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swedenrock2014Eines der frühen Highlights in der Festivalsaison findet gewohntermaßen um den schwedischen Nationalfeiertag am 06.06. statt. Kein Wunder, dass das Sweden Rock Festival im Land der Elche eine absolute Institution ist. Bei uns ist es unverständlicherweise noch nicht so populär, obwohl es alljährlich über das mitunter beste Billing des Kontinents verfügt. Auch die diesjährige Auflage, die vom 04.-07- Juni über die Bühne ging, hatte etliche große Namen zu bieten. Darüber hinaus ist das Event der Konkurrenz in vielen Belangen weit voraus, weswegen es Teile der Redaktion immer wieder gerne dorthin zieht. Nun waren wir zum ersten Mal für NECKBREAKER in der Norje-Bucht, um uns für unsere Leser ein Bild zu machen, ein Trip, der sich mehr als gelohnt hat.

Anreise
Die verlief bis zur Fähre in Puttgarden aufgrund ach so sachlicher Planung diverser Amtsschimmel und eines größeren Unfalls alles andere als reibungslos, weswegen ich gerade mal zwanzig Minuten vor Schließung der Akkreditierungsstelle dort ankam. Von dort schickte man mich hinter die Hauptbühne, wo ein kleines Pressecamp eingerichtet war. Besser konnte ich es nicht erwischen, denn auf der anderen Seite des Zufahrtsweges war direkt der Ostseestrand, der von allen Campingplätzen in ein paar Minuten zu erreichen ist. Da auf dem Sweden Rock Komfort groß geschrieben wird, waren auch ausreichend Dusch - und WC-Container gerade mal drei Gehminuten entfernt. Das Wetter nieselte zwar noch vor sich hin, aber das Zelt war schnell aufgebaut, oder besser aufgeklappt, und das Auto durfte daneben stehen bleiben. Nachdem der nächste Tag eher verhalten begann, ging es erst abends zum Auftakttag, der traditionsgemäß nur auf drei Bühnen stattfindet.


MAGNUM (Sweden Stage)
Die britischen Pomprocker legen in den letzten Jahren ein enormes Tempo vor und hauen im Schnitt alle zwei Jahre ein starkes Album heraus. Auch tourtechnisch sind sie viel unterwegs und hier gern gesehene Gäste. Um die derzeitige Stärke zu verdeutlichen, legten Tony Clarkin und seine Mannen direkt mit dem Opener ihres aktuellen Longplayers "Escape From The Shadow Garden" los. Dessen Cover zierte das große Backdrop, ansonsten beschränkten sich die Showelemente auf das Wesentliche, obwohl am Ende ein paar Pyros überraschten.
Der Fünfer weiß auf der einen Seite, was seine Fans von ihm verlangt, auf der anderen Seite nimmt er sich künstlerisch immer noch ernst. Die Hälfte seines Sets bestand aus den letzten drei Veröffentlichungen, unter die vor allem gegen Ende die Klassiker eingestreut wurden. Hier könnte man gerne ein wenig abwechseln, doch aufgrund der vielen neueren Titel blieb auch hier nur Zeit für die unverzichtbaren Standards. Dabei könnte man gerne mal einen anderen Song ihres Referenzwerkes "On A Storyteller´s Night" zum Besten geben.

Doch manchmal kann Routine auch etwas verlässliches sein, denn MAGNUM bringen ihre derzeit grandiose Form auch auf die Bühne und lieferten wieder ein durchweg gelungenes Konzert ab, das erstmals so richtig Stimmung auf das Gelände zauberte. Vor allem Clarkin selbst überraschte mit seiner Vitalität, die arbeitsame Zeit scheint ihn zu beflügeln, er wirkt jünger als noch vor ein paar Jahren. Es kann natürlich sein, dass er da auch mit seinem Bassisten Al Barrow mithalten will, der neben Sänger Bob Catley der Aktivposten auf der Bühne ist.
Der konnte wie immer die Atmosphäre mit seiner Gestik untermalen, war aber nicht so gut bei Stimme wie man es von ihm gewohnt ist. Möglicherweise konnte er bei den doch kühlen Abendtemperaturen nicht seine volle Kraft entfalten, doch angesichts seiner schon 62 Jahre ist er immer noch ein außergewöhnlicher Sänger. Anfangs hakte es auch ein wenig beim Sound, doch wie öfter an dem Wochenende konnte der Mann im Turm schnell die richtigen Knöpfe drehen. So machten sich die schönen atmosphärischen Harmonien auf dem Platz vor der Sweden Stage breit.

Dachte man bis zu der Zugabe an eine allzu standardmäßige Setlist, bei der die üblichen Verdächtigen gezockt werden, so gab es dann doch noch eine Überraschung. Natürlich sind MAGNUM in einer Zwickmühle, denn lassen sie einige Klassiker weg, gibt es auch genug, denen das nicht recht ist. Als dann der Jubel die Fünf wieder zurück auf die Bretter brachte stimmten Catley und Clarkin rein akustisch den Evergreen ihres "Chase The Dragon"-Opus an, der dann gegen Ende in eine elektrifizierte Version über ging.
Schaut sich der Interessierte die Setlist des Saarbrücker Konzertes an, so wird er feststellen, dass diese bis auf jenen grandiosen Track, der später einem Livealbum den Namen geben sollte identisch war. Das ist eine der Dinge, welche das Sweden Rock so besonders machen, dass es hier volle Showcases gibt, die mitunter länger dauern als bei den eigenen Headlinergigs. Mit einem weiteren Song aus eben jenem 82er Longplayer ging nach 90 Minuten ein souveränes Konzert zu Ende.

Setlist MAGNUM:
Live ´Til You Die
Black Skies
Freedom Day
Dance Of The Black Tattoo
Blood Red Laughter
Unwritten Sacrifice
How Far Jerusalem
Les Morts Dansant
Falling For The Big Plan
All Englands Eyes
Vigilante
Kingdom Of Madness
-------------------------------
The Spirit
Sacred Hour

 live 20140604 0101 magnumlive 20140604 0102 magnum

BLAZE BAILEY VS. PAUL DI´ANNO (4 Sounds Stage)
Ein wenig unken, dass es die Veranstalter nicht schafften IRON MAIDEN zu verpflichten, kann man beim folgenden Act schon. Rein auf die musikalische Qualität und die Show bezogen sind die beiden ehemaligen Frontmänner der Eisernen Jungfrauen kein adäquater Ersatz, doch hier gibt es auch Titel zu hören, die ihre früheren Kollegen heute nicht mehr zum Besten geben. Wo noch weitere Konzerte der beiden stattfinden weiß ich nicht, aber zumindest auf dem Backdrop prangt "Double Trouble Tour". Wer hier die Instrumente bedient, kann ich nicht in Erfahrung bringen, doch vor allem das gelockte Gitarrenduo weiß zu überzeugen. Vor allem, wenn die doppelläufigen Leads kommen, bringen sie eine eigene Note, etwas ursprünglicher, an THIN LIZZY geschult herein. Ganz an die Brillanz der etatmäßigen Axtmänner kommen sie aber nicht heran.

Dabei hatte der gute BLAZE BAILEY natürlich mit seinen Stücken den weitaus schwierigeren Stand, denn sie entstammen einer Phase, in der seine Formation in der Rockszene nicht vorne mitmischten. Doch die Reaktionen zeigen, dass die Fans auch die Nummern nicht vergessen haben. Natürlich fanden sich vor der 4 Sounds Stage so viel Publikum ein, wie den Rest des Festivals über nicht mehr. Vor allem die schnellen Stücke machten Spaß und präsentierten den Sänger sehr agil. Dabei ging er immer wieder auf seine Fans ein, feuerte diese immer wieder an und kam dabei sehr sympathisch rüber. Doch ein wenig wirkte das auch anbiedernd, ein bisschen mehr große Geste könnten die Kompositionen vertragen.

Aber immer noch weit mehr Präsenz als sein Partner, der später die Bühne enterte, oder besser gesagt hinauf kroch. Mit einem Stock bewaffnet kam der Mann nicht weiter als zum Drumriser, von wo aus er sich nach einem Lied entschuldigte. Sein Bein sei völlig kaputt, körperlich ist er unübersehbar ein Wrack, welches sich die gesamte Spielzeit über nicht von seinem Platz erhob. Seine raue Stimme würzt die ebenso veranlagten Songs, welche die Stimmung deutlich hoben. Klar, das sind die ganz alten Klassiker, welche seine ehemalige Band groß gemacht haben, und die kennt jeder Metaller. Aber für Paule wurden sie zum Fluch, ihm glückte nach seinem Rauswurf nichts mehr Annäherndes und er wird immer noch darauf reduziert. Am Ende kam auch Blaze zurück, so dass die beiden, die letzten zwei Stücke gemeinsam bestritten.

Setlist PAUL DI´ANNO VS. BLAZE BAILEY
Lord Of The Flies
Futureal
Sings Of The Cross
Clansman
Man On The Edge
----------------------------
Sanctuary
Wrathchild
Remember Tomorrow
Killers
Phantom Of The Opera
Transylvannia
---------------------------
Running Free
Iron Maiden

live 20140604 0201 diannoblazelive 20140604 0202 diannoblaze 

QUEENSRYCHE (Sweden Stage)
Nun durfte man gespannt sein, wie sich die neuformierte Prog Metallegende als Headliner präsentiert. In den letzten zwei Jahren war bei den Jungs aus Seattle ziemlich Feuer unterm Dach, und man verlor weiter vom einstigen Status. Ohne den schwierigen Frontmann Geoff Tate versucht man an die ganz frühen Tage anzuknüpfen und betont das, indem man direkt mit einem Track der Debüt-EP startete. Und hier präsentierte sich Todd La Torre direkt als Dreh - und Angelpunkt der Show, der alles im Griff hatte.
Die Befürchtung, der Mann konzentriere sich zu sehr darauf, die Songs möglichst originalgetreu rüber zu bringen, wurden im Nu zerstreut. Der neue Sänger war viel unterwegs ging bis zu den äußersten Bühnenrändern, animierte die Zuschauer immer wieder und strahlt eine ungemeine Präsenz aus. Stimmlich kam er sehr in die Nähe seines Vorgängers, wusste technisch voll zu überzeugen, wenn gleich Tate ein paar Nuancen mehr Ausdruck rein legen konnte. Doch das liegt auch in der Tatsache bedingt, dass er der Urheber der Titel ist.

Dem früheren CRIMSON GLORY-Mann war keinerlei Unsicherheit anzusehen, mit seinem schwarzen Mantel stolzierte er selbstbewusst auf der Bühne herum. Hier scheint sich wirklich jemand gefunden zu haben, der zu der Truppe passt. Kein Wunder, denn vor QUEENSRYCHE hatte er mit der Instrumentalisten schon ein Nebenprojekt am Start. Das zeigte schon damals, dass die übrigen Mitglieder gerne raus aus dem Korsett, auch die alten Stücke spielen wollten. Nun wirken sie unter La Torre tatsächlich wie befreit.
Als ob eine Last von ihnen gefallen wäre, agierten sie angestachelt vom Hunger ihres neuen Fronters wie gelöst. Michael Wilton schien wieder Spaß an seinem Spiel zu haben, war glänzend aufgelegt und bewegungsfreudig. Sein Partner Parker Lundgren und Bassist Jackson waren ebenfalls spielfreudig und steuerten tolle Backgroundgesänge bei. Dabei traten sie als eine Einheit auf, die klar erkennbar miteinander kommunizierte und sehr kompakt war. Angesichts dieser Leistung fragten sich nicht wenige, wer da noch einen Geoff Tate braucht.

Vor allem die frühen Fans kamen auf ihre Kosten, mit Ausnahme der drei Songs vom aktuellen Album, bedachte man nur die Phase bis "Empire". Vier Nummern von "The Warning", wann gab es das das letzte Mal? Da stand sogar "Operation: Mindcrime" etwas zurück, aber das kam ja in den letzten Jahren auch sehr häufig zum Einsatz. Bei der ganzen Problematik der letzten Jahre kann ich beide Parteien gut verstehen, sowohl Tate mit seinem Bestreben nach stetiger Weiterentwicklung als auch der Rest der Band, die dem Wunsch der Fans nachkommen wollte.
Seien wir ehrlich, oft wirkten die Ambitionen Tates etwas kopflastig, und neue Fans konnten sie damit nicht erreichen. Die Trennung war unvermeidlich und wurde vielleicht zu lange hinaus gezögert. Das sieht man daran, was für einen Sprung die Band nun gemacht hat, und auch, dass beide Lager ein Album veröffentlichten, welches stark zu den Anfängen zurück geht. Mit dem frischen Wind unter den Flügeln brannten QUEENSRYCHE ein Feuerwerk ab, welches von den Fans abgefeiert wurde. Wenn sie dieses Selbstvertrauen in die nächste Produktion mitnehmen, und dabei intuitiv nicht nur ihre Hochzeit kopieren, könnte ihnen das große Alterswerk gelingen, das noch aussteht. Schon jetzt der Gewinner des Festivals.

