können. Seine Stärke lag in den ruhigen Tönen, wenn sich die feine Melancholie seiner Stimme durchsetzte.
Die ganze Zeit redete er, dass dies eine Rockshow sei, da gehöre gesundes Posen dazu. Man solle sich vorstellen, man sei in den Achtzigern, scheinbar hat er sich endgültig damit abgefunden nur noch Verwalter seiner Glanzzeit zu sein, womit er früher etwas haderte. Somit war das Set vollgepackt mit Songs aus eben jenen Göttergaben, während das ordentliche „Broken Bones" von 2012 außen vor blieb. Lediglich ein Titel aus der Zeit nach 1987 kam zu Zug, hier hatten DOKKEN das Händchen ihre beste Komposition auszupacken.

Dessen bluesiges Grundthema übernahm die Band in eine lange Jam, bei der besonders Gitarrist John Levin glänzen konnte. Ab da suchte auch er immer wieder die Bühnenfront auf und zockte ein irres Flitzefingersoli nach dem anderen. Ja, das war eine Rockshow, ja, so waren die Achtziger. Die Zeiten als Griffbrettgewichse noch geil war, als sich Gitarristen und Sänger gegenseitig duellierten, weil jeder der geilste sein wollte, als Guitar Heros noch auf der Bühne und nicht auf vier Knöpfen der Nerdkonsole gemacht wurden.
Und Levin schickte sich tatsächlich an noch geiler zu sein als Don Dokken. Unglaublich, jener Don Dokken, der Prototyp des Achtzigerrockstars schlechthin, der Mann, der um halb elf morgens mehr Frauen hatte als Du in Deinem ganzen Leben, der Don Doken für den aufgehübschte Brasilianerinnen bis nach Schweden fliegen, um ihm zu huldigen. Knieend, breitbeinig, im Spagat, in Malmsteen-Gedenkpose, in allen erdenklichen Lagen zockte er seine Skalen herunter. Nicht nur beim abschließenden Hochgeschwindigkeitshammer, in jedem Track dudelte er sich ins Nirvana.

Derweil zog es der Don vor, sich hinten mit seinem, wie immer derbe draufhauenden, Schlagwerker „Wild" Mick Brown zu unterhalten. Keine Ahnung, was die zu besprechen hatten, wahrscheinlich das gute Wetter, das den Kaliforniern mundete. Auch keine Ahnung wie oft er ihn schon aus der Band befördert hat, zuletzt war er sogar bei Konkurrenzprodukt T&N beteiligt. Doch irgendwie brauchen sich die beiden Saufkumpanen, weswegen er denn auch wieder zurück ist.
Mark Boals bestätigte die ganze Zeit so ziemlich alle Bassistenklischees, obwohl er seinen Boss in den Refrains gut zu unterstützen wusste. Kein Wunder, schließlich hat er selbst einige bekannte Scheiben eingesungen, und textsicher ist ohnehin jeder, auch im Publikum. Die totale Hitabfuhr bei bestem, lauten Sound, absoluter Ausnahmezustand, somit die klar bessere Poserband an dem Tag - mit so eineinhalb Galaxien Abstand. Ein unfassbar geiler Gig, der nur eine Frage offen ließ: Wer war nochmal dieser Chuck Norris?

Setlist DOKKEN:
Kiss Of Death
The Hunter
Dream Warriors
Breaking The Chains
Alone Again
Too High Too Fly
Paris Is Burning
It´s Not Love
Just Got Lucky
Into The Fire
In My Dreams
Tooth And Nail

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OPETH (Festival Stage)
Da kamen einem die Progressive Deather mit ihrem geerdeten Kontrastprogramm gerade recht, der Höhepunkt war nämlich schon erreicht. Das Backdrop zierten die drei riesigen Gemälde aus dem Cover von „Pale Communion", während die Hauptbühne für die Fünf ein wenig groß wirkte. Dazu verließen sie sich komplett auf die Wirkung ihrer Musik, die mit einem feinen, klaren Sound über das Publikum hinweg schwebte. Schweben war auch das, wozu diese Klänge animierten, vor allem das Eröffnungsdoppel mit zwei Stücken aus dem erwähnten aktuellen Album kam sanft daher.
Erst im Verlauf des Gigs zogen die Schweden das Tempo immer mehr an, so dass gegen Ende der Anteil an Growls in Mikael Akerfeldts Gesang höher wurde. Das Spiel mit der Dynamik beherrschten sie perfekt, so ließen die die Spannung ständig an – und abschwellen. Damit begaben sich OPETH weiter in Richtung der Progacts der Siebziger, welche deutliche Spuren in ihrem Klangkosmos hinterlassen haben. Die Schweden verstanden es die Töne ganz ruhig und zart zu zelebrieren, obwohl sie ihren Hintergrund im Todesblei haben.

Große Kunst war das, aber nicht nur um ihrer selbst willen, viele ihrer Kompositionen sprechen einen direkt an. So verträumt wie die Emotionen durch die Boxen sprudelten, so agierten die Mucker auf der Bühne. Völlig in sich versunken, oft mit verschlossenen Augen, begaben sie sich in ihre eigene Welt, um dann immer wieder auszubrechen und sich in ihre Riffwalzen zu ergeben. Hier zeigte dann auch Fredrik Akesson mit permanenten Headbanging so etwas wie Stageacting und kam auch ab und zu an den Bühnenrand.
Mittlerweile harmoniert der Mann blind mit seinem Gegenüber Akerfeldt, die beiden ließen die schönsten Harmonien nur so dahinfließen. Dahinter brillierte Joakim Svalberg an seinen Tasten, holte Mellotronklänge ebenso wie Orgeln und Synthieflächen aus der Soundbibliothek seiner Nord-Synthesizer heraus. Und die beiden Martins, Mendez am Bass und Axenrot am Schlagzeug lieferten jeweils die passende Untermalung, unterstützten mit ihrem feinfühligen Spiel die Dynamik der Songs, akzentuierten diese gekonnt.

Einigen schien das allerdings zu viel der Kunst zu sein, der Kontrapunkt kam nicht bei allen an. So wurden vor allem die sehr ruhigen Passagen immer wieder von Gegröle der bereits wartenden MOETLEY CRÜE-Fans gestört. Leute, jedem sei sein Spaß gegönnt, wir sind immer noch auf einem Rockfestival, da hat Musik mit Laut-Leise-Kontrasten immer etwas zu suchen. Wenn ihr bierselige Massenbeschallung wollt, dann kommt zu uns nach Deutschland, da könnt ihr Helene Fischer hören, dann seid ihr ganz schnell brav und lauscht in Zukunft ganz artig den sphärischen Klängen dieser Magier.
Davon abgesehen, dass diese Frevler noch ihr blaues Wunder erleben sollten, konnten sich OPETH mit der Zeit doch durchsetzen, nicht zuletzt mit der druckvoller werdenden Ausrichtung. Wie gewohnt wurde im Set nahezu jedes Album angespielt, nur die ersten drei blieben außen vor. So hatte man einen guten Überblick über ihr Schaffen, wenn man auch die Songs, welche von den einzelnen Alben gespielt werden, etwas variieren könnte. Wie gerne würde ich einmal das wunderschöne „In My Times Of Need" hören. Was natürlich auch sehr subjektiv ist, denn jedes an dem Tag gespielte Stück ein Kleinod für sich war.

