Orphaned Land Unsung Prophets and Dead Messiahs 200x200Etwa dreieinhalb Jahre ist es her, seit die israelische Progressive-Metal-Truppe ORPHANED LAND mit „All Is One“ ihr letztes Album vorgelegt hat – viel zu lange für meinen Geschmack, habe ich die Band doch seit ihrem großartigen Album „Mabool“ sehr zu schätzen gelernt. Und so habe ich mich wirklich sehr auf das neue Werk „Unsung Prophets & Dead Messiahs“ gefreut, das sie jetzt im Januar 2018 veröffentlicht haben. Man sagt ja: „Gut Ding will Weile haben“. Hat sich das Warten also gelohnt?

Die Frage kann man bereits nach dem unfassbar grandiosen Opener „The Cave“ mit einem lauten Ja beantworten – ORPHANED LAND sind mit all dem zurück, was den Sound der Band ausmacht, und das besser denn je! Die epochalen, wuchtigen Chöre vereinen sich mit dem sehr charakteristischen Gitarrensound von Chen Balbus und Idan Amsalem, dem super abgestimmten Spiel der Rhythmussektion Uri Zelcha und Matan Shmuely und den vertrauten, orientalischen Elementen zu einer traumhaften Mischung, die einen Teppich für den grandiosen Gesang von Kobi Farhi auslegt, auf dem dieser würdevoll dahinschreiten kann. Und meine Fresse, was hat der Mann noch mal ne Schippe draufgelegt – das wird spätestens im Chorus klar, der bei mir absolute Gänsehaut auslöst. Wahnsinn!!! Ohne jeden Zweifel ist „The Cave“ ein echtes Juwel im Schaffen der Band geworden, einen besseren Opener habe ich selten gehört.

Bei „We Do Not Resist“ wird dann etwas mehr Gas gegeben und Kobi darf, typisch für ihn, auch seine Growls etwas mehr rauslassen – das macht den Mann ja aus, dass er zu den ganz wenigen gehört, die sowohl cleane als auch gutturale Vocals gut rüberbringen und beherrschen. „In Propaganda“ kann mit einem klar herausstechenden Einsatz eines Saiteninstruments begeistern – man verzeihe mir hier meine mangelnde Fähigkeit, das Instrument genauer bezeichnen zu können, denn ich kann leider nicht heraushören, ob es jetzt eine Saz oder eine Oud ist. Auf jeden Fall hört man, was auch immer hier gespielt wird, fantastisch heraus und es verleiht dem Song einen ganz eigenen Charakter, so dass man das Stück spätestens nach dem zweiten Durchgang nicht mehr aus dem Ohr kriegt.

Der Song geht dann ziemlich nahtlos in „All Knowing Eye“ über, das – mir fällt kein besseres Adjektiv ein – traumhaft schön daherkommt, sehr melodiös, schwebend, mit wunderschönem Gesang und einem großartigen Gitarrensolo. Mit „Yedidi“ folgt dann ein sehr traditionell klingender, auf hebräisch vorgetragener Song, der ebenfalls einfach nur wunderschön daherkommt, sobald sich das Ohr an die fremden Klänge gewöhnt hat – wobei das Fans von ORPHANED LAND sicher schnell gelingen dürfte, denn sowas kennt man ja bereits von der Band.

„Chains Fall To Gravity“ beginnt langsam, mit traditionellen Saitenklängen, entwickelt sich dann zu einer sehr schönen, klassischen Power-Ballade mit einem wuchtigen Choreinsatz im Chorus, der mir wieder einmal eine Gänsehaut verursacht, um dann in ein großartiges, technisch ansprechendes Solo zu gipfeln – Hammer! Definitiv ein weiteres Highlight auf dem Album. Ach was rede ich, dieses Album hat bisher NUR Highlights! Ein solches ist definitiv auch das folgende „Like Orpheus“, bei dem sich ORPHANED LAND keinen geringeren als den weltweit geschätzten BLIND GUARDIAN-Sänger Hansi Kürsch als Gast an Bord geholt haben – und der bringt wie gewohnt eine sehr gute Leistung und harmoniert ganz fantastisch mit Kobi Farhi und dem Rest der Band in einem wunderbaren Mix aus klassischem Symphonic Metal und Oriental Metal – ganz großes Kino!

„Poets Of Prophetic Messianism“ stellt sich als sehr atmosphärisches, orchestrales Stück heraus, das aber nicht wie Füllwerk klingt – es fügt sich nahtlos und absolut passend in das Gesamtwerk ein. ORPHANED LAND schaffen es sogar, ein solches Zwischenspiel richtig klingen zu lassen. Mit dem folgenden „Left Behind“ kommt ein weiterer Song mit Mitsing-Charakter daher, der sich zu einem Live-Hammer entwickeln könnte. „My Brother’s Keeper“ präsentiert sich als eine weitere, orchestrale Nummer, in der die komplette Bandbreite von ORPHANED LAND gut widergespiegelt wird. „Take My Hand“ beginnt mit atmosphärischen Sprachsamples, baut dann im Songverlauf einen fantastischen Melodiebogen auf und kann im Hintergrund mit einem stampfenden Rhythmus begeistern, der zum Kopfschütteln animiert.

„Only The Dead Have Seen The End Of War“ packt dann noch einmal die Keule aus und erinnert mit seinen schon fast an Death Metal erinnernden Elementen an die früheren Tage der Band, als man noch etwas roher und wüster daherkam, bevor die Jungs mit „Mabool“ ihren eigenen Sound endgültig gefunden hatten. Macht absolut Spaß, die Nummer! „The Manifest – Epilogue“ lässt dann das Album sehr atmosphärisch, sehr traditionell und absolut passend ausklingen, etwas eher ruhiges zum Ende hin.

Nach etlichen Durchgängen von „Unsung Prophets & Dead Messiahs“ kann ich sagen: Wow, das Album ist echt ne Reise! Man kann die Scheibe vermutlich 100 mal hören und wird noch jedes Mal was neues entdecken. Das Songwriting von ORPHANED LAND erreicht mit diesem Album neue, ungeahnte Höhen – die Mischung aus Komplexität und Eingängigkeit passt hier absolut perfekt! Das neue Werk vereint die Progressivität von „The Neverending Way Of OrWarriOr“ mit der Eingängigkeit und Klarheit von „All is One“ – hier kommt absolut alles zusammen, was man sich von ORPHANED LAND nur wünschen kann! Der Sound ist natürlich ebenfalls absolut fantastisch, hier bleiben wirklich überhaupt keine Wünsche offen – ich wüsste jedenfalls nicht, wie man das Album besser hätte abmischen können. Fans werden die Scheibe mit großer Wahrscheinlichkeit nur abfeiern, aber vielmehr wird dieses Album der Band neue Fans bescheren! „Unsung Prophets & Dead Messiahs“ ist nicht nur das neue Album, nicht nur ein ORPHANED LAND Album – es ist DAS ORPHANED LAND Album! Dieses absolute Meisterwerk gehört meiner bescheidenen Meinung nach in jeden Plattenschrank! (Dennis)


Bewertung:

Dennis10,0 10 / 10


Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 63:37 min
Label: Century Media Records
Veröffentlichungstermin: 26.01.2018

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