Setlist QUEENSRYCHE:
Nightrider
Breaking The Silence
Walk In The Shadows
The Whisper
En Force
Spore
Warning
Silent Lucidity
Where Dreams Go To Die
A World Without
The Needle Lies
NM 156
The Lady Wore Black
My Empty Room
Eyes Of The Stranger
Empire
------------------------------
Queen Of The Reich
Jet City Woman
Take Hold Of The Flame

live 20140604 0302 queensrychelive 20140604 0301 queensryche


RED DRAGON CARTEL (Rock Stage)
Was soll ein ehemaliger Gitarrist von OZZY OSBOURNE, der im Anschluss eine durchaus beachtliche Solokarriere hatte, machen, wenn er einen Tag eines großen Festivals eröffnet? Er haut am besten Mal einen absoluten Klassiker raus und hat so schon mal die Aufmerksamkeit des Publikums. Doch das muss man auch mit der nötigen Klasse rüberbringen und die wusste die neue Formation von Jake E. Lee zu zeigen. Über die Fertigkeiten des BADLANDS-Masterminds wurde bereits genug gesagt, nun ist er nach vielen Jahren wieder im Musikgeschäft aktiv. Verlernt hat er nichts, er haut seine Riffs gekonnt heraus zieht bei den groovigen Stücken selbst die tiefen Töne ganz lang und weiß bei ein paar ausgiebigen Soli mit bluesigen Einflüssen zu glänzen.

Doch er überlässt das Feld gerne seinen Mitstreitern, die ihre Sache mehr als ordentlich machen. Da wäre vor allem der höchst agile und selbstbewusste Sänger Darren James Smith, der die ganze Bühne zu nutzen weiß und auch viele Ausflüge auf den Laufsteg ins Publikum unternimmt. Neben dem klassischen Outfit mit sehr engen Hosen beherrscht er auch sonst die komplette Klaviatur der großen Frontmänner der Achtziger Jahre und zieht beim Posing sämtliche Register.
Doch auch stimmlich kann er mit seinen kraftvollen und hohen Vocals punkten und Titeln aus verschiedenen Phasen seinen Stempel aufdrücken. Dahinter sorgen Carlos Santana-Lookalike Ronnie Mancuso am Bass und Jonas Fairley mit seinem druckvollen Drumming für das rhythmische Fundament. Dazu kam der zusammen gewürfelt wirkende Haufen überraschend kompakt rüber, und beherrschte sowohl OZZY, - BADLANDS - und eigene Titel, welche live besser klingen als auf Platte.

Leider machte die Technik der Truppe einen Strich durch die Rechnung, gleich mehrmals versagte die Gitarre von Jake E. Lee. Beim ersten Mal nahm es das RED DRAGON CARTEL noch gelassen, um das Verständnis untereinander zu unterstreichen zählte Fairley beim Soli ein. Doch mit zunehmenden Problemen verschlechterte sich die Laune von Smith, während Lee sich immer wieder entschuldigte und den Technikern vor Ort die Schuld gab. Auch wenn das Publikum aufmunternden Applaus gab, so war der Fluss eines bis dahin intensiven Konzertes dahin. Schade, denn sie präsentierten sich überraschend stark, haben aber in der Form durchaus eine Zukunft.

Setlist RED DRAGON CARTEL:
The Ultimate Sin
Deceived
War Machine
High Wire
Shine On
Shout It Out
In A Dream
Rumblin´ Train
Sun Red Sun
Feeder
Bark At The Moon

live 20140605 0101 redrdagonlive 20140605 0102 redrdagon

PRETTY MAIDS (Festival Stage)
Die einstige Hoffnung machte sich zu Beginn das Leben selbst schwer, indem sie auf zu viel neues Material setzten. Das ist zwar nicht schlecht, aber kommt an die Kracher aus den Eighties nicht heran und war den meisten Anwesenden eher unbekannt. Von daher hielt sich die Stimmung in Grenzen, was allerdings kaum an der Performance gelegen haben dürfte. Allen Voran Bassist Rene Shades beackerte die Bühne unablässig und nutzte den langen Laufsteg zwischen die Publikumsreihen intensiv. Dabei warf er sich in alle erdenklichen Posen und suchte den Kontakt zu den vorderen Reihen. Dazu legte er gemeinsam mit dem energetischen Schlagwerker Allen Tschicaja einen dicken Rhythmusteppich unter die Melodien.

Diese brachte Ronnie Atkins allerdings auch schon mal besser rüber, seine raue Rockstimme hat über die Jahre doch sehr gelitten. Auch bei seinem langjährigen Partner Ken Hammer zog das Alter nicht spurlos vorüber, macht sich aber eher in reichlich Hüftgold bemerkbar, weswegen er nicht ganz so agil war wie seine Mitstreiter. Es ist dennoch bewundernswert wie die beiden trotz nachlassendem Interesse weiter unbeirrt ihren Weg verfolgen. Der Frontmann machte seine stimmliche Angeschlagenheit mit viel Engagement wett und versuchte immer wieder die Zuschauer zu animieren.
Das klappte dann auch beim Titelsong ihres Debüts plötzlich um einiges besser und zeigte wieder einmal deutlich auf, welch Hammerstücke die Herren damals schrieben. Kaum sind die ersten Töne angestimmt brandet der Jubel auf und wird lauthals mitgesungen. Wie sehr sich die Reaktionen unterscheiden, machen dann auch wieder ein paar neue Lieder deutlich. Aber die PRETTY MAIDS wollen auch nicht als reine Verwalter der eigenen Legende durchgehen, was immer hoch anzurechnen ist.

Gegen Ende gibt es dann Hits satt, vielleicht wäre ein wenig durchmischen cleverer gewesen, so mussten sich die Dänen den verdienten Jubel erst erarbeiten. Endlich ging die Party ab, denn diese Klassiker kennt jeder, auch wenn man vielleicht noch den ein oder anderen Track der ersten beiden Scheiben wie "Place In The Night" oder "We Came To Rock" hätte drauf packen können. Doch so sehr die Nummern nach fast dreißig Jahren immer noch funktionieren und jede Hütte rocken, ob die Truppe noch mal musikalische Relevanz erreicht, bleibt fraglich.

Setlist PRETTY MAIDS:
Mother Of All Lies
Nuclear Boomerang
The End Of All Innocence
Red, Hot And Heavy
My Soul To Take
I.N.V.U.
I See Ghosts
Please Don´t Leave Me
Yellow Rain
Rodeo
Little Drops Of Heaven
Back To Back
Future World

live 20140605 0201 prettymaidslive 20140605 0202 prettymaidslive 20140605 0203 prettymaids

CLOVEN HOOF (4 Sounds Stage)
Meine persönliche Gretchenfrage, PRETTY MAIDS oder CLOVEN HOOF löste ich zu Gunsten Letzterer. Während ich die hübschen Mädels aus Dänemark bereits zweimal erleben durfte, war es unbedingt an der Zeit eine der kultigsten NWOBHM-Bands zu erleben.
Auch wenn ein prinzipiell gutklassiger Auftritt geboten wurde, konnte die Truppe nicht auf ganzer Linie überzeugen. Dabei begann man mit der namensidentischen Bandhymne eigentlich sehr vielversprechend und generell bot die Setlist auch keinen Anlass zur Kritik.
Die kleinen Problemchen verursachte eher Sänger Joe Whelan, dessen Stage-Acting gemischte Gefühle hervorrief. Stimmlich ohne Makel, wirkte sein Agieren auf der Bühne manches Mal partiell gelangweilt, sei es nun der Gesichtsausdruck oder aber auch das Sitzen auf den Boxen bei einigen Songs. Zwar verhielt sich Mastermind Lee Payne ganz im Kontrast hierzu und poste, als ginge es um sein Leben, doch vermochte er es nur bedingt, Whelan auszugleichen.

Nichtsdestotrotz ließen es sich die Fans nicht verderben und – wie bereits erwähnt – hatte man in puncto Songauswahl ein glückliches Händchen. Jedes der fünf Alben wurde berücksichtigt, weshalb auch solche Göttergaben wie „Astral Rider", „Highlander", „Nova Battlestar" oder natürlich, zum Abschluss, „Laying Down The Law" dargeboten wurden. Mit „Hell Driver" und „Mutilator" wurden zudem zwei Stücke des neuen Rundlings „Resist or Serve" gespielt; für ein objektives Urteil darüber muss jedoch erst einmal das neue Album her, dass ja leider erst einen Tag nach dem Auftritt erschien. Eventuell hatte man auch nur einen durchwachsenen Tag und vielleicht das nächste Mal dann „Nightstalker" im Gepäck. (David)

ROBIN BECK (Sweden Stage)
Noch viel mehr auf ihre Vergangenheit reduziert werden, dürfte die anschließend auftretende Dame aus Florida. Mit dem "First Time", ursprünglich ein Werbejingle von Coca-Cola, landete sie 1988 einen absoluten Welthit, den sie nicht mehr annähernd erreichen konnte. Natürlich warteten viele nur auf diese Nummer, welche ich seinerzeit auch geliebt habe. Doch ROBIN BECK hat in ihrer Karriere noch ein paar mehr Alben aufgenommen wie damals "Trouble Or Nothing". Darauf ist aber ebenfalls nur der sehr seichte Melodic Rock zu finden, der wenig zupackt und auf Melodien setzt, wie der Opener "If You Were A Woman (And I Was A Man)".

Diese bringt die Lady auch wirklich hervorragend rüber, auch wenn sie mit den Temperaturen so ihre Probleme hatte. Noch erstaunlicher wie ihre stimmliche Sicherheit ist allerdings das Aussehen, wenn man bedenkt, dass sie in diesem Jahr noch sechzig wird. Denn die gute Robin ist wirklich noch recht lecker anzusehen, was hat man sich in seiner Jugend nach ihr verzehrt. Von der Performance her ist sie allerdings ein wenig steif, wie auch ihre Begleitmusiker. Das liegt in erster Linie daran, die die Titel wenig rocken, aber auch an einem wenig geschlossenen Bandgefüge. Versierte Kräfte wie Tommy Denander sind eben eher Studiocracks, bringen aber einen blitzsauberen Sound auf die Bühne.

Doch bei aller Klasse kann eine gewisse Sterilität nicht verleugnet werden, vieles wie "Save Up All Your Tears" wurde doch zu sehr auf Massenkompatibilität komponiert. So waren es eher die Songs ihrer letzten beiden Scheiben "The Great Escape" und "Underneath" wie "It All Depends", Catfight" oder "Wrecking Ball", die für die knackigeren Momente sorgten. Hier hat auch Bassist James Christian seine Hände im Spiel, nebenbei ihr Ehemann und Sänger von HOUSE OF LORDS. Seine Gattin gab sich charmant, versuchte immer wieder das Publikum zu amüsieren, was am besten gelang, als ihr jemand auf der Bühne eine Flasche Cola überreichte. Am Ende sorgte natürlich dieser Evergreen für die lautesten Bekundungen seitens des Publikums, bevor die KISS-Hymne "Hide Your Heart" für den Schlusspunkt sorgte.

live 20140605 0301 reobinbecklive 20140605 0302 reobinbeck

TESLA (Rock Stage)
Direkt nach dem Achtzigerstar fing es das einzige Mal während des Festivals ernsthaft an zu regnen, so dass ich mich ins Zelt zurück zog. Nach zwanzig Minuten war der Spuk aber vorüber, so dass ich gemütlich eine Essenspause einlegen konnte. War der Vortag noch von sehr schwachen Nieselschauern geprägt, war dies nun der letzte Niederschlag an dem Wochenende, so dass sich bei knapp unter zwanzig Grad idealstes Festivalwetter einstellte. Nach der Stärkung war es Zeit für eines meiner persönlichen Highlights, die Männer aus Sacramento waren in Jugendjahren Helden für mich. Allerdings sind sie der Hairmetalrichtung, in die sie fälschlicherweise gesteckt wurden, mittlerweile völlig entwachsen.
Wie man schon auf dem neuen Album textlich andeutet, will man weiter zurück zu den Wurzeln der Rockmusik, das steht TESLA erstaunlich gut. Schon immer als kompakte Liveband unterwegs, öffnen sie sich immer mehr in Richtung einer Jam-Band, die gerne mal über die Riffs in ihren Songs improvisiert. In den raueren Bühnenversionen ihrer alten Hits kommen auch die Einflüsse aus Country, Folk und vor allem Blues zum Vorschein, was sie zu den wahren Nachlassverwaltern des klassischen US-Rock wie LYNYRD SKYNYRD macht. Dabei benutzten sie edles Instrumentarium wie einen akustischen Gibson-Bass, die Jungs haben nicht nur die Unplugged-Welle losgetreten, sie waren schon retro, bevor diese Welle ins Rollen kam.

Die Fünf brachten diesen Sound authentisch rüber, weil sie als absolutes Kollektiv auftraten. Dieses blinde Verständnis erlaubte ihnen auch die Spontaneität, welche in vielen Arrangements rüber kam. Vor allem Frank Hannon duellierte sich immer gerne mit seinem Sänger Jeff Keith, wenn die beiden vorne auf dem Steg auftauchten. Der Frontmann passte auch optisch zu der Richtung, welche die Band einschlägt, wirkte er doch wie der ewige Hippie. Sein heiseres Organ ist nach wie vor eines der Markenzeichen der Band. Der zweite Gitarrist Dave Rude war mehr für die rockstarmäßigeren Solo zuständig, harmonierte an den sechs Saiten perfekt mit Hannon und bei den Backgroundgesängen mit Bassist Brian Wheat.
So war von Anfang an Stimmung in der Bude, weil die glänzend aufgelegte Band mitriss, und auch die Toptracks früh kamen. Bis auf wenige Ausnahmen, wie einen Track vom unterbewerteten 94er-Album "Bust A Nut" verfügt man ohnehin über ein Arsenal an Hits, welche in den 90 Minuten auch zahlreich gezockt wurden. Oft pendelte Hannon zwischen akustischer und elektrischer Klampfe, wenn die ruhigeren oder dynamischeren Lieder die Zuschauer zum Mitsingen einluden, oder selbst gestandenen Männern Tränen in die Augen trieben. Das Ende der Show wurde dann völlig zum Triumph, als man ein Quartett ihres legendären Debüts "Mechanical Resonance" raushaute. Das Sweden Rock ging völlig steil, der Verfasser dieser Zeilen fühlte sich wie siebzehn, während die Party tobte.