Setlist OPETH:
Eternal Rains Will Come
Cusp Of Eternity
The Drapery Falls
The Moor
Windowpane
The Devil´s Orchad
The Lotus Eater
The Grand Conjuration
Deliverance

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TONY CAREY (Rockklassiker Stage)
In diesem Jahr gab es wieder ein Zelt auf dem SWEDENROCK, in dem die Rockklassiker Stage untergebracht war, die zuletzt noch Open Air war. So leisteten wir uns ein paar Abstecher dorthin, auch wenn diese etwas abseits stand. Der frühere RAINBOW – und PETER MAFFAY-Keyboarder sollte ursprünglich ein Akustikset präsentieren, doch kurz vor dem Festival entschied man sich auf eine komplette Rockversion umzuschwenken. Sehr vertraut bin ich nicht mit seinem Material, aber eine deutliche Bluesschlagseite war sofort herauszuhören. Carey übernahm die Doppelrolle als Sänger und hinter den Tasten, wobei er auch dahinter hervorkam, wenn seine Parts nicht benötigt wurden.

Hier streute er viele Orgeltöne ein, welche mit der Akustischen und der elektrischen Gitarre schöne Harmonien zauberte. Rockte „Why Me?", ordentlich war der Großteil des Materials wie „A Fine, Fine Day" eher ruhiger und atmosphärischer gehalten. Hier habe ich seinen größten Solohit „Room With A View" vermisst, doch einiges kam mit den erwähnten Soundzutaten und der Melancholie ziemlich in die Nähe. Somit kann man davon ausgehen, dass der Track aus der Fernsehserie „Wilder Westen Inklusive" kein Industrieprodukt eines Outsidewriters war, dafür erkannte man hier zu sehr die Handschrift des Meisters. Da die Serie wohl nicht in Schweden ausgestrahlt wurde, wird das Lied dort auch nicht so populär gewesen sein.

Vom Stageacting her konnten die Fünf keine Akzente setzen, hier merkt man einfach ein wenig die fehlende Liveroutine. Doch vom Spiel fügte sich alles sehr gut zusammen, hier funktionierte die Truppe als Einheit und knüpfte einen schönen dichten Soundteppich. Dieser lebte von dem herrlich warmen Mix, der im gut besuchten Zelt herrschte und den Gig zu einer wunderbar entspannten Angelegenheit werden ließ. Dabei war das Zelt schon fast zu groß, gerne würde ich diese Formation in einem winzigen, intimen Club sehen. War die Stimmung schon gut, doch nach ungefähr zwei Dritteln kündigte TONY CAREY noch eine Überraschung an.
Klampfer Anders Norman verabschiedete sich vorübergehend und für ihn kam ein den Einheimischen bekannter Sänger namens Sten Nilsson. So konnte sich Carey auf seine Keyboards konzentrieren und stimmte direkt das Intro von „Tarot Woman" an. Eigentlich hatte der Mann ja den RAINBOW-Sachen abgeschworen, zum Glück hat er sich eines Besseren besonnen, das Publikum dankte ihm mit frenetischem Jubel. Und weil der Eröffnungstrack eines der besten Alben aller Zeiten so schön war, gab es gleich noch „Run With The Wolf" obendrauf. Am Ende kam noch mal die ursprüngliche Besetzung zurück auf die Bühne und beendete mit einer weiteren Eigenkomposition einen überraschend starken Auftritt.

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MÖTLEY CRÜE (Festival Stage)
Als wir das Zelt verließen hatte der heiß erwartete Headliner gerade sein Set mit dem Titelsong des letzten Albums eröffnet, dem direkt der erste Klassiker folgte. Die Stimmung war prächtig, es gab ein Hitfeuerwerk, wobei über manche Schote des Debüts und einen der damals neuen Tracks der Compilation "Decade Of Decadence" doch zumindest diskutiert werden muss. Gerade letzteres Stück leitete ja den Niedergang der Hair Metallegende ein. Das störte noch keinen, weil die Amerikaner ordentlich etwas für das Auge boten.
Da waren zu allererst mal die zwei nicht gerade üppig bekleideten, dafür umso üppiger ausgestatteten Damen, welche auf der Bühne tanzten, sich räkelten und den Musikern die Instrumente reichten. Singen konnten die im Übrigen auch und stimmten in so manchen Refrain mit ein. Auch sonst wurde hier alles aufgefahren was geht, vom bizarren Bühnenaufbau angefangen bis hin zu obskuren Dingen, wie einem mitsamt Pentagramm von der Decke herab hängenden Mikrofon für Nikki Sixx. Doch lange hatte der Basser seinen Spaß damit nicht, denn nach ein paar Songs fackelte er das Ding mittels eines Flammenwerfers ab. Scheint zur Mode zu werden dieser Tage.

Der Bassist war noch einer der Aktivposten auf der Bühne und ständig unterwegs. Allerdings ging seine Umtriebigkeit zu Lasten der Tightness, denn mehr als einmal lag er neben seinem Rhythmuspartner Tommy Lee. Der hatte mal wieder die undankbare Aufgabe, die Kiste musikalisch heraus zu reißen, doch mehr als solides Drumming war auch bei ihm nicht drin. Dafür musste er mit ansehen, was seine Vorderleute so alles verbockten. Wer weiß, ob er nicht am liebsten ein Raub der Flammen geworden wäre, als diese sein Drumkit umzingelten. Da können die Special Effects noch so großartig sein, eine Rockshow sollte vor allem die Ohren ansprechen, die taten allerdings weh.
Vince Neil jedenfalls stand an dem Abend total neben sich und traf keinen einzigen Ton. Okay, an der Stimme eines Don Dokken nagt auch schon der Zahn der Zeit, doch gegen das Gekrächze des Crüe-Fronters bot er große Kunst. Was hat den Mann da nur geritten, um die Peinlichkeit perfekt zu machen, vergaß er auch mehrmals seinen Text, erträglich war es nur, wenn die beiden Hupfdohlen mit einstimmten. So sehr er sich auch bemühte, in der Großaufnahme auf den Leinwänden sah man die ganze Hilflosigkeit des Mannes. Fit geht definitiv anders, wer so schnell außer Atem kommt, sollte ein wenig an sich arbeiten, bevor er auf große Tour geht, schließlich weiß jeder, wie sehr man zunimmt, wenn man, ähm ja, die Zigaretten absetzt.

Schlimmer war nur noch das Bild, das Mick Mars abgab, denn bei ihm muss man sich ernsthaft fragen, ob sich noch Leben in ihm regt. Sein Gesicht ist völlig eingefallen, die Wangen hängen herunter, alles wirkt unecht wie eine Maske. Ungesund sah er ja schon immer aus, doch hier gab er ein Bild des Jammers ab. Als er sich zu so etwas wie einem Solo nach vorne begab musste einem ernsthaft bange werden, dass er den Rückweg nicht mehr schafft. Falls Jürgen von der Lippe jemals dem Achtzigerrevival aufsitzen und sein Format "Donnerlippchen" reaktivieren sollte, den Part des Vollstreckers könnte Mars bestens bekleiden.
Gar nicht reden will ich erst von seinem Spiel, denn da saß auch herzlich wenig, so manches Riff fand überhaupt nicht in sein Tempo. Bezeichnenderweise versauten er und seine Mitstreiter die Titellieder ihrer beiden besten Studiodreher fast bis zur Unkenntlichkeit. Wie kann es sein, dass man genau hinhören muss, um Material zu erkennen, das tief in der eigenen DNA verankert ist. Wären die Showelemente nicht gewesen, man hätte sich mit Abscheu abwenden müssen. Eine Band, die nur mit sich selbst kämpfen muss, braucht wirklich niemand, wenn es wenigstens lustlos gewesen wäre, aber da war einfach nichts da.

Wer nun denkt, mir mache es Spaß, MÖTLEY CRÜE zu zerfetzen, dem sei gesagt, dass ich Ende der Achtziger passionierter Fan war, doch nach den grandiosen Festivalauftritten mit METALLICA und AC/DC gaben sie sich alle Mühe ihr Denkmal zu stürzen. Angefangen bei den letzten sehr mauen Platten, über den schwachen Gig an selber Stelle vor zehn Jahren, bis zum absoluten Tiefpunkt an jenem Abend. Dabei hatte man wenigstens gehofft, dass sie sich zur Abschiedstournee noch einmal zusammenreißen würden und die Sache aufrecht zu Ende bringen. Der wieder gestiegene Stellenwert des Haarsprayrocks sollte die Formation eigentlich beflügeln, doch es wurde einfach klar, dass hier der Zeitpunkt für einen annehmbaren Absprung verpasst wurde.
Als am nächsten Morgen das ganze Ausmaß des Desasters offenkundig wurde, da die schwedischen Gazetten ins selbe Horn bließen wie ich, trugen einige Fans immer noch stolz ihr Merch auf. Die Älteren wohl aus Nostalgie, vor der Realität verschließend, die Jüngeren, weil sie das Quartett wenigstens noch mal erleben konnten. Wie sehr würde ich diesen Kids wünschen, dass sie diesen Arschtritt seinerzeit in Mainz hätten miterleben können, es wäre ihnen zu gönnen. So werden sie, wenn sie in ein paar Jahrzehnten die Welt verlassen, in dem Glauben gehen, dass die Crüe wirklich so waren. Vielleicht trugen einige ihre Shirts aber auch aus Trotz, ich habe meines verbrannt!

Setlist MÖTLEY CRÜE:
Saints Of Los Angeles
Wild Side
Primal Scream
S.O.S. (Same Ol´Situation)
Looks That Kill
On With The Show
Too Fast For Love
Smokin´In The Boys Room
Motherfucker
Anarchy In The UK
Dr. Feelgood
Shout At The Devil
Don´t Go Away Mad (Just Go Away)
 - Guitar Solo-
Live Wire
Too Young To Fall In Love
Girls, Girls, Girls
Kickstart My Heart
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Home Sweet Home

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H.E.A.T. (Sweden Stage)
Aus dem erhofften Großkampftag für alle Haarspraybenutzer wurde also nichts, da nur DOKKEN abgeliefert hatten. So konnten die Lokalmatadore die Gunst nutzen und bei ihrem Heimspiel in die Bresche springen. Diese Art Musik überlebte vor allem dank des Rückzugsgebietes Schweden, wo sie nie weg war. Von der großen Zahl an Bands aus dem Land der Elche erschienen mir bislang H.E.A.T. als die hoffnungsvollsten, hier bewiesen sie einmal mehr, dass ich mit der Annahme wohl richtig liege. Schon das Eröffnungsdoppel ihres aktuellen Studiodrehers zeigte dem Headliner zuvor, wie das nun richtig geht. Fast ebenso gestaltete sich auch die Setlist der kürzlich erschienenen "Live In London", lediglich den Singlehit vom "Freedom Rock"-Werk gab man zusätzlich zum Besten. Warum sollte man auch ein Programm ändern, welches seit "Tearing Down The Walls" so super funktioniert und vor allem die beiden letzten Scheiben bedenkt?

Mit dem super eingängigen Material kam sofort Stimmung vor der Bühne auf, die Band rief der Menge jene Energiereserven ab, die MÖTLEY CRÜE nicht zu aktivieren vermochten. Natürlich gaben die Fünf auf der Bühne auch die Vorturner dazu und sprühten trotz der späten Stunde vor Elan. Allen voran gab Erik Grönwall gewohnt den Mittelpunkt der Show und war ständig unterwegs. Schon bei meinem letzten Review forderte ich dazu auf, die Bands in die Stadien zu bringen, denn dem Frontmann war die Sweden Stage noch zu klein.
Überall war er zu finden, in jeder Ecke, im Fotograben, auf der Absperrung, ihn hielt es nie auf seinem Platz. Mit seiner gesunden, spitzbübischen Mischung aus Rotzigkeit und höflichem Gastgeber fand er schnell den Weg in die Herzen der Zuschauer. Einzig die ganz große Geste beherrscht er noch nicht, doch die Songs verlangen auch kaum danach, was sich ändern könnte, wenn die erwachsenere Richtung beim Songwriting weiter beschritten wird. Stimmlich hatte er ebenso einen enormen Druck aus der Kehle, wurde bei vielen tollen Arrangements von seinen Nebenleuten unterstützt.

Im instrumentalen Bereich wussten diese einen ebenso überzeugenden wie kompakten Sound zu fahren, der gerne mal die Keyboardfanfaren betonte. Als einzigen Kritikpunkt muss ich das Fehlen einer zweiten Gitarre nach Dave Dalones Weggang nennen, der für noch mehr Druck sorgen könnte. Eric Rivers machte aber seine Sache alleine ausgezeichnet und wurde beim ein oder anderen Solo von seinem Sänger auf Knien angebetet. Wie schon am Nachmittag Jon Levin beherrschte auch er das große Einmaleins der Rockstarposen.
Solche Tricks kann auch Crash an seinen Drums vorweisen, das Drehen und Wirbeln mit den Sticks gelingt, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Für seine schmale Gestalt bringt er die Songs kraftvoll mit seinen Schlägen nach vorne. Neben ihm zaubert Jona Tee auf seinen Tasten, sorgt für die einnehmende Atmosphäre und darf sich auch solistisch ab und an austoben. Viersaiter Jimmy Jay kann sich vor allem bei den tollen Gesangsharmonien in Szene setzen, sorgt ansonsten mit breitebeinigem Posing für noch mehr Rockattitüde.

Es war einfach beeindruckend, mit welcher Frische die Jungs ihre schon sehr stimmigen und geschliffenen Kompositionen rüber brachten, dabei so lässig ein paar Klassikerzitate einstreuten. Die ganze Zeit herrschte Partystimmung auf und vor der Bühne, die Meute sang lauthals mit, während sich die Band auch mal ein Gläschen Wodka genehmigte. Mit dieser engagierten Leistung konnte sie ihren Status mehr als untermauern und wurden von ihren Landsleuten nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Hier wurde demonstriert, wie Hair Metal heute zu klingen hat, und wie viel Spaß dieser machen kann. Das war mehr als eine Wachablösung, sie spielten die Crüe komplett gegen die Wand. Die kann ihrerseits einpacken und getrost in Rente gehen.

Setlist H.E.A.T.:
Point Of No Return
A Shoot At Redemption
Better Off Alone
Heartbreaker
It´s All About Tonight
Inferno
The Wreckoning/Tearing Down The Walls
Mannequin Show
Late Night Lady
Beg Beg Beg
All The Nights
Downtown
Enemy In Me
Emergency
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Breaking The Silence
Living On The Run
Laughing At Tomorrow

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HARDCORE SUPESTAR (Festival Stage)
Was kann es wohl schöneres geben, als sich bei gleißendem Sonnenschein HARDCORE SUPERSTAR anzusehen? Nicht besonders viel, dachten sich wahrscheinlich viele im Publikum. Schließlich war der Platz vor der Festival Stage bereits eine halbe Stunde vor dem Auftritt gut gefüllt. Die Combo startete mit „Need No Company" und hatte vom ersten Ton an die versammelte Meute im Griff.