Setlist TESLA:
I Wanna Live
Hang Tough
Heaven´s Trail (No Way Out)
Mama´s Fool
Into The Now
MP3
The Way It Is
What You Give
Signs
Love Song
Gettin´ Better
Modern Day Cowboy
Little Suzie
Cumin´ Atcha Live

live 20140605 0501 teslalive 20140605 0502 teslalive 20140605 0503 tesla

ALTER BRIDGE (Festival Stage)
Nach sehr rootsorientiertem Rock kam nun die stilistisch wohl modernste Band des Billings, die Alternativerocker sind längst aus dem Schatten von CREED heraus getreten und sind bereit für die großen Bühnen. Obwohl so richtig konnten sie die Hauptbühne an dem Abend nicht rocken, da habe ich schon durchschlagskräftigere Acts gesehen. Das lag vor allem daran, dass das Quartett nicht unbedingt als Mannschaft auftrat, sondern eher als Einzelkämpfer glänzte. Davon haben sie sicherlich zwei sehr starke Charaktere in ihren Reihen, doch aufgrund der gemeinsamen Erfahrung hätte da mehr kommen müssen. Da wäre zum einen Saitenhexer Mark Tremonti, der auch aufgrund seiner guten Soloalben zu den aktuell bedeutendsten seiner Zunft zählt. Das zeigt er auch immer mal gerne, während er ganz vorne an der Rampe auftaucht.

Dort ist Myles Kennedy sehr häufig zu finden, obwohl er als Frontmann nicht gerade die große Souveränität ausstrahlt. Vielleicht ist er hier zu sehr mit seinem Gitarrenspiel beschäftigt, und kann sich nicht auf seine Kernkompetenz konzentrieren. Dennoch bilden beide den Blickfang und sorgen auch für den Publikumskontakt, hinter zwei so Persönlichkeiten steht natürlich ein Brian Marshall am Langeisen völlig im Hintergrund. Die meiste Zeit verharrte er unter seiner Kappe versteckt vorm Kit seines Kollegen Scott Phillips, nur selten fand er zu den beiden Frontleuten.

Musikalisch war alles sehr gut, hier merkt man die vielen gemeinsamen Konzerte, die Truppe war sehr gut eingespielt. Am meisten können sie punkten, wenn sich ihre dick groovenden Songs wie in "Cry Of Achiles" oder "Ties That Bind" zu stadiontauglichen Refrains öffnen. Hier kommt auch einiges aus dem Publikum, der von einem Kumpel so kritisierte Mitsingfaktor der Schweden war dann sehr hoch. Es wurden alle Alben bedacht, wobei der Focus klar auf dem neuen Album "Fortress" und dem Zweitwerk "Blackbird", bei dessen Tracks auch mal Tremonti zum Mikro griff, lag. So ergriff ihr Beitrag doch dem Raum vor der Bühne, aber in Sachen Geschlossenheit konnten sie sich von anderen ein paar Scheiben abschneiden.

live 20140605 0401 alterbridgelive 20140605 0402 alterbridge

URIAH HEEP (Sweden Stage)
Etwa von dem britischen Urgestein, welches direkt im Anschluss die Bretter enterte. Immer wieder unglaublich, wie frisch die Truppe um Mick Box ihr Set präsentiert, und wie sie die leider unvermeidlichen Besetzungswechsel verkraften. Nach nur einem Jahr ist Dave Rimer bereits gut in der Band angekommen, sucht auf der Bühne vor allem seinen Rhythmuspartner Russell Gilbrook. Der thront auf dem Riser hinter einem imposanten Kit mit durchsichtigen Toms. Von dessen Energie lässt sich der neue Mann anstecken, er gibt an seinem Entwistle Signature Bass Gas, während sein Vorgänger seine lässige Souveränität ausspielte.
Daneben übernimmt natürlich die Achse Box/Shaw die Führungsrolle, das einzige verbleibende Gründungsmitglied haut wie immer, unterlegt von seiner eigenwilligen Gestik, seine Riffkaskaden heraus. Was muss eigentlich passieren, damit der mittlerweile völlig Ergraute seine gute Laune verliert, er hat immer den Spaß in den Backen. Sein Sänger ist dabei viel unterwegs und schenkt selbst den Fans ganz außen seine Aufmerksamkeit. Stimmlich ist er ebenso in blendender Verfassung, wird dazu bei den Chören von seinen Hinterleuten unterstützt. Mit seiner sympathischen Art gewinnt er jede Menge im Nu, und wird auch von der mit viel Unterstützung belohnt.

So überraschte es noch nicht mal, dass die gerade mal bei ein paar Onlineportalen zu hörende neue Single, des erst ein paar Tage später erscheinenden "Outsider" schon beim zweiten Refrain lauthals mitgesungen wurde. Daneben wurde noch eine weitere Nummer des neuen Albums zum Besten gegeben. Der Rest des Programms stellt sich eigentlich von selbst auf, was natürlich für diejenigen, welche URIAH HEEP schon öfter sahen nicht spannend ist. Aber welchen Song will man denn ernsthaft weglassen? Zumindest bei den neueren Stücken könnten die Fünf mal ein wenig rotieren, hier greift man immer wieder gerne auf Standards zurück, zumal das geniale letzte Werk "Into The Wild" komplett außen vor blieb.

Doch mit solch legendärem Stoff kann die Band nichts falsch machen, weswegen die Schweden sie klar abfeierten. Vor allem wenn er mit so viel Spielfreude und Engagement vorgetragen wurde, wie an dem Abend. URIAH HEEP scheinen im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht zu altern, und so lebt die am Ende gebrachte Singalonghymne schlechthin immer weiter. Das Publikum wollte danach mehr und bekam es auch, wobei sich vor allem die holde Weiblichkeit freuen durfte. Denn zur ersten Zugabe baten die Herren einige davon auf die Bühne um sie mit einer headbangenden Reihe zu unterstützen. Die erschienen auch sehr zahlreich und konnten ihr Glück zum Teil kaum fassen. Backliner Brian West hatte alle Mühe, die Damen wieder einzufangen. Eine weitere schnelle Nummer zum Finale zeigte dann nochmals, was in dieser Truppe steckt.

Setlist URIAH HEEP:
Against The Odds
Overload
Sunrise
Stealin´
Between Two Worlds
Can´t Take That Away
One Minute
Gypsy
Look At Yourself
July Morning
Lady In Black
---------------------------
Free´n´ Easy
Easy Livin´

live 20140605 0601 uriahheeplive 20140605 0602 uriahheep

ALICE COOPER (Festival Stage)
Was man über den voran gegangenen Gig sagen kann, trifft auch auf den Auftritt des Meisters des Schockrocks zu. Wie alter Wein wird auch "The Coop" immer besser, und befindet sich derzeit in seinem was weiß ich wievielten Frühling. Allerdings setzte er weniger auf erdiges Handwerk, sondern wie gewohnt auf die ganz große Show, die er auf der Hauptbühne auch voll auffahren konnte. In seiner langen Karriere hat der Mann so viele Kracher veröffentlicht, dass es unmöglich ist diese alle an einem Abend auf die Bühne zu bringen, was den Vorteil hat, dass es zu Beginn direkt in die Vollen ging. Achtzigerkindern dürfte es gefallen haben, dass seine Hairmetalphase dieses Mal stark in der Setlist berücksichtigt wurde, schon der zweite Song entstammt es dem Erfolgsalbum "Trash".

Dabei wird er von einer unglaublichen Backingband unterstützt, die perfekt eingespielt ist, hier saß einfach alles, auch die Showelemente. Da stolzierte jeder der drei Gitarristen am Meister in der Bühnenmitte vorbei, zockte einen Teil des Solos, welches sie sich brüderlich teilten, und selbst bei solchen Einlagen supertight waren. Ob das Material jetzt unbedingt nach drei Äxten verlangt, sei mal dahin gestellt, aber Mr. Furnier kann es, warum sollte er es nicht tun? Gerade die griechischstämmige Orianthi ist ein echter Blickfang und kommt obercool rüber. Leider verließ sie ein paar Tage später die Truppe, weil sie sich mehr auf ihre Solokarriere konzentrieren wolle. Ich kann schon mal verraten, dass für optisch adäquaten Ersatz gesorgt wurde.
Optisch wussten auf der linken Bühnenseite vor allem Ryan Roxie und der superlässige Chuck Garric am Langholz zu gefallen, die ein komplettes Arsenal an Posen durchexerzierten und auch outfittechnisch verschärft rüber kamen. Selbst die Choreographie der Musiker war komplett durchgestylt, ohne allerdings zu vorhersehbar zu sein. Da reihte sich die ganze Meute gerne mal in der Bühnenmitte auf, oder folgte ihrem legendären Fronter auf dem Steg ins Publikum. Hier war ALICE COOPER öfter zu finden, entweder um seinen Fans näher zu sein, oder um diese zu beschenken. Da flogen als Gimmicks seine Gehstöcke, Handschuhe, Halsketten, Dollarnoten und ähnliche Artikel in die Menge. Lediglich der Degen und der Zylinder behielt er für sich.

Tja, auf der Bühne geht es gerechter zu als im Leben, während Bänker für ihre Verschwendungssucht noch belohnt werden, ereilte den guten Alice gleich mehrere Male das Schicksal, durch die eisige Hand des Todes die Bühne zu verlassen. Ob von einer großen Spritze einer durchgeknallten Krankenschwester oder natürlich der Guillotine, der Herr schied mehrmals dahin. Doch wie ich eingangs ankündigte, ist er nicht klein zu kriegen und stand kurz darauf schon wieder leibhaftig vor uns. Da wir unsere Toten lieben und ehren, zog man im Backdrop nacheinander die Grabsteine von Jim Morrison, John Lennon, Jimi Hendrix und Keith Moon hoch, und zockte je eine Coverversion zu ihrem Gedenken. Das kam genial, bei solchen Auftritten geht einfach alles, erlaubt ist, was unterhält und Entertainment war hier schon immer groß geschrieben. Am Ende wurde alles aufgefahren, was ging, die Bühne füllte sich mit tausenden Seifenblasen, von dach regnete es Funken und über das Publikum Lametta, wenn doch Hollywood mal wieder so tolle Produktionen am Start hätte.

Setlist ALICE COOPER:
Hello Hooray
House Of Fire
No More Mr. Nice Guy
Under My Wheels
I´ll Bite Your Face Off
Billion Dollar Babies
Caffeine
Department Of Youth
Hey Stoopid
Dirty Diamonds
 -Jam - und Solosession-
Welcome To My Nightmare
Go To Hell
He´s Back (THe Man Behind The Mask)
Feed My Frankenstein
The Ballad Of Dwight Fry
I Love The Dead
Break On Through
Revolution
Foxy Lady
My Generation
I´m Eighteen
Poison
-----------------------------------------------
School´s Out

live 20140605 0702 alicecooperlive 20140605 0701 alicecooper


TALISMAN (Rock Stage)
Die Hardrocker hatten sich bereits 2007 aufgelöst. Als zwei Jahre später dann auch noch Bassist und Bandchef Marcel Jacob starb, schwand die Hoffnung, dass man die Truppe jemals wieder sehen könnte. Umso überraschender, dass die Veranstalter im Dezember plötzlich den Auftritt der Combo bestätigte, beworben als Tribut für den dahingeschiedenen Jacob.
Bereits bei der Veröffentlichung der Running Order gab es Unmut ob der Spielzeit: eine Stunde für diesen speziellen und einzigen Gig schien zahlreichen Fans viel zu gering. Dies änderte jedoch nichts daran, dass sich viele Besucher sehr auf die Band freuten und so war schon eine halbe Stunde vor Beginn eine nicht unerhebliche Menge vor der Rock Stage zu sehen.

Nur kurze Zeit, nachdem die schwedische Nationalhymne – Nationalfeiertag – verklungen war, betraten die drei Originalmitglieder plus zwei neue die Bretter. Gleich zu Anfang legte die Gruppe mit „Break Your Chains" los, wodurch das Publikum unmittelbar zu feiern begann. Ohne große Worte, ging man in „Colour My XTC", „Fabricated War" und natürlich „Mysterious (This Time It's Serious)" über, ihres Zeichens ebenfalls absolute Hammernummern. Spielerisch topp, gesanglich noch besser, aber mit einer Rampensau wie Jeff Scott Soto kann ein Konzert auch einfach nicht schlecht werden.
Demzufolge hatte der sympathische, anscheinend niemals alternde Puerto Ricaner keine Mühe die Meute einen Geburtstagsgruß an seinen Sohn richten zu lassen, der am nächsten Tag Geburtstag hatte. Ferner wurden die Coverversionen von „Frozen" und „Crazy" (Madonna, bzw. Seal) so frenetisch mitgesungen, als seien es lupenreine Hardrock-Songs und auf Grund des Arrangements auch wirklich so klingen. Mit „I'll Be Waiting" folgte der Song, auf denen alle gewartet hatten und weil die Stimmung gerade so toll war, gab es am Schluss dann noch „Standin' On Fire", ebenfalls vom selbstbetitelten Debüt. Marcel Jacob könnte wahrlich stolz sein!!! (David)

ELECTRIC BANANA BAND (Festival Stage)
Bei Gesprächen mit Einheimischen legte mir jeder diese Formation ans Herz, ich solle mir die unbedingt anschauen. Etwas anfangen konnte ich damit nichts, laut Info Ende der Siebziger aus einer Fernsehsendung heraus entstanden. Da ich den Morgen erst einmal für ein ausgedehntes Bad im Meer nutzte, spielte die Truppe schon lange, so dass ich nur noch kurz vorbei schauen konnte – doch das reichte, um mir einen Eindruck zu verschaffen.
Da oben standen drei betagtere Herren in Bananenkostümen, die fortwährend dieses Obst verspeisten und dabei eine softe Mischung aus Funk, Rock und Disco spielten. Begleitet wurden sie von einem Kinderchor, der in Pink gekleidet war und ein paar ihrem Alter entsprechende Choreographien durchtanzte. Die schnappende Handbewegung vorm Gesicht nach rechts und links steht hierzulande für „total Banane", beim Blick auf das Geschehen trifft sie voll ins Schwarze. Man muss schon ein Freund skandinavischen Humors sein, um das zu verstehen.