Kein Wunder, ist die gesamte Truppe und vor allem Sänger Joakim Berg ein wahrer Derwisch, der sich anscheinend vorgenommen hatte, ganz schnell seine Frühstücksbrötchen abzutrainieren. Es wurde gerannt und selbstverständlich gepost was das Zeug hält. Natürlich lag die gute Stimmung auch daran, dass die vier Schweden spätestens seit 2005 nicht nur unermüdlich unterwegs sind, sondern zugleich auch ein wahres Füllhorn an hittauglichen Songs geschrieben haben. Selbst die beiden Nummern aus dem kontrovers diskutierten Neuling wurden wärmstens begrüßt.

Jedoch lag das Hauptinteresse bei solchen Knallern wie „Last Call For Alcohol", „We Don't Celebrate Sundays" oder „Above The Law", die fachgerecht abgefeiert wurden. Dass es der Gruppe auch gelingt ihr Publikum bei sehr ruhigen Momenten wie „Run To Your Mama" bei der Stange zu halten spricht ebenfalls für sich. Wenn es überhaupt etwas an diesem Gig zu kritisieren gibt, dann der Umstand, dass die veranschlagte Stunde Spielzeit nicht annähernd ausreichte um der Truppe den Status einzuräumen, den sie in der Szene mittlerweile innehat. (David)

ACE FREHLEY (Festival Stage)
Der ehemalige KISS-Gitarrist kämpft ja derzeit an mehreren Fronten, gerne mal über Anwälte mit seinen Ex-Kollegen. Heute hatte er nur eine Herausforderung zu bestehen, die an der Bühnenfront. Was für einen so erfahrenen Mann ein Kinderspiel ist, immerhin hat er aus seiner Vergangenheit einige Fans, die ihn nicht vergessen haben. Die waren nicht so zahlreich erschienen wie beim Ehemaligentreffen von GUNS´N´ROSES zwei Tage zuvor, doch lautstark bemerkbar machte sich auch diese ansehnliche Menge.
Es hatten sich auch einige Getreue eingefunden, welche sein Kostüm und Make-Up auftrugen. Dabei war er mit seiner gewohnten Backingband unterwegs und verzichtete fast völlig auf Gimmicks, auch die Bühne war sehr nüchtern gehalten. Showtechnische Referenzen gab es eher an die ROLLING STONES, sein Gitarrenpartner Richie Scarlett hat offensichtlich das ein oder andere Lehrvideo von Keith Richards geschaut, was sich in seinen Gebaren widerspiegelte. Ebenso wie der Meister selbst nutzte er den sich bietenden Auslauf zu Genüge, auch Bassist Scott Cougar fügte sich gut ein.

Das Zusammenspiel war zwar nicht immer optimal, aber Frehley gönnte seinem Mitstreiter den ein oder anderen Solospot. Ebenso übernahm er nicht bei jedem Titel den Gesang, der mittlerweile doch etwas gelitten hat, hier kann Space Ace seine Exzesse nicht verleugnen. Zu behaupten, dass er weniger frisch wäre als seine alten Bandkollegen, denn Simmons und Stanley haben mittlerweile auch ihre Zipperlein. Aus der Zeit rettete er nur ein Element hinüber, als er vorne auf dem Steg zum ausgiebigen Solo ansetzte begann seine Sechssaitige zu rauchen. Nur richtig brennen durfte sie wie gewohnt nicht, mir scheint ACE FREHLEY hat das Motto des diesjährigen SWEDENROCK nicht ganz verstanden.

Vom Programm her konnte man ihm keinen Vorwurf machen, schon der Beginn mit „Rocket Ride" überraschte, war diese KISS-Nummer nur Teil der Studiotracks von „Alive 2". Nach „Gimme A Feelin´" und „Toys" vom aktuellen Studiowerk „Space Invader" setzte sich das Hitfeuerwerk fort. Neben sattsam bekannten Stücken wie „Love Gun" oder „Cold Gin" grub er zur Freude seiner Anhänger noch ein paar vergessene Schätzchen wie „Strange Ways" aus. Vom Solomaterial war natürlich sein erstes Soloalbum aus der KISS-Soloreihe am häufigsten vertreten, wobei natürlich die Russ Ballard-Komposition „New York Groove„ am lautesten bejubelt wurde. Mit einer fulminanten Version von „Deuce" fand der gelungen Auftritt seinen abschließenden Höhepunkt.

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MOTHER´S FINEST (Rock Stage)
Eine der ungewöhnlichsten Combos tingelt nun auch schon seit vierzig Jahren um den Globus, fand aber noch nie wirklich Anschluss. Dabei hat sie den Funk und Rock, vor allem aber die Verquickung beider Genres entscheidend mitgeprägt. Nachdem man lange nur als Touract unterwegs war, wollten es MOTHER´S FINEST nun auch wieder albumtechnisch wissen.
Der Opener „Angels" stammte wie vier weitere an dem Tag gespielte Titel aus dem eher durchschnittlichen „Goody 2 Shoes & The Filthy Beast". Hier zeigten sich die Songs besser als auf der zu trocken produzierten Konserve, konnten die Mängel beim Songwriting aber nicht ganz überdecken. Da hatte man vor ein paar Jahren, als ich die Truppe letztmals sah, ein paar mehr rassige Klassiker dabei.

Doch die Bühne war schon immer ihre Heimat, da sind sie am stärksten, eine gut geölte Groovemaschine. Über all die Jahre haben sie ihr Zusammenspiel perfektioniert, Schlagzeuger Deion Derrick und Jerry „Wizard" Seay bringen einen fetten Rhythmus an den Start. Dabei agiert der immer noch sehr drahtige Basser ebenso megacool wie Rhythmusgitarrist John Hayes.
Sein Partner an den sechs Saiten Gary „Moses Mo" Moore mimt als Quotenweißer der Band eher den Clown auf der Bühne. Mit seinem langen Spitzbart und seiner Strubbelmähne scheint er als brauner Zauberer Tolkiens „Hobbit" entsprungen zu sein. Er bearbeitete die rechte Flanke unentwegt und hatte eine eher unfreiwillig komische Einlage, als er beim Solo nach vorne ging und sich dadurch sein Spiralkabel aus dem Verstärker zog.

Eher zu der lässigen Fraktion gehört auch Glenn „Doc Murdock", der immer wieder die Zuschauer animierte und für die männlichen Vocals sorgte. Doch alle wurden Joyce „Baby Jean" Kennedy" überstrahlt. Die Dame sieht für ihr Alter immer noch verschärft aus und packte sich in knallenge Klamotten. So wild wie ihre Performance war auch ihre nach oben gezurrten Mähne, die Furie war eindeutig die Dompteuse im Ring, der jeder gehorchte. Stimmlich hatte sie immer noch eine Monsterröhre, mit der sie jeder Melodie einen Adrenalinschub verpasst.

Neben dem aktuellen Longplayer stand wie immer das Durchbruchswerk „Another Mother Further" im Mittelpunkt des Programms. Dabei funktioniert der Witz mit dem einen ruhigen Song immer noch, „Baby Love" ist weit davon entfernt und rockt heute noch jede Hütte. Mit dem kam auch endlich richtig Stimmung auf, vor allem beim lange gejammten „Mickey´s Monkey" nahmen MOTHER´S FINEST ihre Fans für ausgedehnte Singalongs ins Boot. Live bleibt die Truppe mit ihrem Vulkan Joyce Kennedy immer noch eine Bank, ihre Präsenz war einmal mehr gewaltig.