Für Schweden scheint das allerdings die pure Laune zu sein, denn beim Gang durch die Reihen hinüber zur Rock Stage, standen fast alle da und ahmten die Bewegungen des „Ballets" nach. Anscheinend kennt das hier oben jeder aus seiner Kindheit, so wie wir Heidi, Biene Maja und tschechische Märchen. Das passte natürlich zur lockeren Partyatmosphäre perfekt, skurril, abgefahren, kauzig, sollte man gesehen haben.

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JOE BONAMASSA (Rock Stage)
Warum der aktuell führende Bluesgitarrist schon um zwei Uhr nachmittags ran musste, verstehe ich nicht so ganz, anscheinend hat er in Skandinavien noch keinen so hohen Status wie etwa hierzulande. Das lässt auch die eher bescheidene Zuschauerzahl vermuten, welche sich vor der Rock Stage einfand. Wer den Herr aber einmal auf der Bühne erlebt hat, wird wissen, dass hier viele etwas verpasst haben. Schon als er die ersten Töne sang, bevor er instrumental einstieg, lag ein Hauch Magie in der Luft. Dabei war es mutig mit einem Stück vom kommenden Longplayer "Different Shades Of Blue" zu eröffnen, ein weiterer folgte später auch noch.
Die Songauswahl war wie immer exquisit, weil der Mann mittlerweile ein riesiges Repertoire vorzuweisen hat. Eigentlich könnte er ein volles Konzert nur aus eigenen Liedern bestreiten, doch er baut immer wieder großartige Nummern ein, wie die grandiose GARY MOORE-Hommage. Die brachte er so beseelt rüber, dass man glaubte, den guten Iren im Himmel anerkennend nickend zu vernehmen. Garniert wurde die Setlist noch von einem Song seiner früheren Zweitband BLACK COUNTRY COMMUNION.

Doch bei JOE BONAMASSA ist es völlig egal, was er spielt, es zählt nur wie er es spielt. Und das war wieder so unfassbar brillant, sein Ton ist so voll und weich, mit einer unglaublichen Klarheit, und diesem Gefühl. Wie schon angedeutet hat er sich auch gesanglich noch verbessert, die langjährige Arbeit mit Topproducer Kevin Shirley machte sich auch auf der Bühne bezahlt. Er lebte jeden Ton mit, war eins mit seiner Gitarre, legte eine unfassbare Inbrunst in seinen Beitrag. Bei allem Gefühl gelang es ihm sogar, ein paar richtig aggressive Töne anzuschlagen, die aber die Dynamik noch mehr unterstrichen. Als er dann bei der Ballade, aus der Feder von Tim Curry und dem viel zu früh verstorbenen Michael Kamen zum Solo ansetzte, schien seine Les Paul förmlich zu singen, so wunderschön, dass man die Tränen nur schwer zurück halten konnte.

Aber was ist ein Musiker ohne seine Leute im Hintergrund, und die sind aus ähnlichem Holz geschnitzt wie der Meister. Derek Sherinian, sein Partner an den Tasten, den er bei eben jener Formation mit Glenn Hughes kennen lernte, fuhr das komplette Programm auf, ob Orgel, Synthies oder Piano, er fand immer den richtigen Ton, um seinen Frontmann zu unterstützen. Tal Bergmann hat einen ordentlichen Punch im Arm, treibt so die Stücke rockig voran. Dennoch weiß er seine Kraft immer dosiert einzusetzen und an den Kesseln den richtigen Ton zu finden. Etwas, dass an dem Tag nicht jedem gelingen sollte.
Ihm zur Seite stand mit Lenny Castro an den Percussions ein Rhythmusspieler, dessen lateinamerikanisches Temperament die Spielfreude völlig auf die Spitze trieb. Und Carmine Rojas drückt die dicken Saiten ohnehin sowas von beseelt, dass die Melodien darauf zerschmelzen. Zusammen erzeugten sie einen so dichten Sound, der einem eine Erpelpelle nach der anderen auf die zwei Quadratmeter zauberte. Der einzige Wehmutstropfen dieser Traumvorstellung, war dass die vollen 90 Minuten Spielzeit nicht genutzt wurden, aber in einer Minute gab es mehr Emotionen wie bei manch anderem Konzert. Jetzt wo sich ERIC CLAPTON in den Stand der alten Socke zurück gezogen hat, dürfte es nicht mehr lange dauern bis JOE BONAMASSA auf dem Thron des Gottes bequem macht. Nicht verwunderlich, dass eine andere Nachwuchshoffnung, Dorian Sorriaux von den BLUES PILLS, am Bühnenrand nur Beifall klatschten konnte.

Setlist JOE BONAMASSA:
Oh Beautiful
Story Of A Quarryman
Midnight Blues
Who´s Been Talking?
Slow Train
Song Of Yesterday
Love Ain´t A Love Song
Sloe Gin
The Ballad Of John Henry

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ANNIHILATOR (Sweden Stage)
Einen Elchdöner und einen Bummel über den großen Markt später gab es das komplette Kontrastprogramm, von langsam, ruhig und gefühlvoll zu hart, schnell und sehr technisch. Vorhang auf für Kanadas Thrasher Nummer eins! Die taten sich zu Beginn etwas schwer mit einem recht langen Titel aus dem neuen Studiowerk. Dennoch sah man schon die ersten Mähnen, die geschüttelt wurden, aber die ganz große Euphorie kam nicht auf. Natürlich will man erst einmal die neue Scheibe vorstellen, doch die zwei anderen Songs wären dazu besser geeignet gewesen, vor allem der pfeilschnelle Opener des Albums. Ein Klassiker an zweiter Stelle positioniert, hebt da die Stimmung und nach neuen Stücken setzte es ein reines Old Schoolprogramm. Sämtliche Lieder, die an dem Tag gezockt wurden, stammen von den ersten fünf Alben, alleine zehn von den ersten drei.

Bandchef Jeff Waters rannte wie wild auf den Brettern herum, hatte viel Spaß an seinem Spiel, schnitt immer wieder Grimassen und feuerte das Publikum unentwegt an. So wild wie sein Auftreten war auch sein äußeres, aktuell ist mal wieder Iro angesagt. Sein Partner In Crime Dave Padden sah mit seinem Fusselbart nicht minder verwegen aus, wirkte aber auch ein Stück weit so alt, wie ihn der Gesichtsbewuchs machte. Ein wenig gelangweilt stand er auf der rechten Bühnenseite und ließ die Kraft in seiner Stimme etwas vermissen. Da habe ich ihn schon deutlich aggressiver gesehen, wenn auch sein Gitarrenspiel sehr gut war und zeigte, wie gut er mit Waters mittlerweile harmoniert, so übernahm dieser auch einige der Vocals. Doch immerhin hat es Padden geschafft, weit länger in der Band zu sein als jeder seiner Vorgänger. Nur Bassist Alberto Campuzano fand bei diesem Duo wenig Zugang zu dem Geschehen.

Die Anhänger störte das kaum, sie feierten ihre alten Kultnummern ab, die sauber, super präzise und laut in die Menge geballert wurden. Die Hits des legendären Debüts wurden bereits in der Mitte des Sets verbraten, was die Stimmung aber hinten hinaus keineswegs sinken ließ. Viel mehr gaben sie erst den richtigen Kick, ab dort formierte sich bis zum Ende ein kleiner Pit, in dem die Die Hard-Fraktion ihren Spaß hatte. Vor allem der Livesound gab noch einmal einen Schub, weil bei ANNIHILATOR auf Konserve vieles etwas steril klingt. So fegte eineinhalb Stunden Kracher über Kracher über die Köpfe hinweg, die allesamt schön im Takt rotierten. Eine mehr als feine Abreibung zwischendurch!

Setlist ANNIHILATOR:
Smear Campaign
King Of The Kill
No Way Out
Deadlock
Set The World On Fire
Reduced To Ash
Alice In Hell
W.T.Y.D.
Ultraparanoia
Road To Ruin
No Zone
Phantasmagoria
Brain Dance
I Am In Command
Fiasco
Human Insecticide

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TNT (Rock Stage)
Als im vergangenen Jahr vollkommen unerwartet TNT bestätigt wurden glich dies schon einem kleinen Paukenschlag. Nicht etwa, weil die Band aus dem Nachbarland Norwegen dafür bekannt wäre, eher selten aufzutreten, sondern weil Originalsänger Tony Harnell quasi klammheimlich wieder zu seinem Posten zurückgekehrt war.
Nach acht Jahren ohne ihn und exakt einer Dekade, nachdem die Truppe zuletzt den Sölvesborger Boden beackerte, sollte dieses Mal ein erneuter Auftritt erfolgen. Doch damit nicht genug, zusätzlich kündigte die Band an das Hauptaugenmerk auf die 1989 erschienene Platte „Intuition" zu legen, die 2014 ihren 25. Geburtstag feiert.

Erst einmal bekamen die zahlreich erschienenen Fans zwei Songs der letzten Scheibe mit Harnell („My Religion" 2004) präsentiert, die den Test of Time wirklich bestanden zu haben scheinen. Nach „As Far As The Eye Can See" von der, nicht minder guten „Tell No Tales"-Veröffentlichung und dem Titelsong des 2004er Comebacks, setzte TNT ihr Versprechen in die Tat um und spielte – wenn auch nicht am Stück oder gar in chronologischer Reihenfolge – fünf Stücke der „Intuition"-Scheibe.
Die Combo war guter Dinge, allen voran Showmann Tony, der nicht wenige der Anwesenden einen neidvollen Blick ins Gesicht zauberte, durch seine Bemerkung sich BLACK SABBATH später Backstage anzuschauen. Dennoch wurde ihm dieses VIP-Privileg selbstverständlich schnell verziehen und man feierte die Gruppe bis zum Ende, an dessen Ende – natürlich – „10000 Lovers" stand. (David)

KAMELOT (Festival Stage)
Viele stellten sich im Vorfeld die Frage, ob die Power Metalformation die große Hauptbühne ausfüllen können, denn einige Acts wären im Billing prädestinierter dafür gewesen. Doch ihr großer Bombast verlangt auch nach großer Show mit theatralischen Momenten. Zu Beginn erwies sich auf einem Podest links des Drumrisers eine in weiß gekleidete Dame hinter einer Maske als Blickfang. Diese sollte sich später als Alyssa White-Gluz heraus stellen, die seit neuestem bei ARCH ENEMY das Mikro schwingt. Mit ihrem sehr gewagten Kleid sah sie allerdings hier deutlich verschärfter aus.
Ebenfalls viel Action kam vom Bassist Sean Tibbets, der ständig umher rannte, oder besser gesagt sprang. Mastermind Thomas Youngblood war eher der ruhende Pol und gab mit seinen Riffs und Soli den Ton an. Die Show überließ er seinen Mitstreitern oder auch den Pyros und anderen Effekten, welche die Wucht seiner Kompositionen unterstrichen. Absoluter Mittelpunkt war allerdings Sänger Tommy Karevik, der seinen Landsmann Roy S. Khan gut ersetzen kann. Zudem sammelte der Norweger Sympathiepunkte, als er am Nationalfeiertag noch einmal die schwedische Hymne intonierte. Stimmlich war der Junge bestens aufgelegt und verfügte über eine tolle Präsenz, welche der Erhabenheit der Melodien angemessen war.

Doch die zündeten zu Beginn noch nicht so richtig, was aber eher daran lag, dass die Songs vom „The Ghost Opera"-Dreher stammten, der seinerzeit enttäuschend ausfiel. Da konnten die Titel der aktuellen Langrille „Silverthorn" doch schon wesentlich mehr. So richtig platzte der Knoten dann mit dem Hit von „Epica". Zwischendurch war Fräulein White-Gluz von der Bühne entschwebt, und auf der anderen Bühnenseite tauchte die in schwarz, und nicht weniger aufreizend gekleidete Elize Ryd auf.
Die war für die eher klassisch angehauchten Vocals zuständig, während die Dame mit den bunt gefärbten Haaren die hohen Töne übernahm – und die ganz tiefen, die ab und an eingebaut wurden. Neben der Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme überzeugte die gute Alyssa auch mit ihrer Agilität, was sie am nächsten Tag noch steigern sollte. Beide kamen immer wieder auf die Bühne begleiteten Karevik oft nach vorne auf die Rampe, um sich dort, von theatralischen Gesten untermalte, Gesangsduelle zu liefern.

Das kam beim Publikum gut an, sorgte immer wieder für Szenenapplaus, und bei den Herren der Schöpfung für Testosteronausschüttung. Als dann die Kracher der „The Black Halo"-Phase angestimmt wurden, hatten KAMELOT endgültig gewonnen, und am Ende des regulären Sets sorgte ein Doppelschlag von „Karma" für die lautesten Reaktionen. Hier forderte der Frontmann das Publikum zur Unterstützung auf, und er bekam seinen Chor. Nach achtzig Minuten verlangte das Sweden Rock auch etwas, und es sollte seine Zugabe bekommen.