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THE ANGELS (4 Sounds Stage)
Während 5 FINGER DEATH PUNCH die Festival Stage in ihre Einzelteile zerlegte, fand auf der 4 Sound Stage ein veritables Kontrastprogramm statt. Die fünf Herren aus Down Under sollten endlich auf dem Sweden Rock spielen und gingen pünktlich um 19:00 Uhr auf die Bühne. Direkt starteten sie mit „After The Rain" von ihrem Referenzwerk „Face The Day" und hatte sogleich das Publikum in der Hand. Generell gestaltete sich die Setlist der Australier aus vornehmlich zwei Alben, dem eben erwähnten und der Folgescheibe „No Exit."

Nicht nur das Songauswahl den Zuschauern merklich genehm war, nein, auch die absolut gekonnte Vortragsweise und insbesondere Toby Jepsons Stageacting sorgten für viel Beifall. Falls es irgendwo in den Weiten Australiens eine Schule für besonderes Posen gibt, der Sänger hat sie vermutlich mit summa cum laude abgeschlossen. Da störte es auch nicht, dass vor lauter Übermut die Schrittnaht riss.
Ein weiteres Schmankerls stellte der Gastauftritt der Aussie-Legende Jon English dar, der mit der Combo kurzerhand den Song „Fashion And Fame" intonierte. Endgültig zum Kochen brachte das Quintett die mittlerweile zahlreichen Besucher gegen Ende ihres Gigs. Die Pub-Hymne „Am I Ever Gonna See Your Face Again", „Take A Long Line", „Marseilles" und das um einige Minuten erweiterte „Can't Shake It" sorgten dafür, dass THE ANGELS einen ihrer raren Europa-Abstecher zu wissen genutzt haben. (David)

EXTREME (Rock Stage)
Wer das Glück hatte, das Bostoner Quartett auf einem ihrer letztjährigen Konzerte erleben zu dürfen, der wusste, dass man sich um die Live-Qualitäten der Band wahrlich nicht sorgen musste. Unter dem Banner eben dieser „Pornograffitti-Tour" betrat die Gruppe um viertel vor neun die Rock Stage und legte gleich mit „Decadence Dance" los.
Die beiden sich hierbei aufdrückenden Vermutungen aber, sollten sich als Trugschluss erweisen. Zunächst einmal fiel der etwas dünne Sound auf, der sich glücklicherweise nach nur wenigen Minuten besserte. Weiterhin jedoch sollte es diesmal keine chronologische Präsentation des 1990-er Meisterwerks geben, sondern „lediglich" sieben Songs, die quer in die Setlist eingestreut waren.

Im Vergleich zum letzten Jahr wurden neben „Comfortably Dumb" und „Take Us Alive" vom letzten Studio-Output „Saudades De Rock", auch das großartige „Kid Ego der Debüt-Scheibe dargeboten und entfachten eine sehr gute Stimmung beim hiesigen Publikum. Hinzu kam der unzweifelhaft professionelle Auftritt der vier Herren und Nuno Bettencourts freudig aufgenommene Aussage, dass er es kaum erwarten könne, die kurz nach ihnen spielenden JUDAS PRIEST zu sehen.
Routiniert und dennoch voller Elan spielte sich EXTREME durch ihre Playlist, in der die Mitsing-Passagen bei DEM Song schlechthin, „More Than Words" und auch der Schlussnummer der „Pornograffitti"-Platte „Hole Hearted", ebenso wenig fehlen durften, wie das finale „Get The Funk Out." Großartig! (David)

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SAMAEL (Rockklassiker Stage)
Die Schweizer mussten nach dem Ausfall von MY DYING BRIDE alleine die Dark Metal-Fahne hochhalten. Ein wenig abseits im Zelt fanden sich leider nicht viele Zuschauer ein, um das „Ceremony Of Opposites"-Album in voller Länge zu genießen. Ehrlich gesagt hätte ich die Combo lieber auf ihrer Tour gesehen, als sie das „Passage"-Meisterwerk vollständig aufgeführt hatten. „Moonskin" ist für mich heute noch neben „Gaia" von TIAMAT der Dark Metalsong schlechthin.
Im Vergleich zu der noch etwas unzureichenden und rohen Produktion ihres dritten Albums offenbarte sich hier viel deutlicher, welch eigenwillige Rhythmik SAMAEL damals erschufen. Dieses manische Gestampfe fuhr sofort in die Glieder und ließ den Kopf wie von selbst wild umher bangen. Davon machten zwei absolute Vorzeigethrasher in der ersten Reihe auch reichlich Gebrauch und schüttelten ihre Matten die ganze Stunde.
Auf der Bühne gaben die Eidgenossen ebenso Gas und waren trotz der Enge viel in Bewegung, während sie zumeist in tiefes Rot getaucht waren. Vorph hatte die Mähne wieder länger und gab den charismatischen Frontmann, der seine blasphemischen Texte fast beschwörend heraus brüllte. Eine Stärke von SAMAEL war seit jeher, die Aggression unter der wuchtigen Rhythmik so geschickt zu verstecken, dass sie zwar fühl – aber nicht greifbar ist.
Als zweiter Gitarrist zeigte Makro eben jene zwei Seiten, indem er oft ruhig seine Gitarre sirren ließ, um dann wie wild loszuspringen, sich regelrecht in seine Riffs hinein zu werfen. Auf der anderen Seite war der neue Mann am Langholz sichtlich froh über jede Beifallsbekundung. Mit einem leichten Lächeln hüpfte er ständig euphorisch auf und ab.
So tankte sich die Truppe durch das komplette Album und zeigte, wie innovativ sie schon vor zwanzig Jahren waren. Daran, dass Xytras an den Keyboards die Drumparts meist aus der Konserve kommen lässt, hat man sich schon gewöhnt, diese Doppelrolle ist bis heute einmalig. Am Ende gab es noch drei Stücke aus dem erwähnten Nachfolger von „Ceremony Of Opposites" und ein ultraschnelles vom letzten Album „Lux Mundi, welches auch schon Jahre her ist. Lange können die Vier nicht mehr ihre Vergangenheit zelebrieren, es wäre mal Zeit für neues Material.

Setlist SAMAEL:
Black Trip
Celebration Of The Fourth
Son Of Earth
Till We Meet Again
Mask Of The Red Death
Baphomet´s Throne
Flagellation
Crown
To Our Martyrs
Ceremony Of Opposites
The Ones Who Came Before
Shining Kingdom
The Truth Is Marching On
My Saviour

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JUDAS PRIEST (Festival Stage)
Soll es wirklich schon zehn Jahre her sein, als ich die Briten zum letzten Mal live gesehen habe? Angesichts meiner Verehrung für die Hohepriester des Metal, kaum verständlich, dabei machten sie es einem in der Zwischenzeit nicht leicht. Die beiden letzten Alben fielen doch gegenüber dem ab, was man von ihnen gewohnt war, und auch an ihrer Bühnenperformance schieden sich die Geister. Leider bin ich nicht in der Situation die Vorwürfe und Gerüchte zu entkräften. Alt wären sie geworden, steif, müde und ausgebrannt, die Stimme von Rob Halford wäre am Ende und die Verjüngung mit Richie Faulkner hätte auch nichts gebracht. Als dann jedoch im Vorfeld der Tour auf den üblichen Tratschkanälen Stimmung gegen eine womöglich schwache Setlist gemacht wurde, dämmerte mir schon, dass es sich bei vielem nur um sinnfreies Dissen handelt. Und in der Tat können all jene, die die Band schon abschreiben wollen von mir aus mit der Crüe nach Hause fahren. Frei nach dem 87er "Live..."-Klassiker: "Saturday Night in Sölvesborg, Sweden and the Priest is back!"