Setlist KAMELOT:
Rule The World
Ghost Opera
The Great Pandemonium
Veritas
Center Of The Universe
Torn
When The Lights Are Down
Sacrimony (Angel Of Afterlife)
The Human Stain
Confession
Forever
Karma
-----------------------------------
March Of Mephisto

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W.A.S.P. (Rock Stage)
Hairmetal und das Sweden Rock, das ist eine Traumehe wie Bär und Honig. Bis heute führend in der Glam Metalbewegung der Achtziger Jahre sind die Mannen aus L.A. um Mainman Blackie Lawless, weswegen sie natürlich begeistert empfangen wurden. Mit dem obligatorischen Doppel von ihrem Debüt konnten sie natürlich nichts falsch machen, so ging die Menge direkt steil. Nicht etwa einer der Headliner sorgte für die meisten Wallungen bei dem Festival, für das größte Körpergulasch, nein, bei W.A.S.P. war der Ausnahmezustand am höchsten.

Eigentlich ist die komplette Setlist obligatorisch, denn viel ändern die Vier nicht. Hier und da mal ein Song vom letzten Album, welches auch schon wieder ein paar Jahre her ist, ansonsten gleicht sich die Songauswahl wie ein Ei dem anderen. Aber es funktioniert, weil die Fans eben genau das erwarten, die Standards sind quasi unsterblich und werden dann auch lauthals mitgesungen. Beim Sweden Rock war zwar eine spezielle „Chainsaw"-Show angekündigt, doch viel mehr als sonst wurde nicht von „The Crimson Idol" gespielt, eher die ruhigen Parts davon. Das war den Fans völlig egal, denn sobald der zentrale Track des 92er Albums ertönte, rasteten sie völlig aus.
Dabei eiferten sie es nur ihren Idolen nach, die wie die Berserker die Bühne bearbeiteten. Lawless, sein Axtpartner Doug Blair und Bassist Mike Duda rannten auf und ab, bangten sich die Seele aus dem Leib und warfen sich in reißerische Posen. W.A.S.P. geben immer Vollgas auf der Bühne, da ist es zu verzeihen, dass die meisten Gigs nach 85 Minuten vorbei sind, auch heute wäre noch einer mehr gegangen. Band und Anhänger sind nun eins, gebärdeten sich wie wilde Tiere, auch ohne „Fuck Like A Beast". Selbst ein softerer Titel brachte da keine Abkühlung mehr, wobei ich zu gerne einmal „Forever Free" komplett ausgespielt hätte, und nicht nur als Reprise nach einer anderen Ballade.

An dem Tag fuhren die Helden das volle Programm, vor dem Backdrop hingen zwei große Leinwände, auf denen die Videos der Eighties gezeigt wurden. Unfassbar kultig, mit welcher, nun ja, Ästhetik die alten Gassenhauer damals in Szene gesetzt wurden. Da hagelt es schräge Klamotten und heiße Bräute, möglichst wenig bekleidet, versteht sich. Beim Drumsolo von Mike Dupke gibt es Mitschnitte von spektakulären Motorsportcrashs zu sehen. Die Autos rasselten ineinander, während die Sticks auf die Becken krachten – jawohl, passt! Das mögen einige zu primitiv finden, aber hey, das ist Rock´n´Roll, schweißtreibende, maskuline Musik. Damit brachte man inmitten vieler guter Showcases den Spaßfaktor ans obere Limit.

Setlist W.A.S.P.:
On Your Knees
The Torture Never Stops
The Real Me
L.O.V.E. Machine
Hate To Love Me
Wild Child
Sleeping In The Fire/Forever Free
I Wanna Be Somebody
-------------------------------------------
The Idol
The Gypsy
-Drumsolo-
Chainsaw Charlie
Heaven Hung In Black
Blind In Texas

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BLACK SABBATH (Festival Stage)
Nun war die Zeit gekommen für den ganz großen Headliner, für eine der einflussreichsten Bands aller Zeiten. Niemand geringeres als die Urväter des Metal sollten die Bühne entern, und das fast in Originalbesetzung. Etwas früher als die gewöhnlichen Topacts des Tages, betraten die Vier eine eher spärliche Bühne. Nur die Instrumente, die Backline und eine große Leinwand, welche zumeist die Musiker in Großaufnahme zeigte gab es zu sehen. Das Spartanische war gewollt, die Musik sollte im Vordergrund stehen. Die Sirenen schnitten sich durch die vage Beleuchtung, jeder wusste, was da kommen sollte.
Als Riffmeister Tony Iommi dann auftauchte und diese unglaublich schnelle Akkorde durch die Boxen jagte, brandete der Jubel auf. Schon der Opener riss die Zuschauer mit und transportierte sie durch alle Dynamikstadien, welche die Band zu bieten hat. Fast schien das Publikum schon ehrfürchtig erstarrt. Iommi brillierte mit diesem klaren und mörderischen Ton, der das ganze Gelände füllte. Seine Riffs sind in Stein gemeißelt, monolithisch, packend, seine Soli messerscharf und dennoch voller Leichtigkeit im Spiel.

Hier machte sich der riesige Bildschirm bezahlt, denn selbst in den hinteren Reihen konnte man ihm genau bei der Arbeit zusehen, wohl ein Grund mehr, noch ehrfürchtiger zu werden. Sehr geschickt wusste die Regie mit den Bildern zu arbeiten, blendete auch mal über einander oder baute ein paar psychedelische Spielereien ein. Neben dem Gitarristen sorgte Geezer Butler an den vier Saiten für das Fundament, seine tonnenschweren Basslinien harmonieren perfekt mit Iommis Riffstrukturen und treiben die Songs wuchtig voran.
Und dann kam Ozzy, möchte man „The Dirt" zitieren. Mit seinem gewohnten Watschelgang schlurfte er über die Bühne, der Madman war in seinem Element, bestens gelaunt und auch ebenso bei Stimme. Er traf selbst die hohen Töne, wenn es ihm auch sichtlich nicht leicht fiel, und transportierte immer eine gewisse Portion Wahnsinn in die Melodien. Der Schalk sitzt ihm immer noch im Nacken, wenngleich er keinen Schabernack treiben durfte wie bei seinen Soloshows. Aber gottlob wurde das kabellose Mikro erfunden, so konnte er auch noch hinter der Bühne das Publikum anfeuern.

Das ergab sich dem Programm aus den größten Hits, ein paar Überraschungen und zwei Nummern vom letztjährigen "13". Alles hätte so schön sein können, hätten sie sich nur für den richtigen Drummer entschieden. Müßig drüber zu diskutieren, ob es mit Bill Ward funktioniert hätte, aber Tommy Clufetos passt mit seinem Stil nicht rein. Er ließ zu sehr die Muskeln spielen, fand nicht den richtigen Ton und zerballerte so ziemlich jedes jazzige Break, die den Songs erst die Würze geben. In Ozzys, mit mehr Furor aufspielender Soloband mag das hinter Zakk Wylde oder Gus G. funktionieren, an dem Abend hätte es eines geschmackssicheren Drummers bedurft. Das Solo riss es zwar ein wenig heraus, er blieb aber die Achillesverse des Kollektivs.

Was er zu viel an Kraft investiert fehlte allerdings seinen Vorderleuten, denn die haben ihre besten Jahre länger hinter sich. Dass das unablässige Bangen von Butler fehlte, war noch zu verschmerzen, doch der Bewegungsradius der Drei war doch sehr eingeschränkt. Nur selten traute sich der Bassist wirklich nach vorne, während der Saitenhexer öfter mal Ausflüge nach weiter außen unternahm. Leider tauchte keiner ein einziges Mal auf der anderen Seite der Bühne auf. Auch Ozzy wirkte gehemmt und vermied es sich allzu weit von seinem Mikroständer zu entfernen.
So blieb ein Auftritt, der nur von seiner grandiosen Musik lebte, die zumindest von den Hauptprotagonisten würdig vorgetragen wurde. Kaum einer, der da nicht mitgesungen hat, das Material muss jeder Metaller wie ein Evangelium runter beten können. Doch die fünfzehn Jahre seit ich das Original zuletzt sah, lassen sich nicht weg diskutieren. Vielleicht hätte man damals weitermachen sollen, vielleicht kam die Reunion zu spät. Angesichts der Vorgeschichte und des Gesundheitszustandes, grenzt es dennoch an ein Wunder, das wir das noch erleben durften.

Setlist BLACK SABBATH:
War Pigs
Into The Void
Snowblind
Age Of Reason
Black Sabbath
Behind The Walls Of Sleep
N.I.B.
Fairies Wear Boots
Rat Salad
-Drumsolo-
Iron Man
God Is Dead?
Children Of The Grave
------------------------------------------
Sabbath Bloody Sabbath/Paranoid

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U.D.O. (Rock Stage)
Was der Hauptact für die gesamte Metalszene ist, gilt in Deutschland für ACCEPT. Deren ehemaliger Sänger Udo Dirkschneider ist nun schon seit 25 Jahren mit seiner Soloband unterwegs. Da MEGADETH kurzfristig wegen eines familiären Trauerfalls absagen mussten, gelang es den Veranstalter umgehend mit dem "German Tank" einen adäquaten Ersatz zu verpflichten. Der hat eigentlich ein Problem, seit seine früheren Mitstreiter wieder unter alter Flagge segeln, denn im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts lebte er als alleiniger Nachlassverwalter doch recht gut. Doch das Urgestein machte aus der Not eine Tugend und erinnerte sich an viele Nummern, die er unter seinem Namen veröffentlicht hatte.

Dabei stand vor allem sein neues Album "Steelhammer" im Vordergrund, von dem er gleich sechs Stücke zum Besten gab, den schnellen Titelsong gab es direkt als Opener. Verständlich, die Scheibe war nach ein paar schwächeren endlich wieder eine Wende zum Besseren, vor allem weil es im Bandgerüst einige Umbauten gab. Mit Kasperi Heikkinen und Andrey Smirnov kamen zwei sehr junge Kräfte in die Band, die frischen Wind in die verkrusteten Strukturen brachten. Das galt auch vor allem für den Klang der Platte, die endlich wieder einer Metalscheibe gerecht wurde. Doch die Spielfreude, die da durchschien konnte der nun recht internationale Fünfer auf die Bühne rüber retten.
Von Beginn an wurde klar, dass sie ihre Chance nutzen wollten, die sich durch das unerwartete Engagement ergab, denn die Truppe war ungemein vital. Es schien fast so, als ob die beiden neuen Sechssaiter die Stammkräfte mitrissen, denn Dirkschneider war bestens aufgelegt, scherzte herum und suchte oft den engen Kontakt zum Publikum. Gerne begab er sich aber auch ins zweite Glied, um seinen jungen Hüpfern das Rampenlicht zu überlassen. Denen war bei ihren Soli einfach der Spaß daran anzusehen, doch sie demonstrierten auch oft ihr gutes Spiel miteinander. Natürlich wurde auch das gute, alte Gitarrenballett exerziert, wenn Smirnov und Heikkinen sich bei der packenden Riffarbeit mit Bassist Fitty Wienhold vor den Marshalltürmen formierten.

Jenes Stilelement wurde noch von ACCEPT übernommen, ansonsten gab es zumindest im regulären Set nichts von der deutschen Legende zu vernehmen. Wenn man allerdings vier Stücke vom Hammerdebüt "Animal House" im Gepäck hat, kann man nicht viel verkehrt machen, obendrein gab es ein paar Titel, welche die Fans schon länger nicht mehr zu hören bekamen. Die wurden von der Spiellaune der Truppe angesteckt und feierten alles ab, was ihnen vorgesetzt wurde. So konnten U.D.O. trotz der späten Stunde noch viele Leute vor der Bühne binden, und richtig Werbung in eigener Sache machen. Bei der Zugabe ging es dann doch nicht ohne die großen Standards, ein Viererblock von Liedern, die nun wirklich jeder der Anwesenden kannte, machte den Partysack nach fast zwei Stunden endgültig zu.

Setlist U.D.O.:
Steelhammer
King Of Mean
Furure Land
Cry Of A Nation
Stranger
They Want War
Animal House
In The Darkness
Never Cross My Way
Man And Machine
Stay True
No Limits
Metal Machine
Go Back To Hell
Timebomb
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Metal Heart
Balls To The Wall
I´m A Rebel
Fast As A Shark

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THERION (Sweden Stage)
Als die letzten Verbliebenen meines Trosses dann an der Bühne ankamen, war der Auftritt der Bombastmetaller schon in vollem Gange. Auch hier hatten sich noch genügend Fans eingefunden, um den wuchtigen Klängen ihrer Landsleute zu huldigen. Mit "Invocation Of Namaah" erwischte ich schon einen guten Einstand ins Konzert, etwas von ihrem Überwerk "Theli" zieht immer. So chaotisch sich der Stilmix der Truppe anfühlt, so präsentieren sie sich auch auf der Bühne. Zum einen hat man optisch vom gothicmäßigen Outfit, über klassische Rockerklamotten, bis zum Frack von Bandchef Christofer Johnsson die komplette Palette an Bord. Auch von der Bühnenchoreographie her ist da ein ziemliches Gewimmel festzustellen, meist ist nicht unbedingt der jeweilige Leadsänger an vorderster Front, sondern auch mal auf einem Podest neben dem Drumriser zu finden.