Schon vom Programm her gab es an dem Abend rein gar nicht zu bemängeln. Gut, es fanden vier Lieder vom eher mediokren, letztjährigen Werk den Weg ins Set, das erste direkt zum Auftakt. Wer will es jedoch Künstlern verdenken, ihr aktuelles Material zu präsentieren, zumal sie die stärksten Tunes wählten? Nach der obligatorischen Bandhymne kam dann in Form des "Screaming For Vengeance"-Tracks die erste große Überraschung, und nicht nur der Verfasser dieser Zeilen dürfte das lange nicht mehr gespielte Stück freudig aufgenommen haben. Es müssen ja nicht immer "The Green Manalishi" oder "Riding On The Wind" sein, man isst ja auch nicht immer Filet, sondern greift auch mal zum Rumpsteak.
Von solch erlesener Qualität war auch der Rest des Sets, zumal auch das seit der Reunion stiefmütterlich behandelte "Defenders Of Te Faith" zweimal vertreten war. Wer kann es sich schon leisten, ein solch überragendes Epos, wie es JUDAS PRIEST an der Schwelle vom Prog-Frühwerk zum Metal gelang, an die vierte Position zu setzen. Andere würden sich solch eine Komposition bis zum Ende aufsparen, wenn sie so eine überhaupt je hinbekämen. Die Killerscreams und die Leads sind auch nach vierzig Jahren immer noch weit von allem irdischen entfernt.

Es war aber nicht das Programm alleine, welches den Gig zum Höhepunkt des diesjährigen Sweden Rock machte, sondern vielmehr die Art und Weise, wie die Nummern in die Menge geballert wurden. Von Stimmproblemen war bei Halford nicht allzu viel zu hören, er traf die hohen Töne immer noch, auch wenn manche mit Echoeffekten verlängert wurden. Doch er wollte zeigen, was immer noch in ihm steckt, außer "The Ripper" waren alle Paradenummern am Start. Dabei hätte er es sich einfacher machen, bei der Ballade auch "Diamonds And Rust" bringen können, doch die Wahl fiel bewusst auf den Klassiker aus "Stained Class"-Tagen.
Von der Performance her war auch ebenso in blendender Form und viel unterwegs, oft schritt er die Bühne weit nach außen auf die Stege vor der PA ab, um auch den letzten Zuschauer zu erreichen. Dass er dieses Mal auf einen schweren Mantel verzichtete half ihm dabei, doch auch ohne herrschte edel designtes schwarzes Leder beim Bandoutfit vor. Von seinen Bewegungen kam er so sogar vitaler rüber als noch kurz nach seinem Wiedereinstieg. Wie immer kamen seine "Oh Yeah"-Spielchen bestens an, obwohl die gar nicht nötig waren um die Stimmung zu steigern, der Metal God dirigierte die Menge nach Belieben. Zum letzten Song des regulären Sets kam er mit einer glänzenden Indian bis ganz vorne an den Laufsteg gefahren, die Peitsche zwischen den Zähnen, all jene zu strafen, die ihm nicht huldigten.

Neben ihm sorgten die beiden Sechssaiter für den richtigen Ton, ihre schneidenden Riffs fegten wie ein Orkan über den Platz. In den ersten paar Minuten wackelte der Sound ein wenig, dann zersägten die Äxte alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Glenn Tipton und Richie Faulkner spielten so unglaublich kompakt und aggressiv zusammen. Immer wieder standen sie Seite an Seite und feuerten ihre doppelten Slaven ab und duellierten sich bei den Leads. Hier hat das Duo allerdings eine neue Aufgabenteilung, anstatt die Soloparts in jedem Song hin und her zu spielen, übernimmt einer der beiden jeweils die kompletten Soli.
Beide wussten die ganze Größe der Bühne zu nutzen, wobei Faulkner nur so vor Energie sprühte, welche der Band in den letzten Jahren gut tat. Ab und an übertrieb er es etwas mit seinem Einsatz, aber seien wir ehrlich: Der Mann ersetzte mit Anfang Dreißig K.K. Downing bei JUDAS PRIEST, da würde jeder von uns ein bisschen überziehen. Es war einfach die pure Euphorie, welche bei ihm und seinen Mitstreitern rüberkam, und die sich von der ersten Sekunde auf das Publikum übertrug.

Hinter den beiden stand Ian Hill stoisch und etwas unscheinbar vor einer der drei großen Videoleinwände. Doch er bildete den Motor der Formation, sein pumpender Bass schob die Dynamik der Songs an und verlieh ihnen das kraftvolle und sichere Fundament. Oben auf dem Riser thronte mit Scott Travis ein Donnergott, der sein Kit nach allen Regeln der Kunst zerlegte. Eigentlich sah das alles sehr locker aus bei ihm, wenn er sich in seinen zahlreichen Breaks in die Unendlichkeit trommelte. Doch wenn dann die aggressiven Attacken kamen, und er wie ein Berserker auf seine Becken haute, hatte das eine ungeheure Wucht. Dabei hängte er die Becken extra hoch, um mehr Punch dahinter bringen zu müssen, was sein Spiel noch brachialer wirken ließ.

Nach ein paar Leckerbissen setzte es am Ende das gewohnte Hitfeuerwerk, bei dem die Männer aus Birmingham aus den Vollen schöpfen konnten. Als Halford zu Beginn des zweiten Zugabeblocks fragte welche Song die Anhänger hören wollen, fiel die Antwort genauso konsequent und unverrückbar wie der Sound der Truppe aus. Der Name des Titelsongs des 90er Albums, mit dem JUDAS PRIEST schon einmal alle Kritiker verstummen ließen, wurde aus tausenden Kehlen gefordert. Wer nun dachte auf den Hexenkessel, den dieser Brecher auslöste, könnte nichts mehr folgen, dem zeigten die Briten erneut, wer die Herren im Haus sind. Travis zählte ein, eins, zwei, drei, vier und die Party ging ab, Ausnahmezustand, die ganze Norje Bucht hüpfte kollektiv. Die lauthals mitgesungene Überhymne bildete den fulminanten Schlusspunkt eines grandiosen Gigs. "Saturday Night in Sölvesborg, Sweden and the Priest is Back!"

Setlist JUDAS PRIEST:
Dragonaut
Metal God
Devil´s Child
Victim Of Changes
Halls Of Valhalla
Love Bites
March Of The Damned
Turbo Lover
Redeemer Of Souls
Beyond The Realms Of Death
Breaking The Law
Jawbreaker
Hell Bent For Leather
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Hellion/The Electric Eye
You´ve Got Another Thing Comin´
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Painkiller
Livin´After Midnight

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THE DARKNESS (Rock Stage)
Bereits vor drei Jahren spielten die britischen Glamrocker auf dem SWEDENROCK, damals jedoch auf der Hauptbühne. Dieses Mal war es an der Truppe den Samstagabend und somit das gesamte Festival ausklingen zu lassen. Eröffnet wurde die Show mit „Barbarian" vom bis dahin erst acht Tage alten Album „The Last Of Our Kind." Die doch noch immer recht zahlreiche Publikumsschar nahm dies nur zu gerne auf und wurde in den folgenden gut neunzig Minuten Zeugen einer wahrhaft exzentrischen Show.