Das ist aber absolut okay, denn bei der Truppe erwartet man einfach das Ungewöhnliche. Nicht in Ordnung war zum einzigen Mal bei dem Festival der Sound, den viel zu lauten Bass von Nalle Pahlsson bekamen die Tontechniker über die gesamte Zeit nicht in den Griff. Den Akteuren auf der Bühne war das egal, sie hatten ihren Spaß, denn vor so einer großen Menge spielen sie nicht allzu oft. Gerade bei den flotten Stücke wie "The Wild Hunt" gaben die Musiker ordentlich Gas. Hier fiel vor allem die Vater-Tochter-Achse von Linnea und Thomas Vikström positiv auf, denn die beiden bewiesen tolle Fronterqualitäten. Das junge Fräulein sprang wild herum, flirtete mit Mitmusikern und Zuschauern und mutete eher wie eine Rockgöre an, denn wie eine klassische Sängerin.
Den Part übernahm an dem Abend Sandra Laureano, die in ihrem Kleid und dem Felljäckchen die anmutige Seite repräsentierte. Bei ihrem ersten Auftritt mit der Band musste sie sich aber erst noch in das Geschehen einfinden. Dass sie dennoch zum Blickfang mutierte lag daran, dass die Verpackung immer noch sehr viel Haut hervor blitzen ließ. Und die kam bei der oben herum ziemlich umfangreichen Ausstattung sehr gut zum Vorschein. Man konnte als Mann bei dem Anblick schon mal vergessen, auf den wirklich schönen Sopran von Laureano zu achten. Noch besser als die Vokalabteilung zeigte sich die Gitarrenfront um Johnsson und Christian Vidal eingespielt, die eine dichte Riffwand erschufen.

Die machte sich vor allem bei den atmosphärischen Nummern von "Vovin" oder "Secret Of The Runes" bemerkbar, "Asgard" oder "Muspelheim" offenbarten schöne epische Momente. So hielt sich das immer müder werdende Publikum nicht mit Beifall zurück, wenn die Metalelemente dominierten, rotierte auch manche Haarpracht. Zum Abschluss gab es dann natürlich den Überhit "To Mega Therion", welcher die Essenz von THERION auf den Punkt bringt. Die Band und ihre Anhänger gaben noch einmal alles und feierten sich am Ende gegenseitig.

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MONSTER MAGNET (Rock Stage)
Ob das wirklich eine gute Idee war die Spacerocker gegen die Mittagssonne anspielen zu lassen, sei mal dahin gestellt. Vielleicht dachte sich der Programmchef, dass die Herren auch mal etwas aus ihren Spiegelsonnenbrillen heraus sehen können, was ihnen sonst in den Clubs verwehrt bleibt. Musikalisch passte das nun nicht so wirklich zu den äußeren Bedingungen, die mich im Anschluss wieder ein Bad im Meer nehmen ließen. Auf der anderen Seite hätte es auch noch trockener sein können, denn dann käme das Wüstenflair auf, welches man ihnen einfach abnimmt. Die Herren sahen aus, als würden sie eine Truckerkommune irgendwo im tiefsten New Mexico bewohnen.
Vor allem ihre psychedelische Frühphase steht bei den Fünf seit längerem wieder auf dem Speiseplan, die sich auch auf das neue Album "Last Patrol" niedergeschlagen hat. Von dem gab es im Gegensatz zur Tour nur den Titelsong, den Auftakt bestritten sie erstmal mit Tracks der ersten beiden Alben. Hier türmten Frontmann Dave Wyndorf, Phil Caivano und Garrett Sweeny Riffwand auf Riffwand und begaben sich in die unendlichen Weiten der davon erzeugten Atmosphäre. Vor allem der in den letzten Jahren beleibte Wyndorf drehte sich oft um, um sich allerlei Effektgeräten zu widmen, mit denen er eine ganze Menge abgefahrene Klänge erzeugte. Daran schien er fast mehr Spaß zu haben als an seinem Gesang, aber davon hatten die ersten Lieder ohnehin nicht viel zu bieten.

Erst später packten MONSTER MAGNET die etwas rockigeren Stücke aus, obwohl diese Karrierephase fast komplett ausgeklammert wurde. Beim Sweden Rock-Gig standen die Soundwolken im Vordergrund, da wurden selbst Hits wie "Twin Earth" und "Negasonic Teenage Warhead" außen vor gelassen. Was nichts dran änderte, dass sich auch die Anhänger immer mehr in diesen bildhaften Rausch hinein bewegten. Da wurde getanzt, geschwebt und auch mal ein Stöffchen geraucht, das den Zustand verstärkte.
Auf der Bühne gab man sich indes stoischer, Caivano haute lässig ein paar Soli aus der Hüfte, während seine Kollegen weiter den dichten Rhythmus webten. Auf ein paar Songs können sie dann doch nicht verzichten, diese Klassiker wurden dann heftigst bejubelt und mitgesungen. Wenn sich wer gefragt haben soll, wem die beiden Mittelfinger gehörten, die bei "Motherfucker" mannsgroß auf der Leinwand auftauchten - meins! So gipfelte der kauzige Auftritt in dieselbe Party, die sich über das ganze Wochenende zog.

Setlist MONSTER MAGNET:
Superjudge
Medicine
Nod Scene
Dopes To Infinity
Last Patrol
Look To Your Orb For The Warning
Power Trip
Space Lord
----------------------------------------
Hallucination Bomb
Tractor

live 20140607 0101 monstermagnetlive 20140607 0102 monstermagnet 

DANGER DANGER (Festival Stage)
Endlich, endlich, DANGER DANGER. Vor zwei Jahren waren wir bereits nach Lichtenfels gefahren um Sänger Ted Poley zu begutachten, nun sollte es endlich die gesamte Band sein. Strahlend und mit ansteckend guter Laue betrat die Band nahezu pünktlich die Bühne und bot mit „Rock America" ohne Umschweife eine ihrer ganz großen Nummern. Mit Ausnahme von „Hearts On The Highway" vom bislang letzten Studio-Output „Revolve" (2009), präsentierten die New Yorker nur Stücke ihrer beider erster Alben und versetzten die Fans in den Hair Metalhimmel.

Als wäre das nicht schon genug, ließ es sich Mr. Poley nicht nehmen, bei „Don't Walk Away" und „I Still Think About You" (Gänsehaut) mitten ins Publikum hineinzuspazieren, wodurch sich die Meute endgültig in ein Tollhaus verwandelte. Kein Wunder, kann man mit Stücken wie „Bang Bang", „Don't Blame It On Love" oder natürlich „Monkey Business" gar nicht anders, als einen Hexenkessel zu erzeugen. Einziges Manko war der teilweise zu leise Sound, der sich insbesondere im Gesang offenbarte. Perfekt, kann ergo leider nicht sagen, dafür aber verdammt nahe dran. (David)

live 20140607 0201 dangerdangerlive 20140607 0202 dangerdanger 

Y&T (Festival Stage)
Wo guter Hair Metal erwünscht ist, da darf diese Institution nicht fehlen, denn kaum eine andere Combo war so maßgeblich an dessen Entwicklung beteiligt. Doch die bereits in den Siebzigern gegründete Truppe legte immer mehr Wert auf Ursprünglichkeit und war stärker im Classic Rock verhaftet. Diese ehrlichere Herangehensweise machte sich erst Jahrzehnte später bezahlt, wo die Epigonen heute alten Erfolgen hinterher rennen, ist das Quartett heute dick im Geschäft, tourt regelmäßig und weiß eine treue Fanbasis hinter sich. Und die war auch in Schweden wieder am Start, als schon zu Beginn einer der Glanznummern verbraten wurde. Das machte aber gar nichts, denn das hob die Stimmung direkt und steigerte die Aufmerksamkeit für weniger bekannte Tunes.
Wie alle der alten Größen müssen auch Y&T den Spagat zwischen den zu liefernden Hits und der nötigen Abwechslung hinbekommen. Bei ihnen ist es der erfahrene Fan allerdings gewohnt, dass immer das ein oder andere Schätzchen ausgegraben wird, so gab es bei der Show selten gespieltes von Alben wie "In Rock We Trust" oder "Mean Streak" zu hören. In der Livesituation zeigen die Lieder vom aktuellen Album "Facemelter" auch ihre Klasse. Dass dabei ein paar Klassiker in die Rotation rutschen stört weniger, auch wenn ich "I Believe In You" erneut vermisst habe. Zum Glück ist das nicht die einzige Nummer, bei der Dave Meniketti sein beeindruckendes Bluesfeeling unter Beweis stellen konnte. Seine Soli zelebrierte er mit einer unglaublichen Hingabe, brachte aber auch eine gewisse Portion Schmutz mit hinein.

Immer noch faszinierend, wie diese Formation rockt, mit welcher Leidenschaft sie auf der Bühne agieren. Meniketti und sein Partner John Nyman sind durch die vielen Konzerte mittlerweile zu einer fest eingespielten Einheit geworden. Während der Frontmann den hemdsärmeligen Rocker gab, sah Nyman eher aus, als hätte er bei seiner Abreise versehentlich den Koffer seiner Frau gegriffen. Da wurde auch gerne mal ein bisschen improvisiert, einige Passagen akustisch vorgetragen, die beiden fanden immer zueinander.
Auf der rechten Bühnenseite poste sich Brad Lang durch die gesamte Historie des Glamrock, bemerkenswert wie er sich nach dem Tod von Phil Kennemore sofort akklimatisierte. Nicht groß auf der Bühne akklimatisieren mussten sich die Vier glücklicherweise, die steigenden Temperaturen und der nun wolkenlose Himmel gefielen dem Sänger, der den Zuschauerzuspruch sichtlich genoss. Die sommerlichen Vorboten wurden dann auch besungen, bevor zum unverwüstlichen Rausschmeißer die Meute vor der Bühne kollektiv hüpfte.

Setlist Y&T:
Mean Streak
Don´t Stop Runnin´
Don´t Be Afraid Of The Dark
Hang ´Em High
Dirty Girl
Midnight In Tokyo
Black Tiger
Winds Of Change
I´m Coming Home
I Want Your Money
Contagious
I´ll Cry For You
Rescue Me
Summertime Girls
Forever

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WITHIN TEMPTATION (Rock Stage)
Grobe Stilwechsel gehören bei dem weit gefächerten Programm des Sweden Rock einfach dazu, einen ziemlich krassen erwartete unsere Delegation beim Gang zur nächsten Bühne. Gab es eben noch erdige Kost, so war noch der totale orchestrale Bombast angesagt. Die Niederländer bilden neben NIGHTWISH die unumstrittene Führungsriege des Genres, was ihr neues Album "Hydra" unterstrich. Dementsprechend dicht standen schon zu Beginn die Reihen und bestaunten die massiven Bühnenaufbauten. Hier wurde nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt, zwei hohe Riser in Steampunkoptik für Drumkit und Keyboards, dazwischen zwei Treppen zu einem langen Steg quer hinten über die Bühne. Dahinter hing eine Leinwand, auf der die Videos zu den Songs zu sehen sein sollten, die wiederum von zwei Köpfen der Hydra umrahmt wurde. Lange Spielzeiten haben nicht nur den Vorteil eine umfangreiche Setlist zu zocken, sondern bringen auf den anderen Bühnen viel Zeit, um eben solche Produktionen zu ermöglichen.

Zu Beginn standen die beiden Gitarristen und die wie immer bezaubernde Sharon Den Adel oben auf dem Steg, bevor sie die Stufen langsam herunter stiegen. Sofort war die Stimmung da, als man mit dem Opener der neuen Scheibe einstieg und direkt die ganze Bühnenshow ausreizte - passend zum Song schlugen Flammensäulen empor. Doch nicht nur deswegen wurde einem warm ums Herz, sondern auch wegen des Outfits der Frontdame. Wie immer selbst entworfen, legte die enge Lederkorsage den Blick auf das Dekollete frei und der Rock war auch keiner der längeren Sorte. Es ist bewundernswert, wie diese Frau als dreifache Mutter immer schöner wird.
Es ist genau diese neue Frische, welche die früher eher unnahbar wirkende Niederländerin mittlerweile ausstrahlt, die ihre Truppe mitriss und ebenfalls bewegungsfreudiger agieren ließ. "Hydra" fiel ja ein wenig härter aus, als der hitlastige Vorgänger und dieses Knackige bringen die sechs analog auf der Bühne rüber. Es fiel mir schon bei den letzten beiden Konzerten auf, dass die Band immer gelöster wirkt, immer mehr rockt, anstatt sich hinter den wuchtigen Sounds zu verstecken. Und auch diesmal war zu beobachten, wie es ihnen gelang noch eine Schippe drauf zu legen, Ruud Jolie und Stefan Helleblad tauschten immer wieder die Positionen und präsentierten sich auf kleinen Podesten sehr spielfreudig.

Was die ganz große Show angeht, da hatte selbstverständlich die Sängerin das Sagen, immer wieder tauchte sie ganz vorne auf dem Steg auf, schüttelte ihre Mähne und suchte den Kontakt zum Publikum. Immer mit einem Strahlen im Gesicht dirigierte sie dies nach Belieben. Die Fans machten es ihr aber auch leicht, denn die Stimmung war ziemlich ausgelassen, auch vor der Bühne geht bei WITHIN TEMPTATION immer mehr. Anscheinend sind sie aber auch in Schweden eine Nummer, denn der Zuspruch war schon enorm. Schade, dass einiges vom Band kommt und so ein wenig die Spontaneität etwas unterbindet, bei allen Duetten wurden die Partner auf der Leinwand zugespielt.
Dabei hätte es beim Beitrag von Keith Caputo gar keiner Konserveneinspielung bedurft, denn viele Zuschauer erwiesen sich als textsicher und feierten gerade diese Nummer ab. Bei einem guten Querschnitt durch das Schaffen, kamen neben vielen Liedern vom neuen Album auch das letzte verstärkt zum Einsatz, und bei der Zugabe noch eine interessante Coverversion. So langsam fallen da ein paar Klassiker hinten runter, da die Spielzeit auch hier nicht die neunzig Minuten überschritt, aber das ist bei den Holländern Standard. Aber in der Zeit lieferten sie eine beeindruckende Show, die alle Register zog und die Anhänger mit riss.

Setlist WITHIN TEMPTATION:
Let Us Burn
Paradise (What About Us?)
Faster
In The Middle of The Night
Fire & Ice
And We Run
Dangerous
Our Solemn Hour
Iron
Stand My Ground
Covered By Roses
Mother Earth
------------------------------
What Have You Done
Summertime Sadness
Memories
Ice Queen

live 20140607 0402 withintemptationlive 20140607 0401 withintemptation 

BILLY IDOL (Festival Stage)
An diesem Tag war eine stattliche Anzahl an Tagesticketbesitzern auszumachen, und diese warteten nicht alle ausschließlich auf VOLBEAT. Auch der Superstar der Achtziger zog viele seiner Fans extra für den Gig beim Sweden Rock. Zu seiner großen Zeit habe ich seine Hits wirklich gemocht, doch zu Beginn der Neunziger kam nicht mehr viel von dem Mann, weswegen ich ihn völlig aus den Augen verloren habe. 2005 feierte er mit "Devil´s Playground" ein Comeback und ist seitdem wieder live unterwegs, wobei die Frage war, was er noch zu bieten hatte. Ein großes Mundwerk auf alle Fälle, denn seine Grimassen waren schon in seiner Glanzzeit berüchtigt.
Heutzutage wirkt das bei deutlich mehr Falten im Gesicht eher etwas entstellend. Das war dem guten William Michael Albert Broad, wie er bürgerlich heißt egal, denn er hält sich für unwiderstehlich. Dachte ich am Mittag bei Ted Poley von DANGER DANGER noch, dass ein Sänger, der mit Plektren wirft, die Spitze der Selbstverliebtheit erreicht ist, so belehrte mich der frühere Punk schnell eines besseren. Warum er sich in jedem Song zweimal wieder anzieht, nur sich hinterher wieder auszuziehen, weiß nur BILLY IDOL. Okay, wenn man ROBIN BECK zugesteht, sich für ihr Alter gut gehalten zu haben, dann muss man ihm auch attestieren, dass sein Körper verhältnismäßig gut in Form ist. Sehen muss man ihn dennoch nicht ständig - Falten, siehe oben.

Musikalisch gab es zumindest das volle Programm, schon die zweite Nummer ein großer Hit, von denen ich nur "Catch My Fall" und "To Be A Lover" vermisst habe. Selbst ein paar Titel aus seinen GENERATION X-Tagen hatte er im Gepäck. Mutete der Stilmix mit vielen New Waveelementen vor dreißig Jahren schon etwas merkwürdig an, so konnte er auch heute erst recht keine Wirkung entfalten. Dazu kam, dass die Band nicht sonderlich aufeinander eingespielt schien, viele Arrangements kamen seltsam lustlos daher - oder dienten nur dazu den Frontmann noch mehr in Szene zu setzen. Auch der eigentlich hervorragende Gitarrist Steve Stevens konnte keine Akzente setzen, zudem verpasste auch er es in Ehren zu altern. Die Herren vermochten keinen Druck zuerzeugen, den akustischen Passagen fehlte es an Feeling, so dass der Funke bei mir nicht so recht überspringen wollte.

Andere hatten da wohl mehr Glück und freuten sich einfach nach Ewigkeiten die alten Kamellen wieder zu hören. Dementsprechend war auch die Stimmung, so dass sich BILLY IDOL tatsächlich bestätigt sah und noch mehr in Posingtrickkiste kramte. Doch er gab seinem Publikum auch genug zurück, allerlei Geschenke in Form von Papptellern, Plektren, Drumsticks - und Fellen. Dabei bedachte er eine junge Dame links vor dem Steg auch immer redlich, egal, was da flog, die Kleine in dem neongelben Bandeaubikini bekam jeweils ein Exemplar ab. Am Ende wurden dann die abgedroschenen Klassiker aufgefahren, doch so richtig mitreißen konnte die Performance nicht. Da war zu wenig Leben drin - und zu viel Selbstbeweihräucherung.

Setlist BILLY IDOL:
Postcards From The Past
Cradle Of Love
Dancing With Myself
Flesh For Fantasy
One Breath Away
Ready Steady Go
Sweet Sixteen
Whiskey And Pills
Eyes Without A Face
L.A. Woman
Blue Highway
Rebel Yell
------------------------
White Wedding
King Rocker
Mony Mony

live 20140607 0502 billyidollive 20140607 0503 billyidollive 20140607 0501 billyidol 

TED NUGENT (Rock Stage)
Er macht es einem aufgrund seiner doch sehr zweifelhaften Ansichten schwer, sich nur auf seine Musik zu konzentrieren. Dabei hat der Mann vor allem in den Siebzigern eine ganze Reihe bärenstarker Songs veröffentlicht, weswegen sein exklusiver Auftritt von vielen herbei gesehnt wurde. Doch er nahm seinen Kritikern gleich den Wind aus den Segeln, indem er unglaublich furios los legte. Mit keinem Titel, außer dem der TED NUGENT seinen Spitznamen gab, hätte er besser eröffnen können, denn sofort stand Sölvesborg hinter ihm. Da wurden selbst einige Altfreaks noch einmal richtig jung, die Hütte rockte einfach.
Kein Wunder, schließlich hat der Motor City Madman einfach seinen unwiderstehlichen Groove und einfach eine Prise mehr Sex im Sound als die Konkurrenz. Das geht einfach in die Hüfte, hat Schmiss, sein Rhythm´n´Blues-Gebräu bringt er ehrlich und leidenschaftlich an die Adressaten. Und eben jener Rhythm´n´Blues ist Nugents Energiequelle, bei seinen Ansagen redet er ständig von seiner Liebe zu dieser Musik. So ermahnt er auch die Zuschauer, das Erbe von Chuck Berry, Muddy Waters und Howlin´ Wolf nicht zu vergessen. Bei Letzterem sorgte ja JOE BONAMASSA am Vortag für die entsprechende Huldigung, während der Meister selbst lieber Willie Dixon coverte.

Dazu hatte der Mann eine illustre Truppe um sich gescharrt, die ihn dabei unterstützte. Am, wie er immer wieder sagte, Motown-Bass war Greg Smith, der bei der späten RAINBOW-Reunion in der Szene auftauchte und den ich vor fünf Jahren an gleicher Stelle mit OVER THE RAINBOW sah. Hinterm Drumkit hat sich seit Jahren ein ähnlich verrückter Vogel wie TED NUGENT verschanzt, "Wild" Mick Brown kam einst bei DOKKEN zu Ruhm und Ehren. Wie gewohnt drosch er unbarmherzig auf sein Arbeitsgerät ein und trieb die Stücke so mächtig voran. Man musste fast Angst haben, dass die ganze Schießbude nicht irgendwann vom Riser fällt.
Einen ganz alten Bekannten aus frühen Tagen hat er mit Derek St. Holmes wiederentdeckt, der bei der ersten Solobesetzung schon eine tragende Rolle spielte. Wo er ihn wiedergefunden hat, will ich gar nicht wissen. Schaute man sich das Outfit von seinem Sidekick an, könnte ihn "The Nuge" beim Jagen im Wald getroffen haben, während dieser gerade ein paar Felle verkaufte. Trotz der Trapper-Optik brachte sein alter Spezi die melodischeren Leadgesänge sauber rüber und spielte eine tolle Rhythmusaxt. Auch wenn sie lange getrennt waren, eine Chemie zwischen zwei Musikern wird immer bestehen und so lief die Achse Nugent/St. Holmes an dem Abend wie geschmiert.

In dieses druckvolle, kräftige Klanggewand wurden natürlich fast ausschließlich Klassiker gepackt, auch wenn die 90 Minuten gar nicht für alle ausgereicht haben. "Motor City Madhouse" oder Dog Eat Dog" fielen einem da als Erstes ein, aber TED NUGENT nimmt sich lieber Zeit seine Stücke zu zelebrieren und auch mal Minutenlang zu jammen. Nicht verwunderlich, dass sein kommender Longplayer "Shut Up And Jam" heißt, von dem es wir Titelstück zu hören bekamen. Bis auf einen Song stammte der Rest aus den Siebzigern, der allerdings gehört zu den besten, die er danach aufgenommen hat. Die Lautstärke hielt sich noch in Grenzen, die hat TED NUGENT früher gerne mal auf die Spitze getrieben. Bei den psychedelischen Jams am Ende des regulären Sets drehte der Mann aber ein wenig an seinem Regler, haute ein paar Akkorde immer lauter ins Publikum und schien dabei einen diebischen Spaß zu haben.
Irgendwie kommt er noch wie ein kleines Kind rüber, aber das ist einfach Rock´n´Roll. Legendär waren wie immer auch seine Ansagen, die er mit unglaublicher Geschwindigkeit runter rasselte, dass ein Dieter Thomas Heck zu besten Zeiten nur seine Rücklichter sah. Von der Message her blieb der Vorzeigepatriot sehr handzahm, erinnerte immer wieder daran, dass Rhythm´n´Blues Musik sei, welche die Menschen verbindet, egal von woher sie kommen. Na bitte, selbst das ging an dem denkwürdigen Abend, hat ihm wer gesteckt, dass Schweden eine liberale Gesellschaft ist? Als dann zur Zugabe die weiße Gretsch ausgepackt wurde, wusste jeder was die Stunde geschlagen hatte. Das große Huftier der amerikanischen Geschichte stapfte durchs Publikum, als wolle es seine Weidegründe zurück, machte keine Gefangenen und wurde frenetisch abgefeiert. Wer da noch nicht tanzte, der tat es jetzt, einfach großartig!

Setlist TED NUGENT:
Gonzo
Just What The Doctor Ordered
Wango Tango
Turn It Up
Stormtroopin´
Free-For-All
Wang Dang Sweet Poontang/I Can´t Quit You
Fred Bear
Hey Baby
Shut Up And Jam
Cat Scratch Fever
Stranglehold
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Great White Buffalo

live 20140607 0601 tednugentlive 20140607 0602 tednugent

VOLBEAT (Festival Stage)
Ich war ja noch nie ein großer Fan der Truppe aus unserem nördlichsten Nachbarland, doch für ihren kometenhaften Aufstieg gebührt ihnen Respekt. Viele dänische Bands haben sich schon an der großen Karriere versucht, ihnen ist es gelungen. So beließ ich es auch dabei mir das Konzert von der kleinen Anhöhe vorm FOH-Turm aus anzusehen, wo ich auch mal die Möglichkeit hatte, das Publikum zu überblicken. Nicht nur die Popularität, diese großen Menschenmengen, die sie begeistern hat mittlerweile eine enorme Größe angenommen, sondern auch die Show, die hier gefahren wurde. Die Riesenbühne ist mit einem Friedhof verziert, der die Backline verdeckt, oben wurden drei weitere Lightrigs installiert. Die waren an Ketten aufgehängt und in der Höhe variabel, als besonderer Effekt wurden sie einmal hochgehievt, während Pyroregen sie wie aufsteigende Raketen aussehen ließen.

So mächtig wie die Bühnenproduktion war auch das Auftreten der Formation, bei der es auffiel wie gut sich der eigentlich als Produzent verpflichtete Rob Caggiano einfügte. Hier präsentierte sich ein Quartett, das viel mit einander agiert, während es Frontmann Michael Poulsen vorbehalten war, den Kontakt zum Publikum zu suchen. Mit so viel Selbstvertrauen im Rücken eine leichte Aufgabe, er wirkte sehr locker und sympathisch und war bei seinen Ansagen sehr unterhaltsam. Gut, den kleinen Rebellen ließ er immer noch raushängen und versuchte einige Gewohnheiten des Festivals zu untergraben, indem er Crowdsurfer und Pits forderte, was nicht unbedingt zum Bild des Sweden Rock gehört.
Musikalisch klingen VOLBEAT ebenso kompakt wie es ihr Auftreten schon andeutete, tight und kompromisslos wurden die Riffs raus geblasen, das rockte sehr kraftvoll. Nur wenn der heulende Gesang von Poulsen einsetzt muss ich leider passen, da werden wir keine Freunde mehr.  Von der Songauswahl standen überraschend die neuen Stücke im Vordergrund, auch wenn die alten Titel, allen voran "Sad Man´s Tongue" am lautesten bejubelt wurden. Ob es von allen JOHNNY CASH-Liedern unbedingt das überspielte "Ring Of Fire" hatte sein müssen, ist zu bezweifeln. Später gesellt sich noch LG Petrov für einen Song zu den Vier auf der Bühne, die aus der ferne imposant aussieht. Mindestens ebenso beeindruckend das Meer von Händen, die den Dänen im Takt folgen, ein würdiger Headliner.

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ARCH ENEMY (Sweden Stage)
Da ich an dem Wochenende noch ein zweites Rendezvous mit Fräulein White-Gluz hatte, verließ ich die Headlinershow frühzeitig, um mich am anderen Ende des Geländes noch mal die Ohren frei blasen zu lassen. Da hatten sich auch erstaunlich viele Fans eingefunden, um die Dame in einem etwas anderem musikalischen Metier zu bewundern. Hier ist ausschließlich ihr gutturaler Gesang gefragt, und so legten auch ihre Mitstreiter los wie die Feuerwehr. Die Riffsalven fliegen einem nur so um die Ohren, immer wieder gekontert von feinen, melodischen, teils in der Klassik verwurzelten Leads. Mit Nick Cordle hat es Mastermind Michael Amott geschafft, wieder einen Partner zu finden, mit dem er perfekt harmoniert. Musikalisch hat er längst seine Nische gefunden, auch auf dem neuen, zwei Tage später erscheinenden Album, drehte er nur wenig an den Stellschrauben, wenn er auch songdienlicher agiert.