Einmal davon abgesehen, dass Frontmann Justin Hawkins nahezu bei jedem Song seine Gitarre wechselte, gab es zusätzlich sehr eigene Einlagen, wie beispielsweise das Geißeln mit dem Mikrofon um somit die Zuschauer zu mehr Mitarbeit zu bewegen. In Verbindung mit der wie immer vornehmlich aus Songs der ersten Scheibe bestehenden Setlist mobilisierte die britische Combo somit nochmals die letzten, schon verbraucht geglaubten Kräfte ihrer Fans und konnten es sich auch leisten fünf neue Songs zu spielen. Im Prinzip kein Novum für eine Truppe mit erst vier Alben, aber angesichts des jungen Erscheinungsdatums dennoch keine Stimmungs-Garantie.

Ob nun das sehr an THE CULT erinnernde „Open Fire" oder auch leicht schräge „Roaring Waters", alles wurde begierig aufgenommen. Nach dem Hit schlechthin, „I Believed In A Thing Called Love" folgte zum Abschluss noch das auf dreißig Minuten in die Länge gezogene „Love On the Rocks With No Ice", bei dem Hawkins einige Gitarrentürme zwecks Erklimmen aufbaute. Wenn es überhaupt einen Kritikpunkt gibt, dann der Umstand, dass vom unterbewerteten Zweitling lediglich der Titelsong gespielt wurde. Neben BEHEMOTH ein würdiger Abschluss eines rundum gelungenes Festival. (David)

BEHEMOTH (Sweden Stage)
Wer sollte sich nun noch auf die Bühne trauen, ohne Angst zu haben unterzugehen. Die neue Spielordnung mit fünf Slots auf den kleineren Hauptbühnen hat den Vorteil, dass die Topacts früher am Tag kommen, aber für die danach spielenden Bands den Nachteil, wenn der Headliner so sticht. Eigentlich kann nur das polnische Rollkommando mutig genug sein, dieser Demonstration etwas entgegenzusetzen. Sie trotzten schon dem Sturm in Slowenien, dem Dämon Krebs und forderten Gott heraus. Alleine der Blick auf das Bühnenbild wirkte furcheinflößend, überall schwere metallene Gegenstände mit okkulten Symbolen, die Dunkelheit wurde nur durch Feuer erhellt.
Ganz nebenbei haben BEHEMOTH mit "The Satanist" mein persönliches Top-Album des letzten Jahres abgeliefert, welches im Vordergrund stand und mit dem auch der Set eröffnet wurde. So ein Titel wie "Messe Noir" hatte Adam "Nergal" Darski noch gefehlt, er beschreibt einen Auftritt seiner Formation recht gut. Nicht nur die ganze Optik und Symbolik, auch nicht das Auftreten wirkten beängstigend, sondern wie einen die Songs in einen bösen Sog hinein zogen. Oft schwer, bedeutungsschwanger, dann wieder mit unbarmherzigen Tempo in die Menge gepeitscht. Der Vierer spielte so geschlossen, schier undurchdringlich und strahlte dadurch eine ungeheure Macht aus.

Viel zu sehen war von den Protagonisten nicht, meist waren sie in Kapuzen verhüllt oder trugen obskure Masken. Lediglich Gitarrist Seth zeigte meist seine lange Mähne, während er die klareren Vocals übernahm. Hier funktionierte das Zusammenspiel von Grunts, schwarzem Gekreische und eher atmosphärischen Gesängen sehr gut. Ultrapräzise war das, was da aus den Boxen kam, BEHEMOTH kamen so unglaublich auf den Punkt, dazu war der Sound dicht und brutal. Speziell Inferno machte hinter seinem Kit seinem Namen alle Ehre und ballerte, dass es einen regelrecht überfuhr.
Großartigen Bewegungsdrang darf man bei ihnen nicht erwarten, lediglich Bassist Orion bangte unablässig. Dies war aber einfach der Dynamik geschuldet, die absolut auf die Wirkung der musikalischen Dominanz setzte. Hier wurden die Songs zelebriert mit all ihren finsteren Emotionen, welche herüber ins Publikum wogten und rituell in Szene gesetzt wurden. Zur legendären Abrissbirne "Christians To The Lions" entzündeten Seth und Orion zwei umgedrehte Kreuze, sie haben das Motto des Wochenendes also verstanden. Da man Feuer gar nicht genug haben kann, gingen auch ständig die Feuersäulen nach oben, dass sogar mal nachgetankt werden musste.

Effektiv untermalte das besonders die Deathlastigerenen Titeln wie "Conquer All" oder "Slaves Shall Serve", während Nummern im Stile von "Ben Sahar" oder "Ov Fire And Void" von bedrohlichen Gesten begleitet wurden. Ansagen gab es eher wenig, nur bei "Chant Of Eschaton 2000" redete Nergal länger beschwörend auf die Zuschauer ein, die ihm lautstark huldigten. Die Polen wirkten wie ein Panzer, der über ihre Köpfe hinweg rollte, obwohl sie dennoch eine merkwürdige Ruhe ausstrahlen, eine Ruhe, der so viel Kraft innewohnt, die in jedem Augenblick zu zerbersten scheint. Es ist die unerbittliche Konsequenz in Riffs wie die des abschließenden, überragenden "O Father! O Satan! O Sun!" vor der es kein Entrinnen gibt. Die Verzweiflung loderte in der letzten Messe auf, BEHEMOTH entfesselten das Böse, während sie wie Felsen in der Brandung da standen. Kann ein Festival ein gewaltigeres Ende finden?

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Beginnen wir zur Abwechslung mal mit dem Negativen, den neuen Spielplan finde ich nicht so prickelnd wie den gewohnten. Sicherlich ist es besser, wenn der Headliner eine Stunde früher auf die Bühne kann und das Publikum noch nicht so ausgelaugt ist, aber das könnte man auch anders lösen, indem man die Slots tauscht und die Festival Stage beginnen lässt. So wurde ein zusätzlicher Slot auf Sweden – und Rock Stage eingeführt, dafür wurden einige gekürzt. Bei der Lösung hätte man eine halbe Stunde früher beginnen sollen und die letzten Bands bis zwei Uhr spielen lassen, um das möglichst aufzufangen.

Wenn eine Band wie MOLLY HATCHET mittags nur eine Stunde zur Verfügung hat, dann ist das zu wenig. Auf mittleren Festivals können sie als Co-Headliner beispielsweise länger spielen, das war ja immer eine Stärke des SWEDEN ROCK. Hier wurde auch dem Trend immer mehr Bands zu buchen Rechnung getragen, natürlich wird das Angebot nicht kleiner.
Immer noch zugute halten muss man den Veranstaltern, dass ein Großteil der Bands immerhin eine Stunde zocken darf, die Großen bis zu neunzig, die Headliner noch länger, während woanders Legenden mit 35 Minuten abgespeist werden. Nur darf diese Entwicklung nicht weiter einreißen, sonst verliert das SWEDEN ROCK eines seiner absoluten Alleinstellungsmerkmale.