Insofern war es auch verwunderlich, dass sich vom letzten, eher sperrigen Dreher "Khaos Legions" drei Titel im Set auftauchten, während der stärkere Vorgänger "Rise Of The Tyrant" gar nicht zum Zuge kam. Die neuen Songs fügten sich gut ein und waren, dank moderner Verbreitungswege, wohl den meisten bekannt und offenbarten ihr Hitpotenzial. So hart wie die Stücke, so heftig hauten die Jungs sie auch von der Rampe runter, die Saitenfraktion war immer unterwegs und Daniel Erlandsson ballerte mächtig hinter seiner Schießbude.
In Sachen Agilität standen sie aber eindeutig hinter ihrer neuen Frontfrau, die ein echter Glücksgriff ist. Stimmlich in Topform, ohne Schwächen rannte sie ständig über die Bühne, sprang vom Drumriser und den Monitoren, bangte wie wild und forderte immer wieder die Zuschauer zu mehr Alarm auf. Den gab es auch, obwohl den meisten die vier Tage in den Knochen steckten. Doch eine Alyssa White-Gluz folgt man gerne, heute hatte sie eher die legere Garderobe angelegt, zu Armyhosen trug sie ein sexy Trägershirt.  Bei so viel geballter Frauenpower lässt sich Mann gerne dirigieren. Dabei wirkt sie erstaunlich sicher und verfügt über eine gute Präsenz, das Mädel hat Zukunft.

Setlist ARCH ENEMY:
Enemy Within
War Eternal
Ravenous
My Apocalypse
As The Pages Burn
Bloodstained Cross
Dead Bury Their Dead
Dead Eyes See No Future
No Gods, No Masters
Snow Bound
We Will Rise
------------------------------
Nemesis

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Wer den reinen Musikgenuss bevorzugt, der kommt um das Sweden Rock nicht herum, denn hier findet die Party vor der Bühne statt und weniger auf den Campingplätzen. Das fängt beim Billing an, welches alljährlich nur so vor großen Namen strotzt, stilistisch sehr weit aufgestellt ist, und gipfelt vor allem in den großzügigen Spielzeiten. Hier bekommt man von seinen Bands wirklich das volle Programm geboten. Alleine das Beispiel MAGNUM zeigt, dass hier die Sets teilweise sogar länger sind als bei den regulären Tourshows. Hier werden keine Festivalshows geboten, die teils weniger als eine Stunde dauern, in denen nur die ohnehin abgedroschenen Standards präsentiert werden, sondern auch mal etwas ausgefalleneres. Die dadurch entstehenden langen Pausen auf den jeweiligen Bühnen können dazu genutzt werden, um auch die komplette Bühnenproduktion an den Start zu bringen. Aufbauten wie bei VOLBEAT oder WITHIN TEMPTATION bringt man nicht im vorbei gehen an den Start, letztendlich profitiert der Fan davon. Das Event ist mehr eine Aneinanderreihung von kompletten Gigs als ein normales Festival.

Möglich macht dies auch eine sehr gut ausgeklügelte Logistik, die alle Bühnen hinter den Kulissen verbindet, auch wenn die über das ganze Gelände verstreut sind. Um auch den Zuschauern den Komfort zu ermöglichen sind die Campingplätze rund um das Gelände verstreut, zum großen Teil ist Parken und Campen getrennt, auch für Wohnwagen und für Biker gibt es einen eigenen Campground. Das reduziert den Platzbedarf, so dass keiner mehr als eine Viertelstunde zum Eingang laufen muss. An den zwei Toren geht es auch sehr zügig zu, in ein, zwei Minuten ist man selbst bei den großen Acts drin. Dazu ist das Festivalgelände sehr weitläufig, auch hier kommt es nie zu Staus oder Gedränge. Als ich bei VOLBEAT nach hinten die Reihen abgeschritten habe, standen da zwar Menschenmassen - wir reden immerhin von etwa 35.000 - doch die hatten alle ordentlich Platz.
Auf den Campingplätzen gibt es überall warme Duschen und Spültoiletten, auf dem Gelände selbst ausschließlich Spültoiletten. Täglich geht auch ein Reinigungskommando durch und sammelt den Müll auf den Campingplätzen ein. Selbst der Super-GAU, eine gebrochene Hauptwasserleitung, welche die ganze Stadt auf das Trockendeck legte, wurde souverän gemeistert. Eine Notversorgung und rasch organisierte Dixi-Häuschen waren einige der Maßnahmen, damit es kaum Beeinträchtigungen gab. Als Besonderheit bietet sich unterhalb der Campingplätze direkt der Strand, den vor allem an den beiden letzten Tagen viele Festivalbesucher aufsuchten. So entstand eine Stimmung wie man sie sonst nur vom METALCAMP her kennt. Platz zum Plantschen, Erfrischen und Spielen war auch genug, weil man beim sehr flachen Ufer noch weit draußen stehen kann. Und wer das Schwimmen im offenen Gewässer bevorzugt, hat ohnehin das Ganze.

So etwas trägt natürlich auch zur sehr entspannten Stimmung eines Festivals bei, und die beim Sweden Rock ist sehr lässig. Der Schwede ist ja ein freundlicher Geselle und das merkt man hier besonders gut, überall fröhliche Gesichter und jeder hat einfach Spaß mit der Musik. Dabei kann man sich hier auf den Musikgenuss konzentrieren, einfach mitreißen lassen und voll mitgehen. Angst haben, dass einem plötzlich jemand in den Rücken fällt, muss man nicht, denn Crowdsurfing ist hier verboten. Die Aktivitäten der Fans beschränken sich auf Headbanging, mitsingen oder sonstige, teils skurrile Ausdruckformen.
Natürlich kann man jetzt diskutieren, dass der Ritt über die Menge zu einem Festival dazu gehört, aber den meisten Besuchern hier ist das gerade recht. Das merkte man, als niemand der Aufforderung von Michael Poulsen nachkam und sich nach oben absetzte. So etwas kann man auf anderen Open Airs zu Genüge exerzieren, hier halt nicht, aber das macht das Sweden Rock auch wieder zu etwas Besonderem. Und irgendwie sind Crowdsurfing, Wall Of Death oder Circle Pit mittlerweile so standardisiert, dass sie mehr praktiziert werden, weil sie halt dazu gehören, als wirklicher Ausdruck von Begeisterung. Dass man hier Begeisterung schätzt, zeigt sich, dass auch der typische Erste-Reihe-Steher fehlt, der einem beim leichtesten Hauch von Berührung sofort anmault. Nein, hier freut man sich über jeden, der aus sich heraus geht.

Als ebenso standardisiert empfinde ich auch das Erscheinungsbild der Fans bei anderen Konzerten, speziell hierzulande. Auch hier geht es im Land der Elche deutlich farbenfroher zu. Klar, ist der typische Metaller im Bandshirt hier gerne gesehen, doch vor allem die Liebe zum Hair Metal macht sich in dem Land überall bemerkbar. Tuff-Mähnen, wohin man blickt, besonders bei den einschlägigen Gigs, bunte Bänder, enge Hosen und Cowboystiefel, natürlich über der Hose. Auch sonst finden sich alle möglichen verrückten Typen hier, die das aber durchaus authentischer durchziehen als Verkleidete auf Wacken.
Wer es nicht locker genug angehen lassen kann, der darf auch seinen eigenen Campingstuhl mit rein nehmen, auch ein Novum, dass ich bisher so noch nie gesehen habe. Vor allem der Platz in der Mitte von Festival Stage und Rock Stage, die sich gegenüber stehen, glich teilweise einem Kino. Wenn man auf das Programm der anderen Bühnen verzichtet, muss man nur alle zwei Stunden seinen Stuhl umdrehen und kann das Geschehen von der Ferne aus beobachten. Woanders geht das nur auf dem Boden sitzend. Ebenfalls erlaubt ist das Mitführen einer 0,5 er Flasche, die man sich an den vielen Wasserstellen immer wieder auffüllen kann.  Zudem reichen die Security den vorderen Reihen ständig Trinkwasser, für dessen Nachschub extra ein eigenes Team eingerichtet wurde.

Hier scheint es keine Reibereien mit den vielen Caterern zu geben. Und die fahren ihrerseits alles auf, was man auf einem Festival bieten kann. Bis auf das TOLLWOOD-Festival in München habe ich nie eine solche Essensauswahl erlebt, und das mit zahlreichen Ständen innerhalb und außerhalb des Geländes, so dass man auch bis in die Nacht auf dem Campingplatz noch etwas zu Essen bekommt. So zählte ich ein gutes Dutzed Langos-Buden, es gibt alle Sorten asiatischer Küche, mexikanisch, Döner, vegan, laktosefrei, und schwedische Spezialitäten. Da ist natürlich der sehr leckere Elchdöner zu empfehlen und Kroppkakkor, eine Knödelart, den saarländischen "Gefillde" sehr ähnlich. Ja, sogar frische Pizza gibt es dort, überall sieht man Volk, das aus den klassischen, flachen Pappschachteln speist. Die riesige Anzahl der Anbieter hat selbstredend auch den Vorteil, dass man, ähnlich wie beim Trinken kaum anstehen muss. Davon könnte sich vor allem die Loreley mal einige Scheiben von abschneiden.

Zu guter Letzt noch ein Riesenlob an die Security, bei vielen Festivals ein Zankapfel, hier Mitgarant für die gute Stimmung. Nicht nur, dass die Damen und Herren den Zuschauern wie erwähnt Trinkwasser spendieren, auch sonst sehen sie sich ganz im Dienst der Fans. Viele sind sogar selbst Fans, da erwischt man den ein oder anderen beim Mitsingen, das freundliche Lächeln ist in jedem Gesicht zu sehen. Dieses Personal weiß, dass seine Rolle ein Teil des Festivals ist, wie Bands und Zuschauer und sie nicht das Kontrollorgan sind. Sinnloses Maßregeln des Publikums findet hier nicht statt, hier wird angenehme Zurückhaltung geübt. Zwar sind sie zahlenmäßig immer stark aufgestellt und bestens organisiert, doch verüben sie ihre Aufgabe so unprätentiös wie nur möglich.
Nun darf man nicht annehmen, dass es sich hier um eine Spaßtruppe handelt, sondern um bestens, auch im menschlichen Bereich geschulte Kräfte. Immer hellwach, super aufmerksam, ihnen entgeht nichts, auf Regelverstöße wird direkt aufmerksam gemacht, ohne den groben Knüppel zu nutzen. Zwar konsequent bei der Umsetzung der Anweisungen, aber im Einzelfall immer kompromissbereit und auch hier mit einem unglaublichen Auge für die Situation. In Sekundenschnelle erkennen sie, ob im Publikum jemand nur Spaß haben will oder penetrant drängelt oder nur noch betrunken herum fällt. Und wenn es dann sein muss, kommen ganz klare Ansagen, die dann auch befolgt werden, weil der Respekt da ist. Und der kommt eben durch dieses Auftreten, weil das Publikum weiß, dass das Personal für sie da ist und nicht, um über sie zu richten.
Und wenn sie handeln müssen, vor allem wenn Zuschauer umkippen, dann sind sie blitzschnell zur Stelle, reagieren souverän. Dabei können sie auch der Mithilfe der Fans sicher sein, denn die Distanz zwischen ihnen gibt es nicht, jeder ist Teil dieses Festivals. Diese Security hat es verstanden, dass Verständnis ein guter Weg zur Deeskalation ist. Natürlich wird vorne schon gerne geschoben, jeder will den besten Platz haben, vor allem bei W.A.S.P. ging es heiß her. Wo aber oft Sicherheitspersonal, das sich zu wichtig nimmt, zusätzliche Aggression rein bringt, sorgt die freundliche Art von vorneherein, dass auch hier immer die lockere Atmosphäre gewahrt bleibt.

Gibt es bei so viel großartiger Organisation auch Grund zur Kritik? Ja, denn der Steg, der vor der Festival Stage in die Publikumsreihen führt, ist viel zu hoch und zu lang. Die erste Reihe sieht in der Mitte eigentlich gar nichts, oft kann man nicht alle Musiker auf der anderen Seite erkennen, und das Fotographieren aus dem Zuschauerraum heraus ist eher ein Albtraum. Im nächsten Jahr bitte eine Nummer kleiner. Dann wurde ein neuer Bereich geschaffen, in dem, Kommerz ich hör Dich tapsen, Sponsoren Muscle Cars ausstellen oder zum Angeln mit dem Bagger einladen. Aber jene Sponsoren ermöglichen solche Veranstaltungen erst, weswegen es durchaus legitim ist, dass sie sich hier präsentieren. Und Muscle Cars gehören ohnehin zum Swedish Way Of Life.
Diese Makel fallen kaum ins Gewicht, denn die Gründe, das Sweden Rock einmal zu besuchen, überwiegen deutlich. Wer Musik pur will, der wird sich hier wohl fühlen. Aber auch die einzigartige, relaxte Atmosphäre und die Möglichkeiten im direkten Umland laden einfach zum Besuch ein. Und überhaupt, was spricht dagegen, danach noch einen Urlaub in Schweden dran zu hängen. Dazu eine Musikauswahl vom Allerfeinsten, bei der jeder etwas findet. Der Verfasser dieser Zeilen hat alleine 34 Stunden in den Knochen, fast alle mitten im Feierbereich miterlebt. Im Gesamtpaket gibt es für mich keine bessere Party seit Erfindung des Rock´n´Roll. (Pfälzer)

Alle Photos von Silke Jankovic

Vielen Dank an Birgit Bräckle von Brooke Lynn Promotion

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Rockers Avatar
Rocker antwortete auf das Thema: #13353 3 Jahre 11 Monate her
Wow, was für ein Festival! Was wäre ich gerne dabei gewesen, so wie es sich liest war es der Hammer!!!!
Was ich mich gefragt habe, ob Tony von TNT immer noch sooo hoch singen kann wie damals??