Das MOLLY HATCHET schon früh am Tag ran müssen, spricht natürlich wieder für die Qualität und die Prominenz des Billings. Womit wir beim vielen Positiven wären, die Hauptbühnen sind mit internationalen Topacts gefüllt, eine Ausnahmeformation wie TOTO schafft es nicht zum Headliner. Dazu kommt eine stilistische Bandbreite, wie man sie sonst nirgendwo findet. War etwa der Freitag für unsere Gruppe eher mit Poser Rock gesegnet, ließ sich der Verfasser dieser Zeilen zum Ausklang noch mal richtig zuballern.

Von ganz ruhigen Blues – und Folklastigen Acts bis zu derbstem Extrem Metal war alles vorhanden. Parallel spielendes Programm wurde versucht so unterschiedlich wie möglich zu gestalten, was dennoch die ein oder andere Überschneidung nicht verhinderte. Gerade wenn man wie ich in den unterschiedlichsten Genres seine Favoriten sucht und Qualität über Genrezugehörigkeit setzt. Und damit ist man hier in Sölvesborg immer richtig, wo so viele Geschmäcker zusammen kommen. Als positiven Nebenaspekt der langen Spielzeiten gaben die resultierenden langen Umbauphasen Bands wie HAMMERFALL oder BEHEMOTH die Möglichkeit, ihre komplette Bühnenproduktion aufzufahren und so nahe an die eigenen Headlinergigs heran zu rücken.

Das größte Sonderlob gebührt wie immer der Security, deren Arbeit wegweisend ist. Wo man Deutschland Polizisten mit Schlagstöcken und Tränengas in einen Fanblock schickt, um eine Fahne zu holen, und das dann auch noch für eine gute Idee hält, setzt der schwedische Sicherheitsdienst auf Freundlichkeit. Und es funktioniert! Es funktioniert deswegen, weil die Security weiß, was die Fans wollen, wie die Fans sind, anstatt sie nur maßzuregeln.
Man sucht den Dialog, dass einige selbst mit der Musik etwas anfangen können, erleichtert die Sache sicherlich. Wo sonst kann man mit den Security über KISS-Platten und DEF LEPPARD diskutieren? Ein kleines Indiz ist immer die Prüfung von Weinflaschen, die in den vorderen Reihen geleert werden. Auf dem Gelände kann man zulässige aus Plastik kaufen, aber man will sichergehen, dass keine aus Glas mitgebracht wurden. Während man anderenorts womöglich die Pullen aus der Hand gerissen bekommen würde, schaut man sich beim SWEDENROCK die Sache an, um dann zu handeln.

Auch sonst sind die Jungs und Mädels sehr aufmerksam und handeln stets situationsbedingt. Dass man mit frontalen Erziehungsmethoden keine Menge in den Griff bekommt, hat man hier verstanden, deswegen agiert die Security hier mit zurückhaltender Präsenz. Gerade wenn es darum geht, etwaige Aggressionen zu unterbinden, ist Verständnis noch nie die schlechteste Lösung gewesen. Sogar die Sicherheitskräfte am Badestrand verhalten sich sehr unprätentiös, grüßen dafür umso freundlicher. Man weiß einfach, dass man einen Dienst am Kunden tut und mit ihm das Festival erlebt.
So gehört das Reichen von Wasser an die ersten Reihen einfach zum Service dazu. Wer nun denkt, hier würde es sich um eine Spaßtruppe in Security-Shirts handeln, sieht sich getäuscht. Wenn es sein muss, dann sind sie da, vielleicht schneller als manche, die vor Wichtigtuerei erst noch überlegen müssen. Bei kleinen Rangeleien wurde direkt beschwichtigend eingegriffen und die Versorgung von Besuchern, die sich körperlich übernommen haben, ist blitzschnell gegeben.

Ein weiters großes Plus an ihrer differenzierten Arbeit ist das genaue Beobachten der Menschen vor der Bühne. Sie erkennen genau, wenn jemand einfach Spaß an der Musik hat, seine Emotionen auslebt und auch mal Körperkontakt mit seinen Nebenleuten hat oder jemand diese nur nervt. Ein ganz besonderes Exemplar tauchte bei OPETH auf und forderte die ganze Zeit „Deliverance", dabei ließ er sich immer mit voller Körpermasse in die vorderen Reihen fallen.
Schnell dämmerte den Anwesenden, dass er sich womöglich nur zwischen diejenigen quetschen will, die seit dem Mittag vorne auf die Crüe warteten. Diesen Menschen erklärte einer der Securityleiter kurzerhand zur Chefsache und ließ ihn keine Minute mehr aus den Augen und ermahnte ihn mehrmals. Am Ende faltete er ihn ordentlich zusammen und verwies ihn des Platzes, von welchem er sich dann zur Zufriedenheit aller trollte. Sie können auch anders, aber nur wenn es sein muss!

Überhaupt ist das ganze Gelände voll von Annehmlichkeiten, das fängt bei der entspannten Größe an, welche die Zuschauermassen problemlos fasst. An den Eingängen entstehen ebenso kaum Wartezeiten. Zum noch entspannteren Genießen der Konzerte darf man auch seinen Campingstuhl mit herein nehmen. Und die Möglichkeit eine Halbliterflasche mit sich herum zu führen, um damit Trinkwasser zu zapfen, gibt es auch nur selten auf Festivals.
Dabei ist für das leibliche Wohl mehr als gesorgt, die Stände sind so zahlreich, dass man auch hier schnell seine Mahlzeit bekommt. Das Angebot steht dem musikalischen in Nichts nach, da wären: Burger aus den USA, Donuts in allen Variationen von der dortigen Polizei, Tex-Mex Food von etwas südlicher, Langos aus Ungarn, Nudeln wahlweise laktosefrei aus Italien, China oder Thailand, Waffeln aus Belgien, Kropkakkor aus der schwedischen Hausmannsküche, Döner aus der Türkei, Gyros aus Griechenland, Pizza ebenfalls aus Italien, gerne auch komplett in der Schachtel und Elchdöner und Dönerpizza aus den feuchten Träumen eines Junk-Food Nerds.

Hinzu kommt eine gute Logistik, welche die Campinglätze rundherum verteilt und somit die Wege für die Besucher kurz hält. Und wer mal gerade nichts im Programm finden konnte, der schaute einfach am Badestrand des Norje Boke-Campingplatzes vorbei. Dort tummelten sich in diesen Tagen viele Gleichgesinnte und nachdem ein Mutiger mittags den Anfang machte, stürzen sich viele in die noch sehr kalte Ostsee. Uns eröffnete sich diese Möglichkeit lediglich am Samstagnachmittag, wo bei herrlichstem Sonnenschein auch dort eine gute Stimmung herrschte.
Drinnen gibt es diverse Ausstellungen von Sponsoren, wobei hier vor allem der Muscle Car-Händler eine Attraktion ist. In Schweden ist das Herumschrauben an Autos tief im Rock´n´Roll-Lebensgefühl verankert, während diese Szene hierzulande eher..., naja, lassen wir das. So gab es einige richtig rasante Exponate zu sehen, auch auf zwei Rädern. Ja, hier fühlte man sich wieder wohl, hier war die Stimmung einfach relaxt, hier lag der Fokus auf der Musik, man konnte sich selbst sein. Ich bleibe dabei, ein besseres Festival gibt es nicht! (Pfälzer)

Alle Photos von Silke Jankovic

Einen besonderen Dank an Birgit Bräckle von Brooke Lynn Promotion